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«Skirennen gehören einfach dazu»

Laurien Gschwend, 6. Februar 2018, 11:29 Uhr
Der Druck auf Kinder steigt - deshalb veranstaltet die Davoser Skischule «Top Secret» keine Rennen mehr. (Symbolbild)
© Keystone/Gaëtan Bally
Der Leistungsdruck war zu gross: Bei der Davoser Skischule «Top Secret» finden seit Weihnachten keine Rennen für Anfänger mehr statt. In Flums und Arosa gilt der Wettbewerb weiterhin als Höhepunkt der Woche.

«Ich kann zum Teil nachvollziehen, dass Wettkampfsituationen Stress verursachen», sagt Vali Gadient, Leiter der Ski- und Snowboardschule Flumserberg, gegenüber FM1Today. Das Skirennen mit Siegerehrung und Kinderparty - es gibt Medaillen und Schokolade für alle - sehe ein Grossteil der Kinder aber als wesentlichen Bestandteil der Woche. «Sie haben Spass daran, ihr Können zu zeigen und sich an ihren Kolleginnen und Kollegen zu messen.» Zum Saisonabschluss treten die jeweiligen Gewinnerinnen und Gewinner gegeneinander an.

So sieht es am Ende der Skiferien für viele Kinder aus:

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Quelle: FM1Today-Leserreporter 

Tränen bei Verlierern

Wie «20 Minuten» am Dienstag berichtet, hat die Ski- und Snowboardschule «Top Secret» in Davos das Skirennen für die beiden Anfänger-Kategorien abgeschafft. Skischulleiter Claudio Rupp: «Kurz vor dem Start mussten unsere Skilehrer schon oft Psychologe spielen. Bei den Verlierern gab es am Schluss tränen.» Statt eines Rennens gibt es eine «Snow-Show» mit Choreografien und Parallel-Abfahrten. Hier zählt laut Rupp der Team-Gedanke.

Der Druck vor und während Skirennen stelle am Flumserberg kein Problem dar, sagt Gadient. «Negative Rückmeldungen sind mir diesbezüglich keine bekannt.» Manche Mädchen und Buben seien nervöser als andere, diese würden von den Lehrpersonen besonders betreut. Am Ende eines Skikurses am Rennen teilzunehmen, sei kein Muss - «aber es gehört halt einfach dazu».

Goldmedaillen für alle

In Arosa fahren schon die Kleinsten Skirennen, jedoch ohne Zeitmessung, wie Noldi Heiz, Leiter der Ski- und Snowboardschule Arosa, sagt. «Sie sollen das Renngefühl spüren. Am Ende erhalten alle eine Goldmedaille.» Was bei den Anfängern im Vordergrund stehe, sei zu zeigen, welche technischen Fortschritte sie während der Woche gemacht haben.

Ältere Kinder absolvieren die Rennen in Arosa mit Zeitmessung. Die schnellsten Skihasen werden am Ende der Saison zum «Master-Rennen» geladen. «Die meisten haben eine riesige Motivation, daran teilzunehmen und bereiten sich speziell darauf vor.»

«Lust am Rennenfahren überwiegt»

Heiz beobachtet in Bezug auf den Leistungsdruck zwei Tendenzen: «Manche Kinder wollen keine Rennen fahren, andere verlängern die Skischule extra, um daran teilnehmen zu können.» Viele Eltern hätten Freude daran, mit ihren Kindern mitzufiebern und diese erfolgreich zu sehen. «Insgesamt überwiegt die Lust am Rennenfahren.» Das sei der Grund, weshalb die Aroser Ski- und Snowboardschule daran festhalten wolle.

Für Snowboard-Schülerinnen und -Schüler findet in Arosa jeweils ein Contest mit Tricks und Sprüngen statt. «Klassische Rennen sind nicht ihr Style», erklärt Heiz. Am Ende der Woche gebe es ebenfalls eine Rangierung mit Medaillen. Auch am Flumserberg ist man offen für Freestyle-Wettkämpfe.

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 6. Februar 2018 11:29
aktualisiert: 6. Februar 2018 11:29