«Solche Lawinen sieht man alle 15 Jahre»

Fabienne Engbers, 30. April 2019, 14:53 Uhr
Im Flachland erwarten wir den Sommer, auf den Bündner Pässen liegen währenddessen noch mehrere Meter Schnee. Damit Albula, Umbrail und Flüela ab Mai wieder befahrbar sind, braucht es viel Zeit und Aufwand.

Die Alpenpässe gehören zur Identität der Schweiz wie Uhren oder Käse. Auch in Graubünden ist der jahrtausendealte Verkehr über die steilen Kurven fester Bestandteil der Kultur. Im Winter werden nicht alle Alpenpässe unterhalten, diese Passstrassen müssen nun wieder für den Sommerverkehr bereit gemacht werden. Das Bündner Tiefbauamt gräbt sich deshalb momentan Meter für Meter durch die zugeschneiten Strassen.

Zwölf gänzlich verschiedene Passstrassen

Während die Pässe Bernina, Julier, Lukmanier, Maloja und Ofen ganzjährig offen bleiben, werden die sieben anderen Passstrassen Graubündens spätestens ab November oder Dezember in den Winterschlaf gebracht. Damit die Passstrassen nach der Wintersperre rechtzeitig wieder dem Verkehr übergeben werden können, ist eine Menge harte Arbeit nötig.

Die Mitarbeiter des Tiefbauamts arbeiten dafür wochenlang unter Hochdruck und bei anspruchsvollen Verhältnissen, schreibt das Tiefbauamt Graubünden. «Es ist immer Action und man sitzt immerzu auf Nadeln, weil nie sicher ist, ob alles klappt», sagt Domenic Jäger, Strassenwart beim Tiefbauamt Graubünden. Wiederkehrende Wintereinbrüche und die stetige Lawinengefahr gehören hier zum Alltag.

So viel Schnee wie schon lange nicht mehr

Besonders dieses Jahr sind die Verhältnisse schwierig, es liegt so viel Schnee wie schon lange nicht mehr. «Es gibt Orte, da liegt immer etwa gleich viel Schnee. An anderen Orten gehen in einem Winter wie dieses Jahr Lawinen ab, die man nur alle 15 Jahre sieht», sagt Sergio Oswald, stellvertretender Betriebsleiter des Tiefbauamtes. «Das ist auch für mich speziell, so mächtige Schneemassen auf der Strasse zu sehen.» Bis zu vier Meter hoch sind die Schneemauern, die jeden Frühling abgetragen werden.

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Quelle: Tiefbauamt Graubünden

Nicht nur Lawinen, auch das schlechte Wetter im Frühjahr kann die Öffnung einer Passstrasse verzögern. «Heute ist es neblig und man sieht nicht genau, ob man noch auf der Strasse ist oder schon daneben», sagt Domenic Jäger. Nicht selten bleibt ein Schneeräumungsfahrzeug in den Schneemassen stecken und die Kollegen müssen beim Ausbuddeln helfen.

Aktuelle Informationen zu den einzelnen Passöffnungen sowie detaillierte Angaben zu Strassenarbeiten und Behinderungen sind auf www.strassen.gr.ch abrufbar.
Fabienne Engbers
Quelle: pd/enf
veröffentlicht: 30. April 2019 14:53
aktualisiert: 30. April 2019 14:53