Wegen Corona

«Überall fehlen Leute» – 300 Stellen bei Hamilton offen

Dario Brazerol, 24. September 2020, 23:57 Uhr
Andreas Wieland, CEO der Hamilton AG (Archiv)
© Keystone
Während die Wirtschaft coronabedingt leidet, floriert das Geschäft der Hamilton Medical AG in Graubünden. Die Herstellerin von Beatmungsgeräten und Robotern für Covid-19-Tests muss sogar das Personal aufstocken. Es fehlen 300 Mitarbeitende.

Die Hamilton Medical AG in Bonaduz und Domat/Ems profitiert vom Coronavirus. Die Bündner Firma beliefert schon seit Beginn der Pandemie Spitäler im In- und Ausland mit Beatmungsgeräten für Intensivstationen. Auch wenn immer weniger Corona-Patienten hospitalisiert werden müssen – die Hamilton Medical AG produziert nach wie vor auf Hochtouren und muss den Personalbestand nun drastisch erhöhen.

So hat sich die Anzahl an Hospitalisationen in der Schweiz seit Kalenderwoche 9 verändert.

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300 Stellen zu besetzen

«Die Mitarbeitenden fehlen auf der ganzen Linie», sagt Andreas Wieland, CEO der Hamilton. «Es braucht Leute in der Fabrikation, für die Supply-Chain, technische Themen oder für die Entwicklung von neuen Applikationen.» 300 Stellen sind aktuell zu besetzen, um sicherzustellen, dass die Lieferfristen nicht verlängert werden müssen.

Die Aufträge für Beatmungsgeräte würden von allen Seiten eintrudeln. Zusätzlich stellt die Firma Roboter für Covid-19-Tests her. «Diese sind aktuell besonders in England sehr gefragt. Dies, weil dort pro Tag bis zu 600'000 Tests durchgeführt werden.» Um der erhöhten Nachfrage an medizinischen Spezialprodukten gerecht zu werden, arbeiten die Angestellten der Hamilton seit Frühling in Schichten und sogar am Wochenende. «Unsere Leute werden zur Zeit extrem gefordert. Sie sind aber auch stolz, wenn sie helfen können, die Ausnahmesituation zu meistern.»

«Mitarbeitende aus der Region haben Priorität»

Aktuell fehlt es beispielsweise an Biologen, Ärzten oder Ingenieuren, welche zu grossen Teilen im EU-Raum rekrutiert werden müssen: «Einige dieser Fachspezialisten gibt es hier in der Schweiz nicht oder werden hier nicht ausgebildet. Deshalb sind wir auf sie angewiesen.» Trotzdem sei er stolz, wenn er Personal aus der Region rekrutieren könne, sagt Andreas Wieland: «Das hat bei mir immer Priorität.»

Der Personalbestand erhöhte sich seit 2019 von 1200 auf 1450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. «Das stellt hohe Ansprüche an die Organisation und die Infrastruktur. Einerseits müssen wir in Domat/Ems dringend mehr Platz errichten, andererseits stellen die Hygienemassnahmen während der Pandemie für diese Masse an Mitarbeitenden eine grosse Herausforderung dar.» Alle Mitarbeitenden müssen aktuell Masken tragen und können täglich freiwillig ihre Temperatur messen lassen.

Erfolgsgeheimnis: Voraussicht und Taktik

Das florierende Geschäft spiegelt sich auch in den Finanzen des Unternehmens wider. Im Vergleich zu 2019 hat die Hamilton Medical AG ihren Umsatz dieses Jahr bereits verdoppelt – und 2019 war mit rund 300 Millionen Franken ein Rekordjahr für die Firma. Das Erfolgsgeheimnis: Voraussicht und Taktik, sagt Wieland. «Wir haben schnell und richtig reagiert. So konnten wir im Vergleich zur Konkurrenz mehr Geschäfte abschliessen. Schon anfangs Januar haben wir Materialien für die Beatmungsgeräte gehamstert. Als das Virus da war, war uns klar, dass getestet werden muss und wir haben mehr Roboter für die Covid-Tests hergestellt.»

Der Preis des Erfolgs

Die steigende Erfolgskurve der Hamilton scheint somit auch für die Zukunft gesichert. Die erhöhte Produktivität geht aber auch an Andreas Wieland nicht spurlos vorbei: «Im März hatte ich eine Phase, in der ich nicht gut abschalten konnte. Ich war fast immer im Büro, während etliche andere im Homeoffice waren. Dann bin ich auf mein Maiensäss gefahren, um Holz zu hacken.»

Und auch jetzt denkt Wieland schon wieder einen Schritt weiter. «Wir arbeiten an Geräten, welche die Impfstoffproduktion automatisieren können. Weiter werden wir die Covid-Testgeräte – sofern es einen Rückgang der Nachfrage gibt – umprogrammieren, sodass diese anderweitig verwendet werden können.» Ausserdem wolle man künftig auch in anderen Ländern produzieren. Dabei dürfe eines aber nicht ausser Acht gelassen werden: «Die Leute müssen sich gegenseitig helfen. Da mache ich mir aber keine Sorgen. Ich bin sehr stolz auf unsere Mitarbeitenden.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 25. September 2020 12:27
aktualisiert: 24. September 2020 23:57