Viva! Wir feiern dich, Rätoromanisch

Lara Abderhalden, 20. Februar 2018, 08:11 Uhr
Eine Schuelerin schreibt in Rumantsch Grischun in einer Bündner Schule, aufgenommen 1996.
Eine Schuelerin schreibt in Rumantsch Grischun in einer Bündner Schule, aufgenommen 1996.
© Keystone/Arno Balzarini
Cordialas gratulaziuns e tut il bun! Herzliche Gratulation und alles Gute zum 80. Jahrestag als vierte Landessprache der Schweiz, liebes Rätoromanisch. Am 20. Februar 1938 wurde Rätoromanisch in einer Abstimmung mit über 90 Prozent als Landessprache angenommen. Wie gut kennt ihr unsere vierte Landessprache?

In der Schweiz leben rund 60'000 Menschen, die Rätoromanisch sprechen. Jeder dritte davon wohnt nicht mehr im Kanton Graubünden, sagt Andreas Gabriel, Medienleiter der Lia Rumantscha, Dachorganisation aller romanischen Sprachvereine. «Es gibt immer mehr Kinder, die beispielsweise in Zürich aufwachsen, aber eine romanische Familie haben.» Vor 80 Jahren sei Rätoromanisch als Sprache des wehrhaften Bergvolkes angesehen worden, heute sei die Sprache überall verstreut.

Nachfrage nach Romanisch-Kursen ist gross

Für diese Rätoromanisch sprechenden Menschen ausserhalb des Kantons gibt es gemäss Andreas Gabriel zu wenige Möglichkeiten, die Sprache zu lernen oder aufzufrischen. «Wir wünschen uns einen einfacheren Zugang zu gewissen romanischen Dienstleistungen wie beispielsweise Schulbildung, Krippen oder Kindertagesstätten», sagt Gabriel. Viele würden nicht mehr im traditionellen Sprachgebiet leben, dennoch hätten sie den Anspruch, die Sprache zu lernen. Dies zeige sich auch an der Anzahl Kursanmeldungen: «Unsere Romanisch-Kurse sind sehr gut besucht. Vor allem die Sommerintensivkurse haben einen guten Zulauf.»

Mit Rätoromanisch integrieren

«Die Leute sind fasziniert, weil es eine Sprache ist, die wenige sprechen oder sie denken sich, ‹die anderen drei Sprachen beherrsche ich schon, jetzt möchte ich diese auch noch lernen›.» Auch der familiäre Bezug spiele eine Rolle. «Einige möchten sich integrieren, weil sie schon seit Jahren Ferien in der Region machen.»

Verschiedene Idiome verstehen sich nur zum Teil

Lernt ein Aussenstehender Romanisch, wird das in den rätoromanischen Regionen geschätzt: «Man hat es als Einheimischer gerne, viele stellen aber aus falscher Rücksicht schnell auf Deutsch um.» Ausserdem gibt es im Rätoromanischen fünf verschiedene Idiome: Sursilvan, Sutsilvan, Surmiran, Putér und Vallader. Entstanden sind die verschiedenen Idiome durch die Abgeschiedenheit der Orte. «Die Idiome haben alle einen eigenen Wortschatz und eigene Wörterbücher. Wenn man etwas Übung hat, verstehen sich die einzelnen Idiome untereinander. Eine Region, die wenig Austausch mit anderen hat, kann die Idiome allerdings nicht so gut verstehen.»

Radio und Fernsehen fördern Sprache

Radio und Fernsehen hätten viel dazu beigetragen, dass man einzelne Begriffe immerhin schon gehört habe. Im Allgemeinen misst Andreas Gabriel den Medien einen grossen Stellenwert zu, was die Entwicklung und Existenz der Sprache anbelangt. Ohne staatliches Radio und Fernsehen könnte die Sprache bald aussterben.

Es gibt Kritiker, die eine Abschaffung des Rätoromanischen als Landessprache schon lange fordern. «Diese Meinung kann man vertreten», sagt Andreas Gabriel. Er selbst ist sich jedoch bewusst: «Rätoromanisch gehört zur Schweiz, diese Entscheidung ist vor 80 Jahren gefallen und stellt immer noch ein positives Resultat dar.»

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 20. Februar 2018 05:35
aktualisiert: 20. Februar 2018 08:11