Patentjagd

Widerstand gegen Bündner Jagdinitiative als Gesamtpaket

28. April 2021, 14:26 Uhr
Ein Jäger beobachtet auf der Bündner Hochjagd im September Gamswild im Gebiet «Roggen» oberhalb von Klosters (Archivbild)
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Gegen die kantonale Volksinitiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» hat sich in Graubünden breit aufgestellter Widerstand formiert. Das vor Jahren lancierte Volksbegehren habe bereits Positives bewirkt, als Gesamtpaket sei es aber gefährlich, findet das Nein-Komitee.

Im Nein-Komitee vertreten sind mit ihren Vereinen die Bündner Jäger, Fischer, Bauern und Waldeigentümer. Wie deren Exponenten am Mittwoch vor den Medien in Chur erklärten, sehen sie im Volksbegehren mit dessen neun Forderungen vor allem einen weiteren Angriff auf das zweistufige Bündner Jagdsystem aus regulärer Patentjagd im September und Sonderjagd ab November.

Der Name der Initiative sei trügerisch und mache das Volksbegehren «zum Wolf im Schafspelz», sagte Tarzisius Caviezel, Präsident des kantonalen Patentjäger-Verbandes. Mit der Annahme der Initiative werde die Ausübung der Jagd durch private Jäger teilweise abgeschafft und stark eingeschränkt. Schlussendlich gehe es den Initianten aber klar um die «gänzliche Abschaffung der Jagd», sagte der Jäger-Präsident.

«Die Initiative kann ihr Versprechen, die Jagd naturverträglich und ethisch zu machen, nicht erfüllen», erklärte Stefan Engler, Mitte-Ständerat und Verwaltungsratsmitglied des Waldeigentümerverbandes Selva. Die konkreten Vorschläge zu einer neuen Jagdplanung seien keine bessere Alternative zum heutigen System, so Engler.

Einzelne Forderungen bereits im Jagdgesetz

Die Volksinitiative «Für eine naturverträgliche und ethische Jagd» war vom Verein Wildtierschutz Schweiz bereits 2014 eingereicht worden. Wegen eines jahrelangen politischen und juristischen Hick-Hacks über deren Gültigkeit können die Bündner Stimmberechtigten aber erst diesen Juni über das Begehren befinden.

Die Initiative habe in den Jahren seit der Lancierung bereits einiges bewirkt, erklärte Franziska Preisig, SP-Grossrätin und Mitglied der für die Initiative zuständigen parlamentarischen Kommission. Zwei der neun Forderungen seien ins Jagdgesetz aufgenommen worden.

Seit 2017 verboten ist die Jagd mit Fallen und es darf nicht mehr mit Blei geschossen werden. Zudem müssen die Jäger regelmässig ihre Treffsicherheit nachweisen.

Andere Forderungen hätten die Grünröcke freiwillig in ihren Jagdalltag einfliessen lassen, sagte Preisig. Weiter würden Forderungen nach einer Promille-Grenze für Jäger und einem Verbot der Vogeljagd durchaus auf Sympathien stossen im Parlament und in der Bevölkerung.

«Sympathische Einzelpunkte, gefährliches Gesamtpaket»

Genau das mache die Initiative gefährlich, weil einzelne Punkte sympathisch seien, betonte Preisig. «Als Gesamtpaket ist sie zu radikal und gefährdet die gute Lösung der Bündner Jagd», sagte sie. Deshalb habe der Grosse Rat das Volksbegehren im Februar einstimmig zur Ablehnung empfohlen.

Die Gegner sehen vor allem in der Forderung nach einer generellen Winterruhe für alle Wildtiere ab Anfang November einen Frontalangriff auf die Sonderjagd. Diese diene aber, wie Engler ausführte, «der regionalen Feinabstimmung von Lebensraum und Wild».

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. April 2021 14:26
aktualisiert: 28. April 2021 14:26