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Fruchtbarkeit

Wie Krebs den Kinderwunsch zerstören kann

Chantal Herger, 5. Juni 2021, 08:42 Uhr
Krebsbehandlungen können den Kinderwunsch beeinträchtigen.
© GettyImages
Es sind beides Themen, über die man lieber nicht spricht: Krebs und Fruchtbarkeit. Die Tabus haben noch etwas anderes gemeinsam.

Die Krankengeschichte der 29-jährigen Jasmin bewegt: Im Alter von sieben Jahren erkrankte sie an Leukämie, erhielt eine Chemotherapie. Als sie 14 Jahre alt war, wurde ein Tumor entdeckt. Es folgte eine Bestrahlung. Heute lebt die gebürtige Bündnerin im Kanton Zürich und arbeitet als Lehrerin.

Und auch wenn sie den Krebs besiegt hat, ist das Thema nie ganz abgeschlossen, erzählt Jasmin am Telefon. Gerade wenn Familienplanung ein Thema wird, ist der Krebs wieder da. Nicht in Form eines Tumors, sondern als Folge der Krebsbehandlung. Denn Krebsbehandlungen können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.

Im Gespräch davon erfahren

Als krebskrankes Kind hat sich Jasmin darüber keine Gedanken gemacht. Auch bei den behandelnden Ärztinnen und Ärzte war es kein Thema. Ob diese mit ihren Eltern darüber geredet haben, weiss sie nicht. Erst im Alter von 24 Jahren hat Jasmin im Gespräch mit anderen Survivors (so werden geheilte Krebskranke genannt) erfahren, dass die damalige Chemotherapie und Bestrahlung ihren Kinderwunsch eines Tages zerstören könnte. Zu dieser Zeit hat sie ihren heutigen Ehemann kennengelernt: «Ich konnte mir vorstellen, mit ihm eine Familie zu gründen.» Umso grösser der Schock, als sie von der möglichen Unfruchtbarkeit durch die Krebsbehandlung erfuhr. «Ich war unsicher und liess eine Abklärung machen, die damals gut ausfiel.» Nun hatte sie Gewissheit, Kinder wären möglich.

Auf die Frage, was sie denn anders gemacht hätte, antwortet Jasmin: «Wenn ich früher davon gewusst hätte, hätte ich mich früher abklären lassen und beispielsweise Eizellen eingefroren oder eine hormonelle Therapie begonnen, wenn es nötig gewesen wäre.» Doch nicht mal ihre Frauenärztin hatte Kenntnis davon, welche Auswirkungen Krebsbehandlungen für die Fertilität haben könnte. Umso wichtiger sei die Aufklärung über dieses Tabuthema, so Jasmin. «Krebs ist ein allgemeines Tabuthema. Wenn man Krebs überlebt hat, glauben viele, dass es damit abgeschlossen ist. Das ist aber nicht so.» Deshalb setzt sich die 29-Jährige auch für die Sensibilisierungskampagne von Kinderkrebs Schweiz ein. Es sei wichtig, dass man weiss, wo man Hilfe und Informationen finden kann.

Bei Jasmin und ihrem Mann ist die Familienplanung nun aktuell geworden. Die 29-Jährige hat sich nochmals einem Fertilitätstest unterzogen. Die Ergebnisse des Tests stehen noch aus.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 31. Mai 2021 09:00
aktualisiert: 5. Juni 2021 08:42