Wolfsabschuss

«Wir hoffen, dass wir den Schadstifter erwischt haben»

Marian Märki, 26. September 2022, 15:23 Uhr
In der Nähe von Klosters hat ein Jäger einen Wolf erlegt. Der Abschuss war eine Reaktion des Kantons auf die vielen Nutztierrisse im Gebiet. Doch ist mit dem Abschuss nun das Problem gebannt? Der Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei zeigt sich zurückhaltend.
Ein Wolf, vermutlich ein Männchen, wir weiterhin von den Behörden im Gebiet beobachtet. (Symbolbild)
© Keystone
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Am Samstag gelang es einem Jäger, auf dem Gemeindegebiet von Klosters einen weiblichen Wolf zu erlegen. Der Abschuss wurde vom Kanton per 1. September verfügt. Grund dafür waren zahlreiche Nutztierrisse in diesem Gebiet.

Doch ist der Abschuss nun ein Erfolg? Wie geht es weiter? Was muss dabei beachtet werden? FM1Today hat mit Adrian Arquint, dem Leiter des Amtes für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden, über den Abschuss gesprochen.

Herr Arquint, Sie schreiben in der Mitteilung zum Abschuss, dass es eine zeitintensive Angelegenheit war. Was waren denn die Hindernisse?

Wir wussten, dass sich in diesem Gebiet ein männlicher und ein weiblicher Wolf aufhalten. Daher mussten wir sicherstellen, dass es in diesem Sommer zu keiner Rudelbildung kam. Da die beiden aber keinen Nachwuchs zeugten, konnten wir eine Abschussgenehmigung erteilen. Der Abschuss eines Wolfs ist jedoch nicht einfach, insbesondere wegen dem Aufspüren eines Einzelwolfes in einem grossen Streifgebiet und die guten Voraussetzungen, die für eine gute Schussabgabe gegeben sein müssen. Der versuchsweise Einsatz der Jägerschaft während der laufenden Jagdsaison ist uns in diesem Fall gerade gelegen gekommen.

Wie meinen Sie das?

Dadurch konnten wir zu unserer Unterstützung speziell instruierte und ortskundige Jäger beiziehen.

Wenn es jetzt zu einer Rudelbildung gekommen wäre, hätte man dann auf den Abschuss verzichtet?

Nein, es hätte ein anderes Verfahren benötigt. Bei einem Einzelwolf kann der Kanton den Abschuss verfügen. Bei einem Rudel braucht es für die Regulation die Zustimmungen des Bundes. Zudem wären dann die Jungtiere reguliert worden und nicht die erwachsenen Wölfe.

Sie haben ja bereits gesagt, dass es zwei Wölfe in diesem Gebiet gibt. Sind denn auch beide für Risse verantwortlich?

Ja. Beiden Tieren konnten Risse nachgewiesen werden.

Wie wussten denn die Jäger, dass sie das richtige Tier im Visier haben?

Wir haben die Fläche definiert, in der der Wolf geschossen werden darf. Die Abschussbewilligung galt für ein Tier. Nun hoffen wir, dass wir den Schadstifter erwischt haben.

Wie wird nun weiter verfahren?

Wir werden die Schadensentwicklung im Auge behalten. Nächstes Jahr werden wir mehr wissen. Denn es kann sein, dass sich der Wolf aus dem Gebiet zurückzieht, respektive weiterzieht. Aber das wissen wir noch nicht.

Es könnten also weitere Abschüsse folgen?

Ja, wenn die Schadgrenze wieder erreicht wird, wird es auch wieder zu Abschüssen kommen.

Ist man mit dem jetzigen Prozedere zufrieden oder gibt es Verbesserungspotenzial?

Wir werden in Zukunft mit dieser Thematik noch stärker gefordert sein. Der jetzige Ablauf mit den regionalen Jägern hat sehr gut funktioniert. Wir werden es im Nachgang sicherlich analysieren und unsere Lehren daraus ziehen. Zudem sind wir im regen Austausch mit dem Bund und unseren Nachbarkantonen.

Der Wolf polarisiert ungemein. Viele Bauern oder Jäger würden vermutlich gerne einen Wolf schiessen. Hat man bei Kanton Angst, dass zu einer Art Jagdtourismus kommen könnte?

Nein, Angst davor haben wir nicht. Wer im Kanton Graubünden jagen will, der muss auch das Patent bei uns machen. Die Hürden sind sehr hoch. Zudem haben nur ortskundige Jägerinnen und Jäger die Abschussberechtigung dazu erhalten, die auch dafür instruiert wurden.

Adrian Arquint  ist seit dem 1. Februar 2018 Amtsleiter des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden. Der in Scuol geborene und aufgewachsene Arquint studierte Veterinärmedizin an der Universität Zürich.

© Kanton Graubünden
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. September 2022 16:57
aktualisiert: 26. September 2022 16:57