Graubünden

«Wir rechnen damit, dass sich die Hälfte testen lässt»

8. Dezember 2020, 11:07 Uhr
In Wien wurden bereits Massentests durchgeführt. Das Interesse war nicht überall gleich gross.
© APA/HERBERT NEUBAUER
In drei Bündner Regionen beginnen am Freitag die ersten Corona-Massentests der Schweiz. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren – das Interesse, einen freiwilligen Coronatest zu machen, ist allerdings nicht in allen Gemeinden gleich gross.

Zelte werden aufgestellt, der Dorfsaal umstrukturiert und Briefe an die Einwohner verschickt – die Gemeinden der drei Bündner Regionen Maloja, Bernina und Engiadina Bassa/Val Müstair sind in den Vorbereitungen für die Corona-Massentests, die von Freitag bis Samstag diese Woche als Schweizer Pilotprojekt durchgeführt werden.

Der Kanton Graubünden will mit diesem Pilotprojekt herausfinden, wie gross die Testbereitschaft ist und dann allenfalls im ganzen Kanton flächendeckend Tests durchführen, FM1Today berichtete.

Ablauf der Massentests

Am Montagmorgen wurden die Gemeinden über den Ablauf der Massentests informiert, heisst es auf Anfrage beim Kanton. Der Ablauf ist in allen Gemeinden gleich, zeigt eine Auflistung auf der Webseite des Kantons: Die Testpersonen registrieren sich entweder ab Mittwoch online oder füllen die Anmeldedetails vor Ort aus. Es gibt eine Ausweiskontrolle und man wird einer Testlinie zugeordnet. Es folgt der Nasen-Rachen-Abstrich und die Testpersonen erhalten rund 30 Minuten nach dem Test eine SMS mit dem Testergebnis. Das ganze Prozedere sollte nicht länger als 20 Minuten dauern.

Die Daten aus den Tests werden gespeichert und nach zwei Wochen gelöscht. Ausserdem gelangen positive Testergebnisse ins Meldesystem des Bundes.

Ablauf der Corona-Massentests in Graubünden.

© Kanton GR

«Wir rechnen damit, dass sich ein Viertel der Bevölkerung testen lässt»

Nicht überall ist das Interesse an den Massentests im Vornherein gross. Auf Anfrage bei der Gemeinde Samnaun beispielsweise sagt Gemeindepräsident Walter Zegg: «Wir rechnen damit, dass sich rund ein Viertel der Bevölkerung testen lassen wird.» Rund gleich viele, wie sich bereits in der österreichischen Nachbargemeinde Pfunds testen liessen. «Es werden lange nicht alle zu den Tests erscheinen», sagt Zegg.

In Samnaun werden zwei Garagen bei einer Arztpraxis in Testzentren umgewandelt. Es sei bereits alles sehr gut organisiert. Damit sich die Zahl der freiwilligen Testenden weiter erhöhe, wird die Gemeinde in den nächsten Tagen Rundschreiben aufsetzen und Telefonate führen. «Für die Gemeinde ist der Massentest ein gutes Zeichen und hilft möglicherweise, Touristen in die Region zu locken.»

«Wir testen auch Touristen und Gastarbeiter»

Auch in der Gemeinde Zernez wird seit Freitagabend fleissig vorbereitet. «Wir möchten die Tests in zwei Tagen, Samstag und Sonntag, durchhaben», sagt Corsin Scandella, Gemeindeschreiber und Leiter der Verwaltung. In Zernez wurde das Auditorium des Schweizer Nationalparks in ein Testzentrum verwandelt: «Die Turnhalle ist gerade im Umbau, deshalb mussten wir umschweifen.» Am Samstag und Sonntag, ab 8 Uhr morgens bis 18 Uhr, werden die Tests in drei Testreihen gestaffelt durchgeführt.

«Wir vermuten, dass sich etwa die Hälfte der Bevölkerung von Zernez testen lassen wird», sagt Scandella. «Wir haben mit 1600 Tests mehr als genug.» Neben der Bevölkerung können sich in Zernez auch Touristen und Gastarbeiter freiwillig testen lassen. Es sei derzeit aber noch schwierig, aus der Bevölkerung ein Echo zu den Tests zu erhalten, da alles sehr kurzfristig komme und sich die Leute weniger treffen. «Die Restaurants und Stammtische sind geschlossen – es ist daher fast nicht möglich, einen Input der Bevölkerung zu den Tests zu erhalten.»

St.Moritz kann 6000 Tests durchführen

In Samedan ist die Gemeinde unter Zeitdruck, man sei gefordert, passende Örtlichkeiten für die Tests zu finden, die Information zum Ablauf der Tests sei aber sehr klar formuliert und man erhalte gute Unterstützung, heisst es von der Gemeinde.

Der Gemeindepräsident von Scuol, Christian Fanzun, ist mit seinen Mitarbeitern daran, die Testzentren in Form von zwei Zelten zu errichten und die Gruppeneinteilung für die Tests vorzunehmen. Die Einwohner von Scuol werden gestaffelt getestet. Um auch einen grossen Ansturm bewerkstelligen zu können, seien noch Pufferzonen erstellt worden.

St.Moritz evaluiert aktuell noch verschiedene Standorte, die für die Testzentren in Frage kommen. Drei Teststationen soll es geben, wo und in welcher Form diese entstehen, wird am Dienstag bekannt gegeben, schreibt Fabrizio D’Aloisio, Kommunikationsverantwortlicher der Gemeinde St.Moritz. «Der Logistik-Aufwand ist relativ gross. Unsere Testkapazität liegt bei 6000 Tests.» Wie in Zernez können sich in St.Moritz Einheimische und auch Touristen gratis testen lassen. «Die Tests dienen der Sicherheit von Einheimischen, Mitarbeitenden und Gästen, insbesondere im Hinblick auf die Weihnachtsferien.»

Geringes Interesse an Massentests in Vorarlberg

Um das Virus nachhaltig einzudämmen, müssten sich über 80 Prozent der Bevölkerung testen lassen, sagte Thomas Steffen, Vorstandsmitglied der Vereinigung der Schweizer Kantonsärzte im Bund. Dieses Ziel wird wohl in den drei Regionen schwer zu schaffen sein, ist aber auch gar nicht gewünscht, heisst es vom Kanton Graubünden: «Wir haben keinen Richtwert. Jeder Test ist wichtig, das Pilotprojekt dient dazu, Erfahrungen in diesem Bereich zu sammeln.»

Diese Erfahrungen hat unser Nachbarland Österreich bereits gemacht. An drei Tagen wurden beispielsweise in Vorarlberg Massentests durchgeführt. In diesen Tagen liess sich rund ein Drittel (über 105'000 Personen) der Bevölkerung testen. 404 Tests fielen positiv aus, das entspricht einer Positivitätsrate von 0,38 Prozent.

(abl)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 8. Dezember 2020 06:20
aktualisiert: 8. Dezember 2020 11:07