«Würde wieder die Polizei rufen»

Laurien Gschwend, 6. November 2017, 16:21 Uhr
Am Wochenende hat Kosmetikerin Fia Tuor die Churer Stadtpolizei gerufen, weil sie wegen einer Spinne nicht schlafen konnte. Die 28-Jährige nimmt das grosse Medienecho gelassen.

Als Fia Tuor am Samstagabend in ihrer Wohnung in Chur schlafen gehen wollte, erschrak sie ungemein: Auf dem Bett sass eine Spinne. «Sie war riesig. Zuerst dachte ich, mein Freund spiele mir einen Streich - bis ich merkte, dass es sich um ein lebendiges Tier handelte.» Die Bündnerin brach in Panik aus und rief ihren Liebsten an. «Dieser meinte, ich solle das Zimmer abschliessen und er werde die Spinne am anderen Tag rausholen.» Das kam für die 28-Jährige nicht in Frage. In Absprache mit ihren Facebook-Freunden kontaktierte sie die Feuerwehr.

Keine Handschellen für die Spinne

Wie die selbständige Kosmetikerin gegenüber FM1Today erklärt, war die Feuerwehr gerade beschäftigt, weshalb drei Beamte der Stadtpolizei Chur vorbeischauten. Diese sammelten das Tier ein und erlösten Fia aus ihrer misslichen Lage. «Die Polizisten meinten, sie könnten der Spinne keine Handschellen anziehen, sie aber mit auf den Polizeiposten nehmen.»

Dieses Foto schossen die Polizeibeamten von der Spinne:

Wegen dieser Spinne rief Fia Tuor die Churer Stadtpolizei. (Bild: zVg)

Die Situation sei ihr «wirklich peinlich» gewesen, sagt die Churerin nach der Rettungsaktion. «Die Polizisten pflichteten mir aber bei, dass es sich um ein hässliches Spinnen-Exemplar handelte.» Wäre die Stapo nicht gekommen, so Fia, «hätte ich in der Horrornacht kein Auge zugemacht». Die 28-Jährige würde wieder 117 wählen, wäre sie in Zukunft in einer ähnlichen Lage. «Aufsaugen konnte ich die Spinne nicht, da ich mich nicht in ihre Nähe begeben wollte und weil sie vermutlich nicht durch die Öffnung des Staubsaugers gepasst hätte.»

«Ich stehe dazu»

Nach einer Polizeimeldung berichteten mehrere Medien, darunter FM1Today, über den Spinnen-Einsatz. Die meisten Leserinnen und Leser hatten Mitleid mit Fia, andere belächelten sie. «Die Leute denken wahrscheinlich, ich hätte ein Aufmerksamkeitsdefizit. Ich stehe aber dazu, in der Situation Hilfe geholt zu haben. Die Leute sollen schreiben, was sie wollen», entgegnet die 28-Jährige.

Einsatz für Anruferin gratis

Gemäss Andrea Deflorin, Abteilungsleiter bei der Churer Stadtpolizei, muss Fia Tuor den Einsatz vom Wochenende nicht selber bezahlen. «Wir haben eine Hilfeleistung erledigt, für die Anruferin entstehen deshalb keine Kosten.» Die Patrouille sei auch deshalb ausgerückt, weil nicht klar gewesen sei, um welche Spinnenart es sich handelte. «Vor Ort stellten die Beamten fest, dass es eine normale Hausspinne war.»

Erleide man mitten in der Nacht eine Angstattacke aufgrund einer Spinne, sei es legitim, die Polizei um Hilfe zu beten, meint Deflorin. Zu einer solchen Zeit stehe meist auch niemand aus der Nachbarschaft zur Verfügung. «Unsere Leute kommen vor Ort, schauen sich die Sache an und helfen, wo sie können.»

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 6. November 2017 15:53
aktualisiert: 6. November 2017 16:21