Hammond hat keine Lust auf mich

Sandro Zulian, 12. Juni 2017, 13:11 Uhr
So weit kam ich leider nicht. Ich im Krankenzimmer von Richard Hammond.
© Richard Hammond / Fotomontage: FM1Today
Ich habe es probiert. Stundenlang tigerte ich auf dem Areal des Kantonsspitals St.Gallen umher. Das Ziel: Ex-Top-Gear-Moderator Richard Hammond. Gefunden habe ich ihn nicht. Eine Geschichte des Scheiterns.

Richard Hammond verunfallte am Bergrennen Hemberg mit seinem Elektro-Auto. Gottseidank wurde er dabei nicht schwer verletzt. Mit der Rega wurde er dann ins Spital geflogen. Ins Kantonsspital St.Gallen! Die Lefzen jedes Regio-Reporters wurden nass vom Geifer. So ein Star! Bei uns! Im Kanti! In St.Gallen! In der Ostschweiz! Wow.

Ich wurde losgeschickt, mit dem Ziel, ein Interview mit Hammond zu kriegen. Die Agentur war nicht erreichbar, weil Briten später anfangen zu arbeiten. Egal. Meine Redaktionskollegin Lara Abderhalden und ich zogen los und standen bald in der Informationshalle des Kantonsspitals. «Herr Hammond ist bei mir nicht einmal im System eingetragen. Ich kann und darf Ihnen gar nicht sagen, wo er liegt.» Die Info-Dame schien Mitleid mit uns zu haben. Dann kam mir die zündende Idee:

Ab diesem Tweet wird er sich kaputtlachen! Ich war mir sicher, dass ich damit etwas erreichen kann. Minuten später ploppt das Twitter-Logo auf meinem Handy auf. OH. MEIN. GOTT. Er hat sich gemeldet! Doch leider weit gefehlt. Patrik Kobler, der Chefredaktor der Appenzellerzeitung, hat meinen Tweet geliked. Na, danke vielmals. Sekunden später twittert eine Kollegin aus dem Boulevard:

Toll. Die Aasgeier haben wohl alles schon abgegrast. Kein Wunder will der Hammond nicht mit mir reden, wenn sich ein Boulevard-Reporter als Arzt verkleidet und sich so ins Krankenzimmer schleicht. Nicht, dass das tatsächlich passiert wäre, aber die Vorstellung finde ich lustig. Hammond bleibt also vorerst stumm und ich twittere fleissig weiter:

«Wir sind keine 'normalen' Journalisten. Wir möchten einfach ein kurzes, lustiges Gespräch mit dir führen. Welches wir aufnehmen. Mit einem Mikrofon. Und einer Kamera.»

Es passiert auch zwei Tweets später noch nichts. Ich bin mittlerweile bei Zigarette Nummer Vier angelangt und linse ständig auf das Bettenhaus, worin wir den Briten vermuten. Orthopädie und Traumatologie.

Schon ungezählte Male habe ich Hammonds Manager versucht zu erreichen. Aussichtslos. Dann halt wieder Twitter. Und jetzt gehe ich aufs Ganze. Ich lasse mich im Spitalshop beraten. «Für wen sind denn die Blumen?» fragt mich die Verkäuferin. «Für Richard Hammond», antworte ich. «Ah! Dann nehmen wir am besten eine bunte Rose. Er ist ja mehr so der lustige Typ, gell.»

Ich bejahe und kaufe mir zwei Rosen. Dann präsentiere ich Richard (ich nenne ihn mittlerweile so) stolz mein Geschenk auf Twitter:

«Letzter Versuch: Ich wusste nicht, welche Rose du am liebsten hast, darum habe ich dir beide gekauft ?» Das waren zehn Franken von meinem Lohn. Und wetten, das geht nicht als Spesen durch? Keine Reaktion. Endlich erreiche ich den Manager! «Yes, hello. I'm afraid Mister Hammond is not doing any interviews today. Have a good day.» Dann hängt er auf. Ich setze noch einen letzten Tweet ab: 

Soweit meine (ziemlich einseitige) Konversation mit dem britischen TV-Star. Ich lasse es sein. Ich war nur Meter von meinem Moderations-Idol entfernt. Habe die gleiche Luft wie er geatmet und das gleiche Gras angesehen. Nur zurückgetwittert hat er nicht. Schade. Gute Besserung, Richard!

Alles Liebe, dein Sandro.


Sandro Zulian
veröffentlicht: 12. Juni 2017 13:11
aktualisiert: 12. Juni 2017 13:11