Selbstgezüchtetes Gemüse

Hast du gewusst, dass Zucchetti giftig sein können?

13. August 2022, 08:57 Uhr
Zucchetti aus dem eigenen Garten sind in der Regel äusserst schmackhaft und gesund. Doch Vorsicht: Unter Umständen kann das beliebte Gemüse Giftstoffe entwickeln, die ernstzunehmende Vergiftungen verursachen können – und in Ausnahmefällen sogar den Tod. Eine Expertin klärt auf.
Eigentlich fein und gesund: Doch Zucchetti können auch üble Vergiftungen verursachen.
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Zucchetti und Zucchini – einziger Unterschied ist übrigens die Grösse – sind köstlich und noch dazu äusserst gesund. Das Gemüse, das gerade Saison hat, enthält Ballaststoffe, Vitamine und Calcium. Gefühlt noch besser schmecken die Gewächse aus der Familie der Kürbisse, wenn sie direkt im eigenen Garten gezüchtet und geerntet werden. Doch genau hier lauert eine nicht zu unterschätzende Gefahr. Denn Zucchetti können giftig sein – und zwar sehr.

Übelkeit, Durchfall, Erbrechen – und im Ausnahmefall gar tödlich

Selbstgezüchtete Zucchetti können den giftigen Bitterstoff Cucurbitacin entwickeln. Dieser kann üble Vergiftungen auslösen. «Die Substanz Cucurbitacin hat eine sehr hohe Reizwirkung auf die Schleimhäute. Das kann zu heftigen Magen-Darm-Symptomen führen, beispielsweise zu Durchfall, Erbrechen und Übelkeit», erklärt Colette Degrandi, Oberärztin bei Tox Info Schweiz, gegenüber FM1Today.

In Ausnahmefällen kann eine hohe Dosis Cucurbitacin gar zum Tod führen. So gab es zum Beispiel 2015 in Deutschland einen Fall, in dem ein 79-jähriger Mann nach dem Verzehr einer grossen Menge Zucchini verstorben ist. Für junge und gesunde Menschen ist die Einnahme von Cucurbitacin zwar äusserst unangenehm, den Tod muss man aber nicht gleich fürchten: «Junge und gesunde Menschen können auch heftige Symptome entwickeln, diese sind aber nicht lebensbedrohlich», sagt Degrandi.

Giftstoff als Schutz vor Fressfeinden

Doch warum entwickeln Zucchetti überhaupt einen derart giftigen Stoff? Laut Experte Folkert Siemens vom deutschen Gartenmagazin «Mein schöner Garten» handelt es sich bei Cucurbitacin um einen pflanzeneigenen Schutzstoff gegen Fressfeinde. Auch die mit der Zucchetti verwandten Kürbisse, Gurken und Melonen entwickeln deshalb das Gift. Besonders viel davon produzieren Zierkürbisse – diese sollten deshalb getreu ihres Namens keinesfalls gegessen, sondern einzig zur Dekoration eingesetzt werden.

Permanent Angst vor einer schweren Vergiftung muss man beim Konsum der genannten Gemüsesorten aber nicht haben. Denn: Beim im Laden erhältlichen Gemüse wurden die Giftstoffe längst herausgezüchtet.

Vorsicht vor Kürbissen – und grosser Hitze

Problematisch kann allerdings der Konsum von selbst gezüchteten Exemplaren im eigenen Garten sein. Dort können insbesondere Zucchetti erneut Cucurbitacin entwickeln. Dies einerseits durch die Nähe zu Kürbissen. Dann besteht nämlich die Möglichkeit, dass sich die Gewächse kreuzen, dadurch mutieren und die Gift-Produktion erneut angeregt wird.

Andererseits kann auch grosse Hitze zur Giftbildung beitragen. Dann gerät die Pflanze unter Stress und entwickelt als Reaktion das Gift. Gerade im Hitzesommer 2022 ist es also sinnvoll, das im Hinterkopf zu behalten. Weil der Bitterstoffgehalt mit zunehmender Reife zunimmt, ist es zudem angezeigt, Zucchetti nicht zu lange an der Sonne schmoren zu lassen, sondern sie relativ früh zu ernten.

Selbstgezüchtete Zucchetti auf Bitterkeit überprüfen

Laut Colette Degrandi ist die Entwicklung von Cucurbitacin auch bei selbst gezüchteten Zucchetti mehr Ausnahme als Regel – insbesondere, wenn man auf die beiden genannten Punkte acht gibt. Dennoch schadet es nicht, vor dem Zubereiten zu überprüfen, ob die Zucchetti essbar ist oder nicht. Denn obwohl sich giftige und ungiftige Zucchetti äusserlich nicht unterscheiden, kann man mittels vorsichtigen Geschmackstests rasch herausfinden, ob sich die Zubereitung noch lohnt – oder das Gemüse direkt auf dem Kompost landen sollte. Bereits beim Probieren eines winzigen Stückchens erkennt man die für Cucurbitacin typische ausgeprägte Bitterkeit.

Colette Degrandi ist Oberärztin bei Tox Info Schweiz.

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Ernsthafte Vergiftungen sind deshalb relativ selten, laut Degrandi erhält Tox Info Schweiz aber dennoch jährlich ungefähr 80 bis 90 Anfragen zu potenziellen Cucurbitacin-Fällen. «Knapp ein Viertel der Menschen kann Bitterkeit aus genetischen Gründen nicht wahrnehmen. Dann kann es sein, dass man es nicht bemerkt, wenn man gerade eine bittere, giftige Zucchetti isst.» Die Folge ist normalerweise heftiger Durchfall. «Dann sollte man auf jeden Fall sicherstellen, dass man genügend trinkt. Ist es besonders heftig und wird es nicht besser, sollte man sich ins Spital begeben», erklärt die Expertin.

Vorsicht ja, aber Angst vor dem Zucchetti-Essen ist fehl am Platz

Vorsicht schadet also auf jeden Fall nicht, wenn man selbst Zucchetti züchtet oder diese geschenkt bekommt. Angst zu haben wäre jedoch fehl am Platz. «Die allermeisten Zucchetti sind problemlos essbar. Man muss nicht das Gefühl haben, dass der Nachbar einen vergiften will, wenn er einem Zucchetti schenkt», so die Expertin schmunzelnd.

Sie ordnet ein: «Es gibt zwar diese Horrorgeschichten mit Zucchetti-Vergiftungen, wichtig ist aber das Verhältnis: In der Regel sind Zucchetti und Zucchini harmlos. Und selbst wenn sie eine geringe Menge Cucurbitacin enthalten, sind die Symptome nicht direkt lebensbedrohlich.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. August 2022 05:57
aktualisiert: 13. August 2022 08:57
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