Herisauer nerven sich über «Sauhunde»

Stephanie Martina, 16. März 2017, 13:40 Uhr
Die Ausserrhoder Gemeinde Herisau hat – wie viele andere Gemeinden – mit Abfallsündern zu kämpfen, die ihren Müll illegal bei der Sammelstelle beim WinWin-Markt liegen lassen. Die Gemeinde will die Entsorgungsstelle jedoch nicht Videoüberwachen.

«Wer hat schon mal eine Entdeckung bei der WinWin-Markt Glassammelstelle gemacht? Meist am Wochenende gibt es immer wieder Schweinehunde, die ihren Abfall illegal entsorgen.» Dies schreibt ein Mitglied der Gruppe «Du bisch vo Herisau, wenn...» auf Facebook und postet mehrere Bilder, die zeigen, wie Abfall bei der Glassammelstelle abgestellt wurde.

Leere Papiersäcke, Six-Pack-Schachteln, Altpapier und Karton liegt verteilt auf dem Areal herum. Auch andere Facebook-Nutzer stören sich am Müll. Eine Anwohnerin schreibt: «Ich wohne um die Ecke und bin immer wieder schockiert». Eine andere Frau findet: «Ganz schlimm! Immer wieder sieht es dort so aus... richtige Sauhunde!» In den Kommentaren fordern viele, dass der Platz per Videokamera überwacht werden soll oder die Sammelstelle nur noch offen sein soll, wenn sie auch beaufsichtigt werden kann.

Gemeinderat gegen Videoüberwachung

Auf Anfrage sagt die zuständige Herisauer Gemeinderätin Regula Ammann, dass der Gemeinde bekannt sei, dass bei der Glassammelstelle beim WinWin-Markt immer wieder Abfall illegal entsorgt werde und vor allem Schachteln und Säcke, die zum Entsorgen benötigt wurden, liegen bleiben würden. Eine Videokamera sei jedoch nicht die Lösung, betont Ammann. «Der Gemeinderat hat bereits über eine Kamera diskutiert, hat sich aber bewusst dagegen ausgesprochen, da wir die Bürger nicht wegen Littering-Problemen überwachen möchten.» Zudem sei es schwer, eine Bewilligung für die Videoüberwachung zu erhalten und auch die Frage, wer die Bilder ansehen dürfe, müsste geklärt werden.

Als weitere Massnahme habe die Verantwortlichen des WinWin-Marktes und der Gemeinderat auch über ein Gitter beraten. «Doch auch darauf möchten wir eigentlich verzichten, da es jene straft, die ihren Abfall ohne fixe Öffnungszeiten und Aufsicht korrekt entsorgen», sagt Ammann.

Müll wird nach Adressen durchsucht

Weil die Gemeinde, wie viele andere, bereits in der Vergangenheit mit Littering zu kämpfen hatte, hat sie auch schon einige Massnahmen ausprobiert. «Früher stand ein blauer Abfalleimer bei der Glassammelstelle. Damit sollte verhindert werden, dass der Abfall herumliegt. Doch das Littering-Problem wurde dadurch nur noch grösser, weil der Eimer permanent überquoll», erinnert sich Ammann. Heute gebe es einen Container mit einem schmalen Schlitz, durch den Papiersäcke entsorgt werden könnten. Ein Schild weise zudem darauf hin, dass illegales Abstellen von Müll verboten sei.

Daneben setzt die Gemeinde auf Ordnung. Unter der Woche drehen Mitarbeiter des WinWin-Marktes zweimal täglich eine Runde auf der Sammelstelle und räumen den illegal entsorgten Müll weg. Und auch am Samstagnachmittag sehen sie nochmals nach dem Rechten. Der Grundgedanke dahinter: Wenn es sauber ist, werfen die Leute ihren Abfall weniger weg. Den vorgefundenen Abfall durchsuchen die Angestellten. «Falls darin eine Adresse gefunden wird, werden die Kosten, die anfallen, um den Müll korrekt zu entsorgen, den Abfallsündern weiterverrechnet», sagt Ammann. Büssen kann die Gemeinde die Personen jedoch nicht, zumal der Kanton Appenzell Ausserrhoden über kein Littering-Gesetz verfügt. Deshalb bleibt der Gemeinde nur eines: Der Appell an die Bürger, ihren Müll richtig zu entsorgen.

Stephanie Martina
veröffentlicht: 15. März 2017 05:57
aktualisiert: 16. März 2017 13:40