«Ich denke jede Woche an Ylenia»

Laurien Gschwend, 5. August 2017, 07:57 Uhr
Die Entführung der kleinen Ylenia aus Appenzell jährt sich diese Woche zum zehnten Mal. Ihre Mutter, der damalige Polizeisprecher und der zuständige TVO-Reporter blicken zurück.

Am 31. Juli 2007 wollte die fünfjährige Ylenia nur kurz ihre Shampoo-Flasche aus dem Hallenbad holen - doch sie kehrte nicht wieder zurück. Ein 67-Jähriger entführte sie und ermordete sie in der Nähe von Oberbüren, wo sie sieben Wochen nach ihrem Verschwinden gefunden wurde. Hans Eggenberger, der damalige Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen, spricht von «einem der schlimmsten Fälle», die er je erlebt hat. «Er löst immer noch Trauer in mir aus», sagt er im Interview mit TVO, «aber auch Wut aufgrund dieser sinnlosen Tat».

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Was wäre gewesen, wenn es geregnet hätte?

Auch Charlotte Lenhard ist zehn Jahre nach dem Verschwinden ihrer Tochter noch unfassbar traurig. In ihrer Wohnung in Appenzell bewahrt sie Erinnerungen an ihr Mädchen auf, das im Alter von fünf Jahren aus dem Leben gerissen wurde. Um anderen Kindern zu helfen, hat sie die «Stiftung Ylenia» gegründet.

«Hätte es am 31. Juli 2007 geregnet, wäre Ylenia vermutlich nicht ins Hallenbad gegangen», vermutet die 53-Jährige. «Aber man muss aufhören, solche Gedanken zu haben. Sie bringen nichts.» Ihre Kleine sei zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen.

Ylenia für immer in Erinnerung

Ylenia habe kurz vor ihrem Verschwinden gesagt, sie würde gerne Krankenschwester werden - genauso wie ihr Mami. Wenn sie an Ylenia denke, sehe sie das Mädchen von damals. «Ich habe keine anderen Erinnerungen», sagt Lenhard gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. Heute wäre Ylenia 15 Jahre alt - und stünde vor dem Berufsleben.

Ralph Dietsche, früherer TVO-Reporter, hat sich im Sommer 2007 täglich während zehn Stunden mit dem Verschwinden von Ylenia befasst. «Ich denke noch heute jede Woche einmal an diesen Fall.»

Als die Trauergäste an Ylenias Beerdigung Luftballons in den Himmel steigen liessen, wurde es Dietsche zu viel. «Bis hierhin und nicht weiter», habe er sich gesagt und sei gegangen. Anders als bei anderen Geschichten sei es ihm niemals gelungen, das Schicksal hinter sich zu lassen.

An Ylenias Beerdigung liessen die Trauergäste Ballons steigen. (Archivbild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)
An Ylenias Beerdigung liessen die Trauergäste Ballons steigen. (Archivbild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Laurien Gschwend
Quelle: lag
veröffentlicht: 5. August 2017 07:40
aktualisiert: 5. August 2017 07:57