«Ich überfahre jetzt diesen Chrüppel»

Praktikant FM1Today, 26. Februar 2019, 16:27 Uhr
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Eine Rapperswilerin macht auf Facebook einen aussergewöhnlichen Zeugenaufruf. Ein Mann soll absichtlich versucht haben, ihren Hund mit dem Velo zu überfahren. Gegen den Unbekannten kann jedoch nichts unternommen werden.

Eine Hundebesitzerin aus Rapperswil erzählt eine haarsträubende Geschichte. Ein Mann habe am Wochenende auf dem Bahnweg, der der Eisenbahnlinie entlang verläuft, fast ihren Hund überfahren. Der Hundehasser sei absichtlich auf den Hund zugefahren und habe gesagt: «Jetzt überfahre ich diesen Chrüppel.» In letzter Sekunde konnte der Chihuahua aus der Fahrbahn gezogen werden. «Sonst hätte der Fahrer ihn voll erwischt», meint die Besitzerin gegenüber FM1Today. So ein kleiner Hund hätte gegen das Velo keine Chance gehabt. Zudem sei dieser Weg eine regelrechte Rennstrecke. «Der Mann war mit einer enormen Geschwindigkeit unterwegs», so die Hundebesitzerin.

«Weit weg von Rücksichtnahme und Respekt»

Es sei nicht der erste Vorfall mit einem aggressiven Velofahrer, berichtet die Rapperswilerin. «Solches Verhalten ist weit weg von Rücksichtnahme und Respekt», sagt die Hundebesitzerin. Sie wollte sich das nicht gefallen lassen und machte auf Facebook einen Zeugenaufruf. «Ich habe zahlreiche Hinweise bekommen», bestätigt sie. Zudem berichteten andere von ähnlichen Fällen. Später ging die sie zur Polizei und meldete den Vorfall. Doch die Hundeliebhaberin musste feststellen, dass sie unter der mangelnden Beweislage nichts unternehmen kann. Anzeige hat sie nicht erstattet.

«Für die Strafverfolgung gibt es einen Weg: den zur Polizei», sagt sich Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. So sei die Polizei klar gegen private Fahndungen wie beispielsweise auf Facebook. «Ausser Angstmacherei wird damit nichts erreicht», sagt Schneider. Wenn jemand wolle, dass ein Täter die Konsequenzen für sein Handeln trage, sei man nur bei der Polizei – und nicht bei Facebook – richtig.

Aus dem Weg gehen

Da im konkreten Fall der Täter unbekannt ist, kann die Polizei nicht gegen den tierfeindlichen Velofahrer vorgehen. Es sei auf jeden Fall kein anständiges Verhalten, sagt Schneider. «Wir halten die Augen offen.» Die Hundebesitzerin sieht nur eine Lösung: Seither meide sie den Weg und gehe anderswo spazieren. Aus Angst vor weiteren Angriffen möchte die Rapperswilerin anonym bleiben.

Praktikant FM1Today
Quelle: lou
veröffentlicht: 26. Februar 2019 16:22
aktualisiert: 26. Februar 2019 16:27