«Ich war wie im Wahn»

Sandro Zulian, 17. August 2017, 21:30 Uhr
Ein 47-jähriger Mann aus dem Kanton St.Gallen steht heute vor dem Kreisgericht See-Gaster. Er soll seine Stiefmutter mit einem Vorschlaghammer umgebracht haben. Der Mann ist geständig.

Geschehen ist die Bluttat vor über zwei Jahren auf einem abgelegenen Bauernhof am Ricken. Laut Anklageschrift hat der 47-Jährige im Januar 2015 seine Stiefmutter mit einem Vorschlaghammer erschlagen und seinen Vater schwer verletzt. Zudem soll der Mann auf den Pächter des elterlichen Hofes geschossen und diesen am Arm verletzt haben. Heute steht der 47-Jährige aus Uznach vor dem Kreisgericht See-Gaster. Ihm wird Mord und mehrfacher versuchter Mord vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert 20 Jahre Haft und eine anschliessende Verwahrung.

TVO-Bericht vom 17. August 2017

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«Für mich ist eine Welt zusammengebrochen»

Vor Gericht sagt der 47-Jährige: «Ich weiss nicht, was mich zu dieser schrecklichen Tat bewogen hat.» Er könne sich auch nicht mehr erinnern, ob er wirklich töten oder einfach nur erschrecken wollte. «Ich war wie in einem Wahn.» Er würde so etwas nie wieder tun. TVO-Gerichtsberichterstatter Roger Inauen beschreibt den mutmasslichen Mörder als reuig, nüchtern und sehr sachlich. Er gab sich nicht sehr emotional. Zu seinem Motiv sagt der Angeklagte: «Bis ich 20 Jahre alt war, war ich ein ganz normaler Mann. Dann habe ich ein Nierenproblem bekommen, was zu meiner Arbeitsunfähigkeit führte.» Später durfte der Mann nicht einmal mehr Auto fahren. «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen, als ich den Hof meinem Vater zurückgeben musste.» Dann sei es zur Tat gekommen.

Es habe ihn «verjagt»

Gemäss Anklageschrift ist der IV-Rentner eines Nachmittags im Dezember 2015 zum Wohnsitz seines Vaters und seiner Stiefmutter gegangen. Auf dem Vorplatz fand der Angeklagte ein Elektrokabel am Boden. Darüber regte er sich fürchterlich auf, weil er dachte, sein Vater und dessen Frau oder der Pächter des Betriebs hätten das Kabel absichtlich dorthin gelegt, um ihn zu ärgern. Der Beschuldigte war nicht einverstanden, dass sein Vater und seine Frau den Hof führten, den er gesundheitsbedingt abgeben musste. Gemäss Aussage des Angeklagten habe es ihn nach dem Fund des Kabels «verjagt».

Mit Armeewaffe auf Pächter geschossen

Der Beschuldigte rief den Pächter des Hofes an und vereinbarte mit diesem ein Treffen. Dort angekommen zückte der Beschuldigte einen Schweizer Armeerevolver und schoss auf den heute 41-jährigen Pächter. Dieser verletzte sich am Arm und flüchtete über ein Feld. Während der Flucht schoss der Angeklagte mehrmals auf den Pächter, traf ihn aber nicht mehr. Der Pächter ist mittlerweile vollständig genesen.

Stiefmutter mit Vorschlaghammer erschlagen

In der Folge fuhr der Angeklagte zu seinem Elternhaus. Dort holte er einen grossen Vorschlaghammer. Die Ermittlungen lassen vermuten, dass der Beschuldigte an der Tür klingelte, woraufhin seine Stiefmutter öffnete. Mindestens drei Mal soll der Beschuldigte auf den Kopf der damals 82-jährigen Frau eingeschlagen haben. Sie wurde später leblos auf einem kleinen Weg, der zum Bauernhaus führt, aufgefunden. Die betagte Dame verstarb noch am Tatort. Da der Mann willentlich, kaltblütig und heimtückisch vorgegangen sei, ist laut der Anklageschrift der Tatbestand des Mordes gegeben.

Wehrlosen Vater angegriffen

Nach dem tödlichen Angriff auf seine Stiefmutter, machte sich der Angeklagte auf die Suche nach seinem Vater. Er soll diesen auf einem Bett in der Stube gefunden und mit dem Hammer angegriffen haben. Der damals 74-Jährige wurde im Gesicht schwer verletzt und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Der Rettungsdienst brachte den Mann ins Spital. Nach wochenlangem Koma wurde er in ein Altersheim verlegt. Der Mann lag nur noch im Bett, sprach nicht mehr und musste künstlich ernährt werden. Im September 2015 starb der Vater des Angeklagten.

Nach der Tat auswärts «z'Nacht» gegessen

Nach der Tat flüchtete der 47-jährige laut Anklageschrift mit einem Auto. Er besuchte ein Kaffee und ass seelenruhig Znacht, bis in die Polizei schliesslich am Seedamm in Rapperswil verhaftete.

Der TVO-Beitrag vom 23. Januar 2015

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(saz)

 

Sandro Zulian
veröffentlicht: 17. August 2017 11:58
aktualisiert: 17. August 2017 21:30