«Ich will ihre Angst riechen»

Dumeni Casaulta, 3. August 2017, 06:07 Uhr
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Nächste Woche muss sich A. Z.*, ehemaliger Gemeindepräsident von Berneck, vor Gericht verantworten. Es geht um Kinderpornografie und sadistische Fantasien, wie die Anklageschrift zeigt.

Die Vorwürfe gegen den heute 55-Jährigen sind happig. Laut der Anklageschrift lud der Ex-Gemeindepräsident zwischen 2012 und 2014 mehrere hundert sexuell aufreizende Bild- und Videodateien herunter. Darunter sind vorwiegend nackte, aufreizend posierende Mädchen im Alter zwischen drei und 13 Jahren. Diese Dateien soll er abgespeichert und teilweise auch anderen Personen zugänglich gemacht haben. Auf den Videos und Bildern sind unter anderem sexuell motivierte Gewaltdarstellungen von Mädchen im Schutzalter und sexuelle Handlungen der Mädchen zu sehen.

«Träume davon, Mädchen zu foltern»

Die Anklageschrift gibt weitere verstörende Einblicke in die Psyche des Angeklagten. So ist ein Protokoll mit einem Chatpartner aus dem März 2014 aufgelistet. Im Chat gab sich der 55-Jährige als 33-jährige Lehrerin aus. Er schrieb seinem Chatpartner aus Wien unter anderem: «Ich träume schon sehr, sehr lange davon, zusammen mit einem Mann auf die Jagd zu gehen und ein kleines Spielzeug zu fangen.» Er lese Geschichten, in denen Mädchen ganz übel gefoltert werden und dies errege ihn unsagbar: «Ich träume davon, es selber tun zu können [...] ich will den Schrecken in ihren Augen sehen und ihre Angst riechen». Dies sind bei weitem nicht die schlimmsten Aussagen von A. Z. Die Beiden tauschen sich über grausame Foltermethoden aus.

Angeklagter filmte sich beim Masturbieren

Durch die Chats stellte der Angeklagte verbotene pornografische Schriften sexueller Handlungen mit Kindern und mit Gewalttätigkeiten her und machte diese auch zugänglich. Somit machte er sich strafbar.

Der Angeklagte soll sich zudem gefilmt haben, wie er sich beim Masturbieren das Bild einer unter 16-Jährigen ansah. Der Tatbestand der Herstellung verbotener Pornografie ist damit erfüllt.

Verhaftung im Mai 2015

Im Mai 2015 klickten die Handschellen. In der Folge sass der damalige Gemeindepräsident von Berneck zwei Monate lang in Untersuchungshaft. Über den Grund wurde lange gerätselt. Im Juni 2015 liess A. Z. aus der Untersuchungshaft verlauten, dass gegen ihn wegen Verstössen im Bereich der Internet-Pornographie ermittelt werde. Er wollte so weiteren Gerüchten vorbeugen. Kurz vor seiner Verhaftung hatte er der Gemeinde seinen Rücktritt per 31. März 2016 mitgeteilt. Aus persönlichen Gründen. Nach der Verhaftung trat er bereits per Juli 2015 zurück.

Ambulante Therapie gefordert

Die Staatsanwaltschaft fordert für A. Z. eine unbedingte Freiheitsstrafe von einem Jahr. Diese soll zugunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben werden. Die Anklage erfolgt in einem abgekürzten Verfahren. Das heisst, der Angeklagten gibt die Taten zu und ist mit dem Strafmass einverstanden. Der Einzelrichter kann die zwischen der Staatsanwaltschaft und dem Beschuldigten verhandelten Strafe zum Urteil erheben. Lehnt der Richter dies ab, kommt es zu einem ordentlichen Verfahren. Die Gerichtsverhandlung vor dem Kreisgericht Rheintal ist am kommenden Mittwoch.

*Name der Redaktion bekannt

Dumeni Casaulta
Quelle: cas
veröffentlicht: 3. August 2017 06:07
aktualisiert: 3. August 2017 06:07