Ostschweiz

Im Interview: Patric Scott über das neue Heidi-Musical auf der Walensee-Bühne

Walensee-Bühne

«Während der Proben hatte ich nur Gänsehaut» – Patric Scott über das neue Heidi-Musical

· Online seit 12.06.2024, 06:19 Uhr
Es ist eine der bekanntesten Geschichte, die neu verfasst und zum ersten Mal in dieser Versoin aufgeführt wird: das Heidi-Musical auf der Walensee-Bühne. Patric Scott, der Komponist und Songwriter des Muscials, spricht im Interview über sein Herzensprojekt, Gänsehautmomente und die swingige Version von Fräulein Rottenmeier.
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Auf der Walensee-Bühne dreht sich während mehr als einem Monat alles um die wohl berühmteste Schweizerin. In einer neuen Fassung greift das Musical die Originalgeschichte von Heidi auf, die ursprünglich von Johanna Spyri stammt. Ab Mittwoch werden während sieben Wochen 24 Musical-Profis auf der Walensee-Bühne zu einem Live-Orchester performen. Die Songtexte und Musik dazu kommen aus der Ostschweiz. Geschrieben und komponiert wurden sie nämlich von dem Gamser Musiktalent Patric Scott. Zudem wird der 37-jährige Musiker selbst auf der Bühne auftreten.

Im Interview mit Claudia Marty von TVO erzählt der Komponist und Musicaldarsteller mehr über seine Werke und welchen besonderen Bezug er zu der Walensee-Bühne hat. Patric Scott alias Patrick Kaiser stand nämlich schon bei der Erstaufführung vor 20 Jahren in der Hauptrolle als Geissen-Peter auf dieser Bühne.

Patric, komponieren und musizieren, was kannst du eigentlich nicht?
Patric: Pfeifen, das kann ich definitiv nicht. Ein Schüler von mir fragte mich einmal nach ein paar Pfeif-Tipps und ich musste sagen: «Nein, tut mir leid.» Ich kann es wirklich nicht.

Heidi von Johanna Spyri ist weltbekannt, alle kennen die Geschichte und es gibt schon Musicals dazu. Wie hast du es geschafft, das nochmals neu zu erfinden?
Patric: Es ist eine grosse Kiste und die Leute gehen sicher mit einer Erwartungshaltung an das Musical. Ich habe versucht, die Emotionen, die Verlustängste, das Fernweh und das Heimweh in diese Songs zu verpacken. Ich hoffe, dass die Leute auch offen für Neues sind. Wir beginnen die Show beispielsweise a cappella, also ohne Orchester und nur mit Stimmen. Das ist sehr gewagt. Und das Fräulein Rottenmeier hat eher eine swingige Nummer.

Das Fräulein Rottenmeier, das ja so streng ist?
Patric: Genau, ja. Ich habe versucht, auch einmal etwas zu riskieren. Anfangs war das ganze Kreativ-Team etwas skeptisch. Ich glaube, das wird jetzt aber einer der besten Songs auf der Bühne, wenn du die Choreografien siehst in diesem Bühnenbild und mit diesen Bergen. Während der Proben hatte ich eigentlich nur Gänsehaut.

Bald ist die Premiere. Was überwiegt? Vorfreude oder Nervosität?
Patric: Als Komponist und Autor bin ich froh, dass ich selbst auch noch mitspiele. Es ist eine kleinere Rolle, aber dann bin ich nicht so im Fokus. Als ich das Knie-Musical komponiert habe, sass ich als Komponist im Publikum. Mir war richtig schlecht und ich war so nervös, ob alles klappt. Jetzt werde ich auch sehr nervös sein, aber ich habe noch etwas Ablenkung und muss mich nicht so extrem darauf konzentrieren, ob alles stimmt.

Du bist der Lehrer, der Herr Kandidat, oder?
Patric: Genau, ich werde Heidi und Klara Unterricht geben. Ich bin eine kurlige Figur. Ich habe eine lustige Lehrer-Funktion. Das Fräulein Rottenmeier findet es natürlich gar nicht gut, dass der Lehrer die Spässe von Heidi und Klara akzeptiert.

Eine Walensee-Bühne ohne Patric Scott kann man sich gar nicht vorstellen. Du warst beim Start dabei und in diesem Jahr ist die Jubiläumsproduktion. Vor 20 Jahren warst du im Heidi-Musical der Geissen-Peter. Schliesst sich jetzt ein Kreis für dich?
Patric:  Man sagt mir zwar immer wieder «Mister Musical», aber seit 2009 mache ich eigentlich keine grossen Musical-Produktionen mehr. Die einzige ist wirklich Walenstadt, das war mein erster Job. Dazu habe ich auch eine andere Bindung, es ist ein Herzensprojekt. Für mich ist es eine grosse Ehre, dass ich jetzt die Musik dazu schreiben darf. Ich geniesse es immer auf der Bühne und es ist ein Nachhausekommen. Die Leute freuen sich immer, mich zu sehen. Daher kann ich es kaum erwarten.

Blicken wir etwas zurück in deine Kindheit. Du bist in Gams aufgewachsen. War dort auch in der Familie Musik schon immer ein Thema?
Patric: Lustigerweise bin ich der einzige, der diesen Beruf macht, oder in diesem Bereich tätig ist. Ich weiss, dass mein Vater gerne mehr Schauspiel gemacht hätte. Das durfte er damals aber nicht. Heutzutage ist das ja manchmal immer noch so und man sagt: «Mach etwas Richtiges.» Seit ich vier Jahre alt bin, wusste ich, dass ich gerne ins Showbusiness möchte.

Du schreibst Popsongs, du singst, du gibst Konzerte und hast sieben Alben veröffentlicht. Und doch habe ich das Gefühl, man kennt dich irgendwie, aber du hattest nie den riesigen Durchbruch, oder täuscht das?
Patric: Jeder hat seine Ansichten zum Wort «Durchbruch». Für mich bedeutet es, dass ich davon leben kann. Das kann ich, seit ich 17 Jahre alt bin – und das in der Schweiz ohne Zusatzjob. Das ist für mich Erfolg. In der Schweiz bin ich eher Mister Underdog. In China ging ich auf Tournee und konnte nicht auf die Strasse. Ich mache auch Europa-Tourneen. Das ist eine riesige Ehre und es sagt mir, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

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veröffentlicht: 12. Juni 2024 06:19
aktualisiert: 12. Juni 2024 06:19
Quelle: FM1Today

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