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Jugendliche fackeln Funken ab

Stephanie Martina, 6. März 2017, 16:11 Uhr
Am Sonntagmittag zündeten zwei Jugendliche in Degersheim den Funken an, der erst am Abend während eines Festes hätte brennen sollen. Die Brandstifter mussten sich auf dem Dorfplatz entschuldigen. Für die Degersheimer nahm der Tag trotz allem ein gutes Ende.

In der Gemeinde Degersheim dominierten am Sonntag Nachmittag zwei Gefühle: Unverständnis und Enttäuschung. Unverständnis darüber, weshalb zwei Jugendliche am Mittag einfach so den sechs Meter hohen Funken abgefackelt haben und Enttäuschung, weil der «Funken-Sonntag» ohne Funken ins Wasser fällt.

Diese Gefühle dominierten auch bei Gemeinderatspräsidentin Monika Scherrer: «Ich finde es einfach schade, dass man so etwas tut. Es ist traurig, wenn sich Leute Mühe geben, diese Tradition aufrecht zu erhalten, und eine Schulklasse einen wunderschönen Böögg gestaltet und dann zwei Personen einfach ein paar Stunden vor dem Fest alles in Brand setzen.»

Passanten haben den brennenden Scheiterhaufen oberhalb Degersheim im Föhrewäldli bemerkt und sofort Alarm geschlagen.

Der ursprüngliche, sechs Meter hohe Funken
© Gemeinde Degersheim

Öffentliche Entschuldigung auf dem Dorfplatz

Die beiden Brandstifter kamen jedoch nicht ungeschoren davon. Wie Scherrer sagt, habe sich der Präsident des Verkehrsvereins, der den Anlass organisiert, mit den Buben unterhalten. Die Zwei, einer davon aus Degersheim, mussten sich am Abend auf dem Dorfplatz vor versammelter Menge für ihre Tat entschuldigen. «Sie haben nicht gross ausgeholt, aber sie sind beide hingestanden und haben sich aufrichtig entschuldigt, vor allem auch bei den Kindern. Das ist schon einiges wert», findet Scherrer.

Ist die Sache damit vergeben und vergessen? «Nein», sagt Scherrer. Es seien Abklärungen in Gang. Ob die Beiden noch weitere Strafen erwarten, sei derzeit noch offen. Bei der Kantonspolizei St.Gallen allerdings heisst es auf Anfrage, dass keine Anzeige erstattet worden sei.

Die Gemeinde sieht zudem keinen Anlass, Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen. «Bei uns ist es meines Wissens das erste Mal, dass so etwas vorgefallen ist. Aber in anderen Gemeinden kam es auch schon zu ähnlichen Ereignissen. Deshalb muss man keine Riesensache draus machen. Aber es ist einfach schade, wenn man so unüberlegt handelt», sagt Scherrer.

Der Ersatz-Funken
© Gemeinde Degersheim

Ende gut, alles gut

Dass der «Funken-Sonntag» doch noch ein gutes Ende nahm, ist der Familie des einheimischen Brandstifters zu verdanken. Sie hat am Nachmittag dafür gesorgt, dass sich die Kinder am Abend wenigstens über einen kleinen Ersatz-Funken mit Böögg freuen dürfen. «Es war einfach schön, dass der Anlass trotz allem durchgeführt werden konnte und die Kinder mit ihren selbstgebastelten Laternen um den Funken stehen konnten», sagt die Gemeinderatspärsidentin.

So gehörten Gefühle wie Unverständnis und Enttäuschung schnell der Vergangenheit an und die Degersheimer freuten sich stattdessen, dass sie doch noch einen Funken bestaunen konnten - wenn auch einen deutlich kleineren. «Der Anlass war trotz des garstigen Wetters sehr gelungen. Alle Kinder bekamen ein Würstchen und dank des Ersatz-Funkens hielt sich die Aufregung in Grenzen», sagt Scherrer.

Stephanie Martina
veröffentlicht: 6. März 2017 15:56
aktualisiert: 6. März 2017 16:11