Kafi Lutz und Sägemehl zum Zmorgä

Lara Abderhalden, 11. August 2019, 18:40 Uhr
Es war die Hauptprobe fürs Eidgenössische Schwingfest: An der Schwägalp-Schwinget massen sich die besten Schwinger aus der Region. Der Schlussgang war gestellt, weswegen Samuel Giger und Daniel Bösch das Fest gewannen. Viele Besucher kamen aber nicht nur wegen des Schwingens.

Die Sonne scheint auf die drei hellbraunen Kreise aus Sägemehl. Die Besucher haben ihre Softgel-Jacken schon lange ausgezogen und ein Meer aus hellblauen Edelweiss-Hemden mit «Tächli-Chäppli» ist zu sehen. Die meisten haben den Becher Kafi Lutz gegen ein kaltes Bier eingetauscht und in den dunkeln Sonnenbrillen spiegeln sich die «Bösen».

Die Ostschweizer Gewinner

Auf der Schwägalp sind viele Schwinger, die in zwei Wochen auch am Eidgenössischen Schwingfest antreten. Gross ist der Applaus vor allem für die Ostschweizer Vertreter. Beim Thurgauer Samuel Giger sind die Rufe aus dem Publikum jeweils noch etwas lauter als bei vielen anderen Teilnehmern und als er das Fest zusammen mit dem Toggenburger Daniel Bösch gewinnt, flippen die Fans total aus.

Wie ein Star wird er behandelt. Verteilt Autogramme, macht Selfies mit Fans, hauptsächlich weiblichen und ihm wird einen Stumpen in die Hand gehalten. Auch Daniel Bösch in seiner Tracht zieht die Aufmerksamkeit auf sich und muss so manch einem Sprössling seinen Namen mit einem schwarzen Marker auf die Schulter schreiben.

Für den Favoriten, den Bündner Armon Orlik, war der Schwinget bereits vor dem zweiten Gang vorbei. Der derzeit beste Schwinger der Schweiz verletzte sich beim Aufwärmen am Rücken. Für das Eidgenössische Schwingfest konnte Orlik aber Entwarnung geben, seine Teilnahme sollte nicht in Gefahr sein. Der Toggenburger Nöldi Forrer war gar nicht erst angetreten. Er verkündete am Sonntagmorgen, dass er auf das Schwingen auf der Schwägalp verzichte.

«Komme direkt vom Polterabend»

Was auf dem Sägemehl passierte, wurde von den Besuchern interessiert verfolgt. Mehr als ein Gast hatte einen Feldstecher in der Hand und für die Plätze ausserhalb des Stadions am Hang waren einige sehr früh aufgestanden. «Ich war gerade an einem Polterabend und habe den Bus morgens um 5 Uhr in Nesslau gesehen», sagt ein Besucher. Deshalb sei er eingestiegen. Früh aufstehen lohne sich, erzählt eine andere Frau: «Ich komme jedes Jahr schon um 6 Uhr hierher. Dann gibt es zuerst einen Kafi Lutz, später steigen wir auf Weisswein um».

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Quelle: FM1Today

«Priiis»

«Es ist einfach wunderschön auf der Schwägalp», erzählt ein älterer Herr mit Stumpen im Mund und Edelweiss-«Chäppli» auf dem Kopf. «Die Atmosphäre ist unglaublich», der Mann prostet seinen Kumpels zu und nimmt einen Schluck aus dem kleinen Plastikbecher. Von weiter hinten ist ein «Priiis» zu hören und eine Gruppe junger Männer führt die mit braunem Pulver versehenen Handrücken zur Nase.

Hinter ihnen sitzen mehrere Zürcher, sie haben einen Sack Brot, Fleisch und Käse mitgenommen und machen sich ihre eigenen «Znüniplättli», sie haben es sich mit Campingstühlen bequem gemacht. Fleisch und Käse, Bier und Wein sind die beliebtesten Gegenstände, die die Schwingfans mit im Rucksack dabei haben. Obwohl es Sonntag ist, haben die meisten den ersten Schluck Wein oder den Kaffee mit Schuss schon früh am Morgen eingenommen.

«Habe mich schon hingelegt»

«Das gehört dazu», sagt eine junge Frau lachend. Für einige war es vermutlich ein Schnaps zu viel. Bereits um 10 Uhr liegen die ersten Leute schnarchend unter den Bänken. «Ich habe mich bereits für eine Stunde hingelegt», sagt ein Mann mit Champagner-Flasche in der Hand. Dies sei auch nötig gewesen, da er vergangene Nacht nicht geschlafen habe. Viele sind aber auch mit den Familien und ganz ohne Alkohol angereist und genossen nüchtern das schöne Wetter auf der Schwägalp.

Kaum ist das Schwingen auf der Schwägalp vorbei. Wolken ziehen auf, es wird kühl. Auf den Sägemehlringen sind nur noch vereinzelt ein paar spielende Kinder zu sehen. Neben den Abfalleimern türmen sich leere Bierflaschen. Die Besucher haben ihre Softgel-Jacken wieder angezogen und machen sich auf den Heimweg.

Lara Abderhalden
Quelle: abl
veröffentlicht: 11. August 2019 12:17
aktualisiert: 11. August 2019 18:40