Kein Zuckerschlecken für die Skigebiete

Lara Abderhalden, 22. März 2017, 05:49 Uhr
Trotz tollen Verhältnissen waren die Pisten manchmal leer.
Trotz tollen Verhältnissen waren die Pisten manchmal leer.
© Instagram/Arosa Bergbahnen
Es war kein einfacher Winter für die Skigebiete. Der Schnee wollte, wie schon im vergangenen Jahr, am Anfang einfach nicht kommen und als er dann kam, war die Lust am Schneesport schon fast ein bisschen abgeflaut. Dies schlägt sich natürlich in der Gästezahl nieder. Drei Skigebiete im FM1-Land ziehen ein erstes Fazit.

«Es war von Anfang an ein schwieriger Winter», sagt Klaus Nussbaumer, Geschäftsführer der Pizolbahnen. Am Pizol habe man ein tolles Schneesportangebot gehabt: «Man konnte schlitteln, schlittschuhlaufen, schneeschuhwandern und auch die Pisten waren top. Nur fehlten uns am Anfang des Winters die Gäste. Die Winterstimmung war einfach nicht da.»

Dass die Leute keine Lust hatten auf Skifahren, spürten auch andere Skigebiete: «Im Dezember hatten wir an 29 Tagen im Monat Sonne. Leider aber keinen Schnee in den tieferen Lagen», sagt Philipp Holenstein, Geschäftsführer der Arosa Bergbahnen. «Wir haben uns enorm angestrengt. Haben technisch beschneit, die Pisten waren sehr gut. Nur leider fehlte der Naturschnee und es war deshalb schwer, den Leuten zu vermitteln, dass die Pisten dennoch auf einem guten Stand waren und auch immer noch sind», erklärt Holenstein.

«Dezember tut uns weh»

Der Geschäftsführer der Lenzerheide Bergbahnen Peter Engler ergänzt: «Der Dezember tut uns weh. Wir spüren ihn ganz klar in den Zahlen.» Zwar sei der Winter leicht besser ausgefallen als letztes Jahr aber: «Letztes Jahr hatten wir mit Abstand den schlechtesten Winter.» Im Vergleich zu den letzten neun bis zehn Jahren liegt man mit den Zahlen bei den Lenzerheide Bergbahnen drei bis vier Prozent unter dem Schnitt. Bitter sei vor allem der grosse Aufwand, der betrieben wurde: «Wir haben dieses Jahr sehr viel beschneit. Dies schlägt sich natürlich auch in den Kosten nieder.»

Auch am Flumserberg hatte man im Dezember eine Durststrecke: «Das Wetter war sehr wechselhaft, das hat uns herausgefordert», sagt Katia Rupp, die Marketingleiterin des Skigebiets. Der Dezember ist in vielen Skigebieten normalerweise der umsatzstärkste Monat. In diesem Winter sind die Dezemberzahlen in fast allen Skigebieten unter dem Schnitt geblieben.

Rettet früher Saisonstart Skigebiete?

Machen können die Skigebiete nicht viel. Ihr Miesepeter oder Ass im Ärmel ist Petrus. Stimmt das Wetter, kommen die Leute. Hat es Schnee, bekommt man Lust zum Skifahren. Dies sei besonders zu Beginn der Saison wichtig: «Wir haben vor zwei Jahren das 'Novemberhoch' in Arosa/Lenzerheide eingeführt. Es ermöglicht den Schneesportlern schon Anfang November beschränkt auf den Pisten unterwegs zu sein», erklärt Holenstein.

Dennoch gäbe es bezüglich Saisonstart noch Spielraum: «Im November fahren viele ihre Freizeitaktivitäten zurück. Es gibt bestimmt noch Potenzial, die Leute in dieser Zeit in die Berge zu locken.» Allerdings weist Philipp Holenstein auch darauf hin, dass äussere Einflüsse beim Bereitstellen der Piste mitspielen. Ist es zu warm, kann auch nicht künstlich beschneit werden und die Pisten können nicht früher eröffnet werden.

Schneeverhältnisse sind top

Die Hoffnung liegt nun in den verbleibenden Wochen. In den Flumserbergen und am Pizol hat das Skigebiet noch bis am 2. April geöffnet: «Wir haben im Moment wunderbare Pisten. Man kann in der Sonne über dem Nebel Ski fahren. Das muss man jetzt noch geniessen», sagt Klaus Nussbaumer. Auf dem Flumserberg findet am Wochenende noch der Gipfelschlager statt: «Dieser lockt bestimmt nochmals viele Leute in die Berge.»

In Arosa/Lenzerheide haben die Pisten gar noch bis zu Ostern offen: «Dieses Jahr werden wir an Ostern weniger Leute haben, da sie Mitte April sind.» Zu diesem Zeitpunkt würden viele statt der Ski das Bike aus dem Keller holen. «Ich war erst gestern auf der Piste», erzählt Peter Engler, «perfekte Verhältnisse. Nur leider sind die Leute jetzt am Golfen oder Wandern.»

«Die Leute sind feinfühliger geworden. Sie wollen, dass das Gesamtpaket stimmt», ist sich auch Philipp Holenstein bewusst. Früher sei man eher bei jedem Wetter auf die Piste gegangen, heute wollen die Leute gute Schneeverhältnisse und tolles Wetter.

Deshalb hofft man in allen drei Skigebieten, dass Petrus sie mit genau dem in den nächsten Wochen segnet. Dennoch weiss man nie, was passiert, wie Katja Rupp zusammenfasst: «Wir nehmen das Wetter, wie es kommt, das ist uns in diesem Winter bis jetzt auch sehr gut gelungen.»

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 22. März 2017 05:49
aktualisiert: 22. März 2017 05:49