Kinder missbraucht - Kantonsgericht verzichtet auf Verwahrung

Stephanie Martina, 10. Mai 2017, 18:00 Uhr
Das Kantonsgericht St.Gallen verurteilt einen 61-Jährigen zu sechs Jahre Freiheitsstrafe und stationären Massnahmen
© Keystone/Gian Ehrenzeller
Das Kantonsgericht St.Gallen hat einen 61-jährigen Mann wegen mehrfacher sexuellen Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Gleichzeitig wurde eine stationäre Behandlung angeordnet.

Der 61-Jährige unterhielt zwischen 2007 bis 2009 eine sexuelle Beziehung zu einem minderjährigen Jugendlichen. Ebenso nahm er sexuelle Handlungen mit zwei weiteren, minderjährigen Kindern vor und besass kinderpornografische Dateien. Das Kreisgericht St.Gallen verurteilte den Beschuldigten im August 2016 wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind und mehrfacher Pornografie zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren und ordnete die Verwahrung des Beschuldigten nach Verbüssung der Freiheitsstrafe an. Gegen diesen Entscheid erhob der Beschuldigte Berufung und verlangte die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie die Anordnung einer stationären Massnahme.

Kantonsgericht verkürzt Haftstrafe

Die Strafkammer des Kantonsgerichts St.Gallen hat den Beschuldigten nun zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt und gleichzeitig eine stationäre Massnahme angeordnet. In Bezug auf die Strafe hat das Kantonsgericht strafmindernd berücksichtigt, dass der 61-Jährige in seiner Kindheit und Jugendzeit selbst mehrfach Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war.

Stationäre Behandlung angeordnet

Weiter hat das Kantonsgericht im jetzigen Zeitpunkt auf eine Verwahrung verzichtet, wie es in einer Mitteilung heisst. Eine solche ist nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung nicht zulässig, solange noch Therapiemöglichkeiten bestehen. Beim Beschuldigten kommt namentlich eine testosteronsenkende Therapie, eine sogenannte chemische Kastration, unter strengen Auflagen in Frage. Auch wenn die Erfolgsaussichten einer solchen Therapie ungünstig sind, scheidet deshalb derzeit eine Verwahrung aus. Stattdessen hat das Gericht eine stationäre Behandlung angeordnet. Ist diese Behandlung nicht erfolgreich, wird die Verwahrung des Beschuldigten zu prüfen sein, heisst es in der Mitteilung weiter. Der Entscheid ist noch nicht rechtskräftig.

Stephanie Martina
Quelle: red.
veröffentlicht: 10. Mai 2017 18:00
aktualisiert: 10. Mai 2017 18:00