«Können nur dank Spenden überleben»

Lara Abderhalden, 4. Januar 2019, 05:55 Uhr
Während die grösseren oder höher gelegenen Skigebiete im FM1-Land von perfekten Schneeverhältnissen und pumpenvollen Pisten schwärmen , sind die kleineren Skilifte noch alles andere als startklar. Der Schnee in tieferen Lagen blieb aus und somit auch die Einnahmen über die Festtage.

«Es ist schlimm. Mein Herz blutet», sagt Markus Rusch, Skiliftbetreiber in Gonten. Der Skilift Alpsteinblick konnte diesen Winter noch nicht betrieben werden. «Da kann man nichts machen. Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Bereits sein Vater habe ihn gewarnt und 1966 gesagt: «Eine von zehn Weihnachten bringt es.» Dass der Schnee ausbleibt, ist sich Markus Rusch also gewohnt, er hat gelernt, damit umzugehen: «Wenn wir keine gröberen Anschaffungen tätigen müssen, schaffen wir es schon. Sonst wird es eher schwierig.»

Mehr Einnahmen im Sommer

So wie Markus Rusch geht es vielen kleineren Skigebieten in der Ostschweiz. «Wir laufen immer am Limit», sagt etwa Urs Stutz vom Skilift Degersheim. «Wir hoffen jeden Winter, dass wir das schlimmste abwenden können.» Für Fridolin Früh, den Geschäftsführer der Wolzenalp-Bahnen in Krummenau im Toggenburg, ist es fast schon normal, dass der Schnee den Wiesen zu Weihnachten fernbleibt. «In den letzten Jahren war es in ungefähr 70 Prozent der Festtage so. Uns fehlt natürlich ein sehr wesentliches Geschäft, es ist aber so, dass wir mittlerweile recht sommerlastig sind.» Der Sommer werde je länger je stärker und die höchsten Einnahmen würden in der heissesten Jahreszeit generiert.

Dass das Sommergeschäft immer wichtiger wird, merkt auch Roger Meier, Geschäftsführer des Skigebiets Atzmännig: «Die Hauptsaison dauert bei uns von April bis Oktober. Wir sind nicht mehr vom Winter abhängig und sind dank vieler Gästen im Sommer ein gesundes Unternehmen.» Es sei schwierig, ohne Beschneiungsanlagen als reines Skigebiet rentabel zu sein. Deshalb setzt die Sportstation immer mehr auf den Rodelbetrieb oder den Seilpark im Sommer.

«Betrieb hätte schon vor zehn Jahren eingestellt werden müssen»

Auf Naturschnee angewiesen ist auch der Skilift in Heiden. Eine Beschneiungsanlage wäre zu teuer. Der Skilift könne nur dank einer breiten Unterstützung im Dorf jedes Jahr wieder betrieben werden, sagt Beat Schrag, Verwaltungsrat des Skiliftes: «Wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass wir über die Festtage nicht öffnen können. Wir sind aber zum Glück nicht darauf angewiesen. Die Fixkosten sind durch Sponsoringbeiträge gedeckt.» Ausserdem habe jeder Bügel einen Paten, der 100 Franken pro Jahr zahlt und somit einen Teil zur Aufrechterhaltung des Skiliftes beiträgt.

Die Idee mit dem Bügel-Paten hatte auch der Skilift Urnäsch und sammelt auf diese Art Spenden für die Fixkosten, die alljährlich anfallen. «Wir sind auf den Goodwill im Dorf angewiesen», sagt Verwaltungsratspräsident Reto Rohner. «Ohne die Spenden aus zahlreichen Aktionen, die viele Freiwilligenarbeit und die grosse Freude und den Enthusiasmus im Dorf könnten wir nicht überleben.» Rein wirtschaftlich gesehen hätten die Betreiber gemäss Rohner bereits vor zehn Jahren entscheiden müssen, den Betrieb einzustellen. «Es ist uns aber ein grosses Anliegen, Jugendliche und Erwachsenen vor der Haustüre ein Skigebiet offerieren zu können. Dies haben die Vorgänger schon für uns getan und ist unser Ansporn, den Skilift Urnäsch aufrecht zu erhalten.»

Leute gehen auch im März skifahren

Die grössten Kostenpunkte seien die Gesetzgebungen und Regulationen, welche die kleineren Skilifte jedes Jahr vor neue Herausforderung stellen. «Technologische Neuerungen kosten jedes Mal zwischen 10'000 und 20'000 Franken», sagt Reto Rohner.

Beim Skilift Vögelinsegg in Speicher waren technische Erneuerungen der Ausschlag für eine Spendensammelaktion. Das nötige Geld für eine Totalsanierung kam zusammen und ermöglicht dem Skigebiet, die Anlagen kommenden Sommer auf Vordermann zu bringen. Dass die Sanierung für nichts ist, glaubt Geschäftsführer Christof Schapius nicht. Denn auch wenn das Skigebiet derzeit noch geschlossen ist, glaubt er, dass die Gäste noch kommen werden: «Die Leute haben sich mittlerweile daran gewöhnt, auch im März noch skifahren zu gehen.» Und der Schnee sei nicht mehr weit entfernt: «Wir rechnen am Wochenende damit.»

Das hoffen auch Hansueli Rechsteiner vom Skilift Hemberg und Josef Ruoss vom Skilift Bildhaus in Ricken. Auch diese beiden Skigebiete sind noch geschlossen. Denn wenn der Schnee erst einmal komme, habe es auch sehr viele Leute: «Die Kinder warten schon lange, bis sie auf die Piste können», sagt Rechsteiner.

Lara Abderhalden
veröffentlicht: 4. Januar 2019 05:55
aktualisiert: 4. Januar 2019 05:55