TVO-Talk

Kommt jetzt die Spitalregion Ostschweiz?

18. Dezember 2019, 18:50 Uhr
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Quelle: TVO

Die Spitäler und ihre finanziellen Nöte waren vor allem in St.Gallen eines der heissesten Themen des Jahres. Linderung verschaffen soll nun eine Zusammenarbeit mit den Appenzeller Spitälern, obwohl das in der Vergangenheit nie geklappt hat.

Notkredite, Spitalschliessungen, Stellenabbau. Die Lage der Spitäler in St.Gallen ist angespannt. Auch die Zahlen aus den beiden Appenzell sind alarmierend. Die Ausserrhoder Spitäler in Herisau und Heiden haben sich stabilisiert, schreiben aber immer noch Verluste.

Der Kanton Appenzell Innerrhoden hat erst kürzlich einen Kredit von 41 Millionen Franken für den Bau eines neuen Spitals bewilligt, nachdem ein gemeinsamer Spitalverbund mit dem Bruderkanton scheiterte. 

Doch nun soll eine interkantonale Organisation auf einmal möglich sein: Im TVO-Talk «Zur Sache» vom Mittwochabend sprechen vier Regierungsräte der Kantone St.Gallen, beider Appenzell und Thurgau über die mögliche Union. «Im Hintergrund wurde schon viel gearbeitet», sagt die scheidende St.Galler Regierungspräsidentin Heidi Hanselmann. 

Der Thurgau wurde nicht gefragt

Die Regierungsräte sind sich einig, dass etwas getan werden muss. Mit einer Zusammenarbeit, die nicht nur auf operativer, sondern auch struktureller Ebene greife. 

«Der Druck ist da. Es ist wichtig, dass wir alle in die selbe Richtung gehen», sagt Alfred Strickler, Landammann des Kantons Appenzell Ausserrhoden. Alle heisst in diesem Fall die Appenzeller und die St.Galler. Der Thurgau wurde gar nicht mit einbezogen. 

Walter Schönholzer, Thurgauer Chef des Departements für Inneres und Volkswirtschaft, zeigte sich im Talk überrascht: «Dass die Gespräche bereits fortgeschritten sind, davon höre ich zum ersten Mal. Allerdings ist die Ausgangslage aufgrund der Organisation und der geografischen Lage im Thurgau auch ganz anders.» 

Dennoch sei der Kanton nicht uninteressiert. «Speziell in den der Region Fürstenland Toggenburg ist eine Zusammenarbeit vorstellbar. Die Thurgauer könnten mit ihrer als AG aufgestellten Spitalorganisation sogar als Vorbild agieren», sagt Schönholzer. 

Die Innerrhoder denken um 

Nicht zuletzt möglich wurde die Verhandlung um eine zukünftige Zusammenarbeit dank einem Einlenken der Innerrhoder, wie Landammann Franz Dähler ausführt: «Appenzell Inerrhoden ist viel kleiner als die anderen Kantone. Wer uns kennt, der weiss, dass wir gerne unabhängig sind. In der Vergangenheit gab es immer die Angst, dass uns etwas aufgezwungen wird.» 

Deshalb freue es ihn, dass man jetzt als gleichwertiger Partner angesehen werde. Auch Heidi Hanselmann lobt den Willen zu einem Umdenken: «Die Stimmung hat sich verändert.» In welcher Form die Spitäler der mindestens drei Kantone in Zukunft zusammenarbeiten wollen, ist konkret noch nicht festgelegt. 

Hier relativiert Landammann Strickler: «Das wird auch noch nicht heute und morgen passieren. Es ist aber auch nicht so, dass wir erst seit gestern darüber verhandeln.» Wie Innerrhoden weiter verfährt, ist indes auch unklar: Der Riesenkredit für das neue Spital steht. Was damit nun geschieht, ob das Spital kommt oder nicht, kann Dähler nicht beantworten.

Im Frühjahr wollen sich die Kantone auf eine gemeinsame Absichtserklärung verständigen. Klar ist nach dieser Talkrunde: Die Ostschweizer Spitäler wollen zusammenrücken und -arbeiten. Nur wie scheint noch offen.

(thc)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Dezember 2019 19:02
aktualisiert: 18. Dezember 2019 18:50