Kraftakt in der Kälte: Schneeräumung

Christoph Thurnherr, 8. Januar 2019, 08:12 Uhr
Sie schieben im Moment Sonderschichten (und damit Tonnenweise Schnee), um uns das Leben leichter zu machen: Die Schneeräumer im FM1-Land. Die letzten Tage waren bereits eine Herausforderung, auch die kommenden werden nochmals streng werden.

Der Winter ist endgültig in der Ostschweiz angekommen: morgens aus dem Bett zu kommen fällt uns schwer - kaum sind wir unter der Decke hervorgekrochen, fühlt es sich im Zimmer an wie in einer Tiefkühltruhe. Und draussen erst! Immerhin dürfen wir uns in der Regel darauf verlassen, dass die Strassen und Gehsteige schnell vom Schnee befreit und gesalzen sind, damit wir einigermassen rechtzeitig bei der Arbeit erscheinen.

Jemand, der bei Schneefall definitiv früher aufstehen muss, ist der Gebäudetechniker Florian Osterwalder. Die Sonderschicht beginnt bei ihm um 4 Uhr in der Früh. «Wir erfahren meist am Abend vorher, wann wir am Morgen rausmüssen. Und dann wird so lange gepfadet, bis wir den Schnee geräumt haben». Beliebt sei die Arbeit nicht unbedingt. Verständlich, aber immerhin ist der Besuch in der Muckibude laut Osterwalder an solchen Tagen nicht nötig.

Florian Osterwalder (links) und Sandro Solic haben es im Winter streng. (Bild: FM1Today/Christoph Thurnherr)
© Fm1today.ch

Noch nicht am Anschlag

Auch wenn die Arbeit für den einzelnen Helfer streng ist - im Grossen und Ganzen war der Schneefall der vergangenen Tage im Kanton St. Gallen gut zu bewältigen. «Die Höhenunterschiede gleichen das aus. Probleme kriegen wir dann, wenn der Schnee im ganzen Kanton liegen bleibt, wir überall gleichzeitig sein sollten», sagt Titus Tobler, Chef des St.Galler Strasseninspektorats. Das war in den letzten Tagen nicht der Fall. In der tiefer gelegenen Bodenseeregion ist es mehrheitlich schon wieder grün. Trotzdem sind sämtliche Mitarbeiter des Strasseninspektorats über den Winter in Alarmbereitschaft. Bis Mittwochabend soll beispielsweise in der Stadt St.Gallen nochmals bis zu 30 cm Neuschnee fallen. Bei seinen Leuten sei die Arbeit jedoch beliebt, sagt Tobler: «Man sieht viel und kann etwas für den Bürger tun».

200 Leute im Einsatz

Eine gute Organisation ist entscheidend, um schnell und gezielt reagieren und Chaos vermeiden zu können. In der Stadt St.Gallen, war am Dreikönigstag ein Volleinsatz notwendig. «Bei uns geht ein Mann um halb zwei in der Nacht auf Pikett-Fahrt. Er fährt eine bestimmte Strecke ab, kommt dann zurück in die Zentrale und bietet entsprechend den Erkenntnissen auf», sagt Gerald Hutter, Strasseninspektor der Stadt St. Gallen. Insgesamt sind bei einem Volleinsatz rund 200 Leute unterwegs. Sie beginnen mitten in der Nacht mit dem Schaufeln und pfaden mit verschiedenen Fahrzeugen die Strassen und Wege frei.

«Dann ist man nudelfertig»

Viele sind auch zu Fuss unterwegs. Für sie ist die Stadt St. Gallen, mit ihren vielen Treppen und Höhenmetern eine besondere Herausforderung. Insbesondere wenn der Schnee so nass und schwer ist wie am Dreikönigs-Sonntag. Dennoch, die Arbeit ist nicht unbeliebt. Die Stimmung am frühen Morgen auf den noch menschenleeren Strassen sei ganz speziell und viele Arbeiter schätzen die Bewegung draussen - wenn es nicht jeden Tag sein muss, sagt Hutter: «Wir hatten vor Jahren mal eine Zeit, da mussten die Leute jeden Morgen raus. Nach einer Woche, anderthalb ist man nudelfertig und hat einfach genug davon». Diese Woche könnte es demnach schon happig werden. Laut Meteo Schweiz wird bis am Wochenende noch so manche Schneeflocke fallen.

Christoph Thurnherr
Quelle: thc
veröffentlicht: 7. Januar 2019 17:53
aktualisiert: 8. Januar 2019 08:12