Künstler formen Helden aus Sand

Praktikant FM1Today, 16. August 2019, 10:25 Uhr
Perfektion in Sand gemeisselt: Am Sandskulpturen Festival in Rorschach werden aus 250 Tonnen Sand bewundernswerte Kunstwerke. Kunstwerke, deren Bedeutung nur wenige erkennen.

Eine beruhigende, mystische Stimme ertönt, begleitet von zarten, herzerwärmenden Pianoklängen. Drei kräftige Trommelschläge setzten ein, nochmals und nochmals - dies immer im Rhythmus von drei Sekunden. «Sie befördert mich in eine andere Welt. In eine Welt, in der ich meinen Ideen freien Lauf lassen kann», sagt Künstlerin Helena zur Musik, die sie während ihrer Arbeit am Sandskulpturen Festival Rorschach hört.

«Die Fontäne im See ist doof»

Die Niederländerin fühlt sich wohl am Sandskulpturen Festival. So auch alle anderen Künstler, die aus ganz Europa nach Rorschach gereist sind. «Die Atmosphäre ist grossartig, doch die Fontäne im See ist doof», sagt Wilfried, ebenfalls aus den Niederlanden. Die Wasserperlen werden wegen des Nordwinds an den Arbeitsplatz geweht und bespritzen seine Brille. Verständlich, dass Brilleputzen mit sandigen Händen ungünstig ist, doch ist das Auge fürs Detail ausgesprochen wichtig.

Die Niederländerin Edith perfektioniert den Hosensack ihrer Skulptur. (Bild: FM1Today/Linus Hämmerli)
Die Niederländerin Edith perfektioniert den Hosensack ihrer Skulptur. (Bild: FM1Today/Linus Hämmerli)

«Wir wollen der Gesellschaft die Verantwortung aufzeigen»

Mit Skalpell, Pinsel und viel Feingefühl zaubern die zehn Zweierteams ein Kunstwerk aus jeweils einem 25-Tonnen-Sandklotz, angelehnt an das Thema des diesjährigen Festivals: Werden wir Helden sein in der Welt von morgen? «Wir wollen mit diesem Motto der Gesellschaft die Verantwortung aufzeigen», erklärt Festival-Gründer Urs Koller. Denn es sei nicht alles Gold, was glänzt.

«Interaktion mit Mitmenschen wird vernachlässigt»

So machen der Ukrainer Roman und die Niederländerin Helena mit ihrem Kunstwerk auf die fragwürdigen Eigenschaften der digitalisierten Gesellschaft aufmerksam: «Es ist das Drei-Affen-Ding», und meinen damit die drei Affen-Emojis. «Nichts hören, nichts sehen und nichts sprechen», die Interaktion mit Mitmenschen werde in der Welt voller Smartphones und Virtual Reality leider vernachlässigt. Eine solche Bedeutung zu erkennen, ist beim blossen Hinschauen jedoch schwierig.

Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen. (Bild: FM1Today/Linus Hämmerli)
Nichts hören, nichts sehen, nichts sprechen. (Bild: FM1Today/Linus Hämmerli)

Immer zwei Besuche

Damit es die Geschichte hinter den Kunstwerken versteht, besucht ein älteres Ehepaar aus Lindau das Sandskulpturen Festival jeweils zweimal: «Es ist immer spannend zu sehen, ob der zweite Besuch die Eindrücke des ersten bestätigt.» Auch viele andere Besucher zieht es wegen des Sandskulpturen Festivals an die Rorschacher Seepromenade. Diese geniessen das Ambiente am Seeufer, schauen begeistert den Künstlern zu und interpretieren die Bedeutung der Kunstwerke.

Das Sandskulpturen Festival Rorschach findet dieses Jahr zum 21. Mal statt. Zum Thema «Werden wir Helden sein in der Welt von morgen» hat das Festival am 10. August begonnen. Bis am 16. August kann man die Künstler bei der Arbeit beobachten. Am 17. August wird die schönste Skulptur gekürt. Die Sandfiguren sind dann noch bis zum 8. September zu bewundern.
Praktikant FM1Today
Quelle: lh
veröffentlicht: 16. August 2019 10:25
aktualisiert: 16. August 2019 10:25