«Laue Sommernächte provozieren Lärmklagen»

Fabienne Engbers, 20. August 2017, 10:59 Uhr
Während es in der Stadt St.Gallen immer mehr Lärmklagen regnet, gehen sie in anderen Städten zurück. Erklärungen für die Schwankungen gibt es viele, vom Wetter bis zum Gesellschaftswandel.

Wenn der Nachbar an einem lauen Sommerabend eine Gartenparty veranstaltet, kann es ganz schön lange ganz schön laut werden. Lärmempfindlichere Nachbarn rufen dann ab und zu die Polizei. In der Stadt St.Gallen geschieht dies laut den aktuellen Zahlen immer öfters. Andere Ostschweizer Städte haben mit Lärm keine Probleme.

Mehr Lärmklagen in St.Gallen, Rorschach und Weinfelden

In einigen Ostschweizer Städten haben die Lärmklagen 2017 im Vergleich zu den Vorjahren bislang deutlich zugenommen. So schreibt das «St.Galler Tagblatt» am Mittwoch, dass in der Stadt St.Gallen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich mehr Lärmklagen in den Monaten Mai bis Juli eingegangen sind.

In Weinfelden sind bis dato 51 Lärmklagen im Jahr 2017 eingegangen. In den Vorjahren waren es insgesamt lediglich 37, beziehungsweise 33 Beschwerden. Auch in Rorschach haben die Lärmklagen im Vergleich zugenommen. Hier ist die Zahl der Beschwerden wegen Ruhestörung bereits jetzt höher als noch im Jahr 2015 und etwa gleich hoch wie jene im Jahr 2016.

Gründe können unterschiedlicher Natur sein

Nur weil es immer mehr Lärmbeschwerden gibt, muss es noch lange nicht immer lauter sein. «Wenn wir einen durchgehend schönen Sommer haben, kann es gut sein, dass wir mehr Anrufe wegen Lärm bekommen. Die Leute sind in solchen Jahren logischerweise auch länger draussen», sagt Daniel Meili, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Dies bestätigt auch Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen. «Laue Sommernächten sind prädestiniert für viele Einsätze wegen Lärmbeschwerden.»

Gerade an Städten am See, wie zum Beispiel Rorschach, nehmen die Beschwerden in schönen Sommern zu. So ist unter anderem auch die Zunahme in diesem Jahr zu erklären. Weil es im Mai und Juni so schön und warm war, sind deutlich mehr Beschwerden als in den Vorjahren eingegangen. «Ausserdem sind immer wieder die gleichen Beizli aufgeführt, bei denen es offenbar ein wenig lauter zu und her ging», sagt Schneider.

Ausschlag auf die Zahl der Beschwerden gibt auch das Eintragungsverfahren. Bei der Kantonspolizei Thurgau werden alle Meldungen erfasst, die durch Anrufe eingehen. «Wenn an einem Abend jemand zehn Mal anruft, wird das auch zehn Mal erfasst. In einer solchen Statistik kann das schnell einmal einen Ausschlag geben», sagt Daniel Meili. So hätte auch nicht jede Beschwerde einen Polizeieinsatz zur Folge.

Es gibt auch Städte mit weniger Beschwerden

Rückläufig entwickelt sich die Lärmbelastung in Rapperswil-Jona. Wo im Jahr 2015 noch 45 Lärmbeschwerden eingingen, waren es 2016 noch 27. Dieses Jahr wird man diese Zahl wohl nochmals unterbieten. Das gleiche Bild zeigt sich in Kreuzlingen. Zurzeit ist man bei 63 Beschwerden seit Januar, im Jahr 2016 gingen insgesamt 143 Lärmbeschwerden ein. Auch hier gibt es keine eindeutige Erklärung dafür, warum die Zahlen rückläufig sind.

Städte wie Gossau, Frauenfeld, Arbon und Wil werden dieses Jahr wohl etwa die gleiche Zahl an Beschwerden erreichen wie im Vorjahr, entwickelt sich die Statistik normal.

Nicht alle führen eine Statistik

In Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden, sowie bei der Stadtpolizei Chur werden die Lärmbeschwerden zwar erfasst, eine Statistik darüber gibt es allerdings nicht.

Die Stadtpolizei Chur bemerkt jedoch einen Trend, dass vor allem an Wochenenden mehr Lärmklagen eingehen. «Die Leute kommen am Wochenende von überall her nach Chur in den Ausgang», sagt Mediensprecher Thomas John. «Aufgrunddessen gehen am Wochenende auch deutlich mehr Beschwerden ein als unter der Woche.» Einen starken Trend von Jahr zu Jahr stellen die Churer allerdings nicht fest.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 20. August 2017 10:59
aktualisiert: 20. August 2017 10:59