Schweiz

Lehrpersonal knapp und viele Coronafälle: Ostschweizer Schulen am Anschlag

11. Dezember 2021, 08:34 Uhr
Immer wieder sind Lehrpersonen wegen Corona in Quarantäne oder Isolation – und auch die Schüler fehlen im Unterricht. Die Lage im Kanton Appenzell Innerrhoden ist angespannt und auch in St.Gallen habe man Mühe, den Unterricht aufrecht zu erhalten.
In den Primarschulen im Appenzell Innerrhoden könnte die Maskenpflicht kommen.
© Keystone

Im Kanton Appenzell Innerrhoden sind die Zahlen der an Corona infizierten Lehrpersonen und Schülerinnen und Schüler hoch. «Die letzten zwei Wochen waren die Zahlen konstant hoch, aber nicht so, dass es extrem anzog», sagt Erich Wagner, der stellvertretende Leiter des Volksschulamts Appenzell Innerrhoden. Letzte Woche befand sich eine Lehrperson und 51 Schüler in Quarantäne und fünf Lehrpersonen und 28 Schülerinnen in Isolation. «Die Quarantäne-Fälle sind im Vergleich zur Vorwoche leicht zurückgegangen, die Isolationen blieben gleich», so Wagner. Die aktuellen Zahlen zu den Coronafällen an Innerrhoder Schulen kommen jeweils am Freitagabend raus.

In Appenzell Innerrhoden fallen zwar Lehrpersonen aus, doch die Schulen können die Ausfälle noch gut abdecken. Verfrühte Weihnachtsferien, wie im Kanton Bern, kommen in Innerrhoden also nicht in Frage. Die Weihnachtsferien beginnen dort, gleich wie im Kanton St.Gallen, schon am 18. Dezember. Trotzdem überlegt man sich strengere Massnahmen. «In Appenzell Innerrhoden herrscht in der Sek 1 und Sek 2 schon Maskenpflicht. Wir überlegen uns, ab wann und in welcher Form die Maskentragepflicht in Primarschulen eingeführt werden könnte», so Wagner.

«Markt für qualifizierte Stellvertretungen ist ausgetrocknet»

Auch im Kanton St.Gallen ist die Lage angespannt. «Einige Volksschulen bekunden zum Teil Mühe, den Unterricht aufrecht zu erhalten», heisst es auf Anfrage beim Bildungsdepartement St.Gallen. Dies, weil vermehrt Lehrpersonen isolations- oder quarantänebedingt ausfallen. «Der Markt für qualifizierte Stellvertretungen ist ausgetrocknet.» Letzte Woche wurden 86 Lehrpersonen und 646 Schüler gemeldet, welche positiv auf das Coronavirus getestet wurden.

Als Massnahme gilt die bereits am 26. November eingeführte Maskenpflicht. «Dadurch kann die Anzahl Personen in Isolation oder Quarantäne reduziert und damit der Schulbetrieb entlastet werden.» Die Massnahmen werden, je nach epidemiologischer Lage, laufend angepasst.

Studierende übernehmen Vertretung

«Die lange Dauer der Pandemie zehrt an den Kräften aller Beteiligter», heisst es vom Kanton Appenzell Ausserrhoden. Man habe sich für eine kombinierte Strategie mit präventiven Testungen, situativer, zeitlich begrenzter Maskentragepflicht ab der dritten Primarklasse und einer Maskentragepflicht ab der Sek 1 entschieden. Zum einen sollen die Kinder und Jugendlichen den Unterricht so normal wie möglich besuchen können, zum anderen soll die Pandemie eingedämmt werden: «Wir bemühen uns mit aller Sorgfalt, diese Gratwanderung zu bewältigen.»

Aufgrund der Corona-Situation müsse damit gerechnet werden, dass den Schulen Lehrpersonen fehlen. «Die Suche nach Stellvertretungen ist schwierig, weil generell ein Mangel an Lehrpersonen herrscht.» Um den Schulbetrieb trotzdem am Laufen zu halten, arbeitet der Kanton Appenzell Ausserrhoden mit der Pädagogischen Hochschule zusammen. «Studierende können trotz laufendem Studium an den Schulen eingesetzt werden.»

«Das Schutzkonzept bewährt sich»

Auch im Kanton Thurgau heisst es, dass man «stark betroffen von den steigenden Fallzahlen an den Schulen» sei. «Die Situation ist angespannt. Mehr Schülerinnen und Schüler befinden sich in Quarantäne oder Isolation und können nicht am Unterricht teilnehmen», sagt Beat Brüllmann, Amtschef vom Amt für Volksschule des Kantons Thurgau. Bei den Lehrerinnen und Lehrern helfen derzeit Studierende der Pädagogischen Hochschule Thurgau «soweit möglich» aus.

Betroffen seien im Thurgau vor allem die Primar- und Sekundarschule, bei der Sekundarstufe II gebe es weniger Ausfälle. Trotzdem sagt Brüllmann: «Das Schutzkonzept bewährt sich, aktuell sind keine weiteren Massnahmen vorgesehen.»

Kinder stecken die Eltern an

Im Kanton Graubünden haben unterdessen zehn Klassen und zwei Schulen aufgrund der vielen Fälle auf Fernunterricht umgestellt. «Die Anzahl positiver Klassenpools hat sich seit den Herbstferien verzehnfacht», heisst es beim Kanton auf Anfrage von FM1Today.

«Das ganze relevante Infektionsgeschehen verlagert sich in den Teil der Bevölkerung, welcher sich nicht impfen lassen kann oder will», teilt der Kanton mit. Ein Drittel der Fälle habe anfangs Dezember die Personen zwischen 0 und 19 Jahren betroffen. «Inzwischen haben sich die Fälle auch auf die Eltern ausgeweitet.

In Graubünden wird jetzt die Maskenpflicht auf alle Schülerinnen und Schüler ab der 3. Primarklasse ausgeweitet. Sie gilt ab dem 13. Dezember und bis zum 23. Januar.

(skr/rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 11. Dezember 2021 07:21
aktualisiert: 11. Dezember 2021 08:34
Anzeige