Letzte Hürden für das Geburtshaus

Angela Mueller, 27. August 2018, 10:03 Uhr
Vier Hebammen gründen in St.Gallen ein Geburtshaus. Eröffnet wird es nächsten April - ihr engagiertes und kreatives Crowdfunding ist erfolgreich angelaufen.

Im orangen Kleinwagen fahren vier Hebammen aus der lieblichen Appenzeller-Landschaft in Richtung St.Gallen, wo sie ihren Traum von einem eigenen Geburtshaus verwirklichen wollen. Dies ist die Anfangssequenz des Geburtshaus-Videos mit dem die vier Frauen für ihr Crowdfounding werben.

Damit wollen sie das Geld für die Einrichtung des Geburtshaus finanzieren. Es fehlen noch Gebärwannen, Betten, Wickeltische und vieles mehr. «Am 31. Juli haben wir mit dem Crowdfounding  gestartet. Inzwischen sind über 71'000 Franken zusammengekommen», sagt Aline Imthurn, Hebamme und Mitbegründerin.

Geburtshaus direkt beim Kantonsspital

Der erforderliche Mindest-Sammelbetrag liegt bei 100'000 Franken. «Mit 250'000 Franken könnten wir die gesamte Einrichtung finanzieren.»

Das Projekt Geburtshaus St.Gallen ist schon weit fortgeschritten. Der Eröffnungstermin im April 2019 ist festgelegt und die Räumlichkeiten in der neuen Lindenpark-Überbauung sind angemietet. «Für uns ist die Geburt ein natürlicher Prozess und diesen wollen wir im Geburtshaus unterstützen», sagt Hebamme Mirjam Kelemen.

Aufnahme in die kantonale Spitalliste

Doch das Geburtshaus hat noch einigen Hürden zu nehmen. Die wohl wichtigste, neben dem Crowdfunding, ist die Aufnahme in die kantonale Spitalliste. Dies ist seit einer Gesetzesänderung im Jahr 2012 möglich und hat zur Folge, dass die Krankenkassen die Leistungen des Geburtshauses vollumfänglich übernehmen. «Für die Frauen entsteht so eine echte Wahlfreiheit, wo sie ihr Kind gebären wollen», sagt Aline Imthurn.

Im Lindenpark ist das Geburtshaus geradezu ideal gelegen, denn die Distanz zum Kantonsspital mit der grössten Ostschweizer Geburts- und Frauenklinik beträgt nur gerade 400 Meter.

Nachfrage für Geburtshaus ist gross

«Wir stehen im Kontakt mit der Klinik und arbeiten gerade einen Kooperationsvertrag aus», sagt Imthurn. Denn auch dieser Vertrag ist eine Voraussetzung, um auf die Spitalliste aufgenommen zu werden.

Hebamme Imthurn ist sich sicher, dass es eine Nachfrage für ein Geburtshaus in der Ostschweiz gibt: «Immer wieder haben wir von Frauen gehört, dass sie lieber in einem Geburtshaus als in einem Spital gebären würden.»

Zurzeit gibt es in der Schweiz laut der Interessensgemeinschaft Schweizer Geburtshäuer 25 Geburtshäuser in 17 Kantonen, in der Region Ostschweiz in Bäretswil (Kanton Zürich) und Grabs (nur für ambulante Geburten, kein Wochenbett).
Angela Mueller
veröffentlicht: 27. August 2018 09:33
aktualisiert: 27. August 2018 10:03