Zur Sache

«Maskenpflicht wird unser Covid-Problem nicht wesentlich verändern»

21. Oktober 2020, 19:11 Uhr
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Quelle: tvo

In der TVO-Sendung «Zur Sache» haben der Infektiologe Pietro Vernazza und der Thurgauer Regierungsrat Urs Martin (SVP) zu Massnahmen gegen die Corona-Pandemie diskutiert. Sie sind sich einig: Das Thema wird uns noch lange beschäftigen.

Pietro Vernazza, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St.Gallen, sagt: «Es braucht Massnahmen.» Damit meint er aber nicht einfach einen Lockdown, um das Coronavirus in den Griff zu kriegen. Nein, Vernazza spricht vor allem von mehr Schnelltests bei mutmasslichen Superspreader-Events. So könne Sicherheit geschaffen werden. Er meint damit explizit nicht Grossveranstaltungen wie Spiele des FC St.Gallen, die bereits ein Schutzkonzept haben – sondern zum Beispiel Choraufführungen.

Auch der Thurgauer Regierungsrat und Gesundheitschef Urs Martin (SVP) will bei den Massnahmen nichts überstürzen. «Wir haben die Pandemie und die wird auch nicht weggehen. Die Frage ist: Wollen wir unser Leben davon bestimmen lassen und die Wirtschaft komplett runterfahren? Das ist eine Abwägung, die wir machen müssen.»

Martin: «Wir stehen nicht schlecht da»

Dass die Fallzahlen rasant ansteigen ist für Vernazza nicht überraschend: «Es ist Herbst, die Viren werden aktiv. Zudem werden jetzt alle Leute getestet, die irgendwelche Symptome zeigen.» Ihn beruhigt, dass die Zahl der schweren Fälle nur minim zugenommen hat und wir derzeit vor allem mildere Verläufe beobachten können.

Auch Martin ist der Meinung, dass die Lage noch nicht aus dem Ruder gelaufen sei: «Wenn wir unser Gesundheitssystem anschauen, dann stehen wir nicht schlecht da. Jetzt müssen wir schauen, wie sich die Situation entwickelt.»

Was nützt die Maske?

Ob die Maskenpflicht diese zweite Welle abschwächt, ist im Talk umstritten. Infektiologe Vernazza zitiert eine neue Studie, die zeigt, dass man beim Maskentragen weniger Viren einatme und deshalb die Verläufe milder sein könnten: «Man muss die Bevölkerung motivieren, mitzumachen. Das nützt mehr als Massnahmen. Den Leuten soll klar sein, dass sie die Maske aus Eigeninteresse tragen sollen.» Als Allheilmittel will er die Maske jedoch nicht sehen: «Die Pflicht wird unser Covid-Problem nicht wesentlich verändern. Das zeigen auch Analysen anderer Länder.»

Sowohl für Vernazza als auch für Martin ist eine andere Massnahme viel entscheidender: Hygiene. Vernazza: «Die Hände regelmässig waschen und nicht ins Gesicht. Und immer wieder lüften, lüften, lüften.»

Die ganze «Zur Sache»-Sendung gibt es oben im Video.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 21. Oktober 2020 19:03
aktualisiert: 21. Oktober 2020 19:11