Masterstudierende haben keinen Platz

Fabienne Engbers, 28. September 2017, 09:26 Uhr
Das Semester an der Uni St.Gallen hat begonnen. Einige Masterstudierende erlebten bereits ihre erste Albtraum-Woche. Ihre Kurse sind allesamt zum Bersten voll. Möglicherweise müssen sie nun ein Semester anhängen.

Die Studierenden im MBI-Master (Master in Business Innovation) an der HSG staunten nicht schlecht, als sie letzten Montag zu Studienbeginn ihren ersten Kurs besuchten. Rund 140 Studierende zwängten sich in einen Raum, der 96 Plätze hat. Viele hatten nicht einmal einen Sitzplatz. Der Master ist dieses Semester völlig überbucht, die Studierenden können ihre Kurspunkte niemals erreichen. Nach mehrfachen Protesten hat sich die Programmleitung eingeschaltet und für Linderung gesorgt - damit ist aber noch lange nicht alles gut.

Kurs wurde abgebrochen

Am ersten Studientag konnten die Studierenden keine Notizen machen, die Dozentin konnte die Vorlesung nicht halten. Kurzerhand wurde sie abgesagt. «Es war eine Katastrophe, die Dozentin war komplett überfordert», sagt einer der Betroffenen, der anonym bleiben möchte.

Er hat diesen Herbst den Master in Business Innovation begonnen, um später in der Beratung tätig zu sein. «Ich habe mich für dieses Masterprogramm entschieden, da der MBI neue Technologien im Studium mit Praxisprojekten in der Forschung und Beratung verbindet.» Nun ist er sauer. «Das hätte man doch merken müssen, als sich die Studenten im April für den Master angemeldet haben.»

Wartelisten sind voll

Das Studium im MBI ist in einen Pflicht- und Wahlbereich unterteilt. In beiden Sparten müssen eine gewisse Anzahl Credits absolviert werden. Im Wahlbereich des Masters waren aber in kürzester Zeit alle Kurse voll. Die Programmleitung hatte schlicht zu wenig Plätze für die knapp 150 Studierenden angeboten. «Auch die Wartelisten sind alle voll», sagt ein Studierender.

Die Wartelisten im Master MBI sind alle voll. (Bild: zVg)
Die Wartelisten im Master MBI sind alle voll. (Bild: zVg)

So kamen viele zu Semesterbeginn nur gerade auf etwa 14 Credits, die sie absolvieren können. In einem Vollzeitstudium muss man jedoch rund 30 Credits machen, damit man in der angedachten Zeit (bei einem Master sind dies eineinhalb Jahre) mit dem Studium abschliessen kann.

Als die Studierenden zu Semesterbeginn bei der Administration angeklopft haben, um sich zu beschweren, hiess es erst, man könne nichts unternehmen. Die Studierenden müssten in diesem Semester halt weniger Credits machen, als normal und diese in anderen Semestern nachholen. Vielen Studierenden passt das jedoch überhaupt nicht in ihren Studienplan, da die meisten einen Nebenjob oder gar ein eigenes Unternehmen haben.

HSG wurde von Andrang überrascht

Tatsächlich hat die Universität nicht mit so vielen Einschreibungen für den Master gerechnet. Ein Jahr zuvor haben sich 88 Studierende für den Studiengang eingeschrieben. «Da die Stunden- und Raumplanung bereits zu einem Zeitpunkt erfolgen muss, wenn die Anmeldezahlen noch nicht bekannt sind – und also auf der Basis von Erfahrungswerten geplant werden muss – ist dieses Jahr durch diese sehr ungewöhnliche Zunahme der Master-Einsteiger im MBI ein kurzfristiger räumlicher Engpass entstanden», sagt Jürg Roggenbauch, Leiter der Medienstelle der Universität St.Gallen.

Man habe zwar intensiv nach Lösungen gesucht, da der Stundenplan aber für alle insgesamt über 7000 Studierenden bereits gesetzt war, war die Flexibilität gering.

Situation ein wenig entschärft

Mittlerweile haben die Programmleitung des MBI und die Studienadministration aber erste Schritte unternommen und einige zusätzliche Plätze in Kursen freigeschaltet. Aber auch diese waren sofort belegt. Die Vorlesung, in der der betroffene Student sass, wird aber ab nächster Woche in einen Raum verlegt, in dem alle eingeschriebenen Studierenden einen Sitzplatz haben. Die Situation ist nur bedingt entschärft. «Immerhin kann ich jetzt 20 von 30 geplanten Credits machen», sagt ein Studierender.

Im nächsten Semester ist die HSG auf die grosse Zahl an Masterstudierenden gefasst und bereitet sich entsprechend vor. «Auf das nächste Semester hin werden die Raumzuteilungen den nun bekannten Einschreibezahlen des MBI angepasst. Zudem wurden, wo möglich, die Kontingente in den aktuellen Kursen erhöht, um den unerwarteten Andrang abzufedern», sagt Jürg Roggenbauch.

Trotzdem werden die Studierenden wohl den Rest des Masters mit der misslichen Lage zu Beginn des Studiums zu kämpfen haben.

Platzproblem an der HSG bleibt

Die Universität St.Gallen gerät raumtechnisch langsam an die Grenzen ihrer Kapazität. Zur Entspannung der Situation wurden in den letzten Jahren Räume in der Stadt St.Gallen gemietet und Provisorien auf dem Campus erstellt. In den nächsten Jahren soll ein neuer Campus beim Oberen Graben gebaut werden. Das Stimmvolk wird voraussichtlich 2019 darüber abstimmen. Zusätzlich soll im nächsten Jahr ein Learning Center gebaut werden, in dem die Studierenden Projekte und Gruppenarbeiten mit neuen Arbeitstechniken erarbeiten können.

Dass die Universität St.Gallen immer wieder mit Platzproblemen kämpft, zeigt auch dieses Video, im dem der Ansturm auf Bibliotheksplätze während der Lernphase gefilmt wurde.

Während der Startwoche haben die Studierenden in St.Gallen auch dieses Jahr wieder ordentlich Party gemacht:

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Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 28. September 2017 09:26
aktualisiert: 28. September 2017 09:26