«Mein Hund wurde vergiftet»

Fabienne Engbers, 8. August 2017, 07:21 Uhr
Funny, der kleine Pumi, wurde offenbar mit Rattengift vergiftet.
Funny, der kleine Pumi, wurde offenbar mit Rattengift vergiftet.
© facebook.com/Tanya*
In St.Gallen wurde offenbar eine Hündin mit Rattengift getötet. Ihre Halterin bangte mehrere Tage um das Überleben das Tieres und macht auf Facebook auf tödliche Fleischfallen aufmerksam.

«Meine Hündin kam von der Strasse aus Ungarn. Sie frass alles, was nicht niet- und nagelfest ist», sagt Tanya* aus St.Gallen. So habe ihr Hund bei einem Spaziergang wohl auch einen mit Rattengift bearbeiteten Fleischmocken verschlungen. «Ich habe sie in einem Waldstück kurz von der Leine gelassen. Da konnte ich natürlich nicht kontrollieren, was sie alles in den Mund nahm.» Das ganze Wochenende kämpfte Hündin Funny um ihre Leben, am Montagmittag musste Tanya sie erlösen und einschläfern. «Ihre Blutwerte waren zu schlecht.»

«Zum Glück habe ich schnell reagiert»

Tanya ist diplomierte Tierpsychologin und Verhaltensberaterin und -trainerin, sie hat drei Hunde. «Ich kenne meine Hunde sehr gut.» In der Nacht von Freitag auf Samstag habe ihre Hündin erbrochen und wurde bewusstlos. «Anhand der Symptome merkte ich sofort, dass das nicht einfach eine harmlose Magen-Darm-Grippe ist. Wir fuhren in die Notaufnahme einer Tierklinik.»

In der Klinik meinte die Ärztin, die Chancen für die Hündin stünden 50 zu 50. Am Sonntag hat Tanya die Hündin zusammen mit ihrer Familie besucht. «Als sie uns sah, wollte sie aufstehen. Sie war aber zu schwach und fiel sofort wieder hin.»

Am Sonntagabend ging es der Hündin ein wenig besser. Die Blutwerte vom Montag zeigten aber ein schlechtes Bild. So schlecht, dass Tanya ihre Hündin erlösen musste. «Sie hatte viel zu wenig Blutplättchen, sie hätte nicht überlebt. Durch das Rattengift hat sich das Blut quasi selbst zerstört.»

«Ich will die Anwohner warnen»

Tanya hat den Vorfall auf Facebook gepostet. «Ich will andere warnen, damit sie ihre Hunde im Gebiet rund um den Boppartshof und das Schlössliquartier an die Leine nehmen.» Kein Tier und kein Mensch sollen das durchmachen, was sie und ihre Hündin durchstehen mussten.

Der Post wurde mehr als 500 Mal geteilt, viele drücken in den Kommentaren ihr Beileid aus und wünschen ihr Kraft.

Nicht der erste Fall im Quartier

Tanya weiss von anderen Fällen, bei denen Tiere in ihrem Quartier zu Schaden kamen. Ein Hund einer Freundin sei auch mit Rattengift vergiftet worden. Er überlebte nur knapp. Auch Katzen würden in ihrem Quartier nicht gut behandelt. «Die Katze meiner Nachbarin ist vor Kurzem mit einer gespaltenen Zunge nach Hause gekommen. Womöglich hat sie sich an einer Rasierklinge verletzt», sagt Tanya.

Vorfälle unbedingt der Polizei melden

Tanya hat den Vorfall mittlerweile der Polizei gemeldet, wie sie gegenüber FM1Today sagte. Wieso nicht sofort? «Rattengift kann man nicht nachweisen, daher dachte ich, das bringt sowieso nichts.» Die Stadtpolizei St.Gallen rät Tierhalterinnen und - haltern aber dringend, sich in solchen Fällen zu melden. «Wenn wir keine Meldung bekommen, können wir auch nichts gegen die Tierquälerei unternehmen», sagt Dionys Widmer von der Stadtpolizei St.Gallen.

Werden Fälle, in denen Tiere mit Rasierklingen oder Rattengift gequält wurden, der Polizei gemeldet, so könne diese handeln. Die Täter machen sich wegen Tierquälerei strafbar. «Es gibt diverse Massnahmen, die man in solchen Fällen treffen kann. Unter anderem würden wir das Quartier beobachten und taktische Massnahmen anwenden, die wir aber nicht verraten», sagt Widmer.

*Name der Redaktion bekannt

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 8. August 2017 07:12
aktualisiert: 8. August 2017 07:21