«Modesünden gibt es fast keine»

Stefanie Rohner, 26. Januar 2019, 19:30 Uhr
«Mode ist kurzlebig - sie funktioniert so», sagt Martin Leuthold.
«Mode ist kurzlebig - sie funktioniert so», sagt Martin Leuthold.
© Urs Bucher/St.Galler Tagblatt
Trends kommen und gehen und das relativ schnell. Man muss nicht alle verstehen. Doch gibt es tatsächlich so etwas wie Modesünden?

Ob man nun gelb trägt, obwohl das nur einem Prozent der Menschen gut steht, oder man mit Socken in Sandalen schlüpft: Mode ist Geschmacksache und Trends meist kurzlebig. Auf Bad-Taste-Partys wird dies gefeiert. Wir haben uns deshalb gefragt: Gibt es Dinge, die absolut nicht gehen? FM1Today hat sich beim St.Galler Experten Martin Leuthold erkundigt.

Er war Kreativdirektor und Designer bei der Jakob Schläpfer AG und hat Stoffe für Haute Couture-Mode aus aller Welt entworfen. «Für mich gibt es eigentlich keine Modesünden, da Mode sowieso kurzlebig trendig ist. Es kommt immer wieder vor, dass sich etwas durchsetzt, von dem man dachte, das ist unmöglich», sagt Leuthold.

«Mode funktioniere gerade, weil sie keinen Bestand hat.» Er sagt sogar, Socken in Sandalen könnten spannend sein. Was für ihn persönlich allerdings gar nicht geht, sind Leggins.

«Eine Unart sind für mich tatsächlich Leggins. Es gibt Ausnahmen, bei denen das Erscheinungsbild stimmt, aber der Trend konnte optisch nie überzeugen. Der Trend ist nicht richtig», sagt Leuthold.

Wenn jemand Leggins trage, müsse er sich gut darin bewegen können. «Wenn das aber zur allgemeinen Mode wird, ist es schrecklich», sagt Leuthold.

Jugend legt Wert auf Kleidung

Trends, so sagt der ehemalige Kreativdirektor, entstehen meist aus Subkulturen. «Ob nun in der Musik, im Theater oder durch Blogger, die etwas in die Welt setzen: Man kann ganz schnell eine Masse damit anstecken», sagt Leuthold.

Auch wenn es zu Beginn als Unart gilt, so entsteht dennoch ein Stil. «Dazu braucht es den richtigen Geschmack. Das Alter des Trägers und das Material müssen stimmen», sagt Leuthold.

Stark im Trend bei Jugendlichen seien derzeit Kaschmirmäntel aus dem Brockenhaus. «Unsere Grossväter trugen die vor Jahrzehnten nach dem Krieg und es war absoluter Luxus. Die, die das damals gesehen haben, fragen sich natürlich, wie man das wieder aus der Mottenkiste holen konnte», sagt er.

So ist Leuthold der Meinung, dass man Schlaghosen, Bomberjacken und Buffalos noch immer gut tragen könne.

«In meiner Jugend waren lange Haare und Schlaghosen bei Männern absolut undenkbar. Die Beatles haben es vorgemacht, es war aber ein Aufreger damals», sagt Leuthold.

Experimente wagen

Bei Farben kann man viel falsch machen, aber Leuthold ist der Meinung, das man sich nicht sagen lassen muss, welche Farben nicht kombiniert werden sollten. «In der Mode darf experimentiert werden. Steht jemand zu dem, was er trägt, dann sieht es auch gut aus», sagt Leuthold.

Er findet auch, dass Neonfarben absolut in Ordnung gehen. Er findet, man solle alles mögliche ausprobieren. «Das spannende an Mode ist, dass Experimente gewagt werden dürfen. Denn in der Mode ist es jeden Tag wieder anders», sagt Leuthold.

(str)

Stefanie Rohner
veröffentlicht: 26. Januar 2019 19:30
aktualisiert: 26. Januar 2019 19:30