Mögliche Strafanzeige gegen Heimleiter

Angela Mueller, 1. Mai 2019, 10:02 Uhr
Zurzeit hängen düstere Wolken über dem Altersheim Forstegg in Sennwald.
© Screenshot Google Earth
Ein Heimleiter hat das Altersheim in Sennwald in knapp vier Jahren heruntergewirtschaftet, doch der Gemeinderat will keine Strafanzeige erstatten. Jetzt prüft der Kanton, ob eine Strafanzeige nötig ist.

Der Sennwaldner Altersheimleiter hat ein finanzielles Debakel hinterlassen, das nun die Gemeinde Sennwald ausbaden muss. Der diplomierte Betriebswirtschafter hatte im Jahr 2015 eine perfekte Situation im Altersheim Forstegg angetroffen.

Damals verfügte das Heim mit seinen rund 35 Bewohnern über eine finanzielle Reserve von 2,4 Millionen Franken und dank tiefer Fluktuation konnte der Heimleiter auf eingespielte Arbeitsteams zählen. Knapp vier Jahre später war das Heim total heruntergewirtschaftet, es blieben nur noch 300'000 Franken in der Reservekasse (FM1Today berichtete).

Lohnkosten als Guthaben abgebucht

Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Betriebsanalyse hat jetzt ergeben, dass der Heimleiter zu viel Personal eingestellt hatte, aber auch bauliche Massnahmen liessen die Reserve von über zwei Millionen Franken schnell dahinschwinden.

Nicht nur das: Die hohen Lohnkosten wurden in der Buchhaltung falsch ausgewiesen, statt bei den Ausgaben, sind sie im Guthaben gelandet. Trotzdem will die Gemeinde auf eine Strafanzeige verzichten.

Keine Hinweise auf Veruntreuung

«Es gibt keinerlei Hinweise auf Veruntreuung, weder der externe Revisor, noch der Kanton, noch die neuste Betriebsanalyse haben diesbezüglich etwas gefunden. Das Geld ist einfach im Heim versickert», sagt Peter Kindler, Gemeindepräsident von Sennwald zum SRF-Regionaljournal Ostschweiz.

«Wir können schon eine Schlammschlacht veranstalten, aber bekommen wir das Geld dann zurück?», fragt Kindler rhetorisch. Der ehemalige 42-jährige Heimleiter hatte letzte Woche von sich aus gekündigt, weil er sich neu orientieren wolle.

Amt für Gemeinden prüft den Fall

Doch damit ist der ehemalige Heimleiter nicht aus dem Schneider: Das kantonale Amt für Gemeinden hatte veranlasst, den Fall Sennwald zu untersuchen. Nun warte man hier noch auf einige Unterlagen, sagte Alexander Gulde vom Amt für Gemeinden gegenüber dem SRF-Regionaljournal Ostschweiz. Es werde geprüft, ob weitere Massnahmen oder gar eine Strafanzeige notwendig seien.

Angestellten wird wohl gekündigt

In Sennwald will Gemeindepräsident Kinder jedoch in die Zukunft schauen: Bis im Sommer soll sich die finanzielle Situation des Altersheim bessern, versichert Kindler. Allerdings müsse er wohl zwei bis drei Angestellten kündigen.

Eine letztes Jahr eingerichtete Altersheimkommission und eine externe Buchhaltung werden die neue Heimleitung beaufsichtigen. Die Heimleiter-Stelle ist seit dieser Woche ausgeschrieben. «Erste Interessenten haben sich schon gemeldet, aber wir lassen uns Zeit und prüfen mögliche Anwärter gründlich», sagt Kindler.

Angela Mueller
Quelle: agm
veröffentlicht: 1. Mai 2019 10:02
aktualisiert: 1. Mai 2019 10:02