Beizensterben

Nach Corona – jetzt kommt der Stromhammer für Ostschweizer Restaurants

Sven Lenzi, 13. September 2022, 15:45 Uhr
Jüngst ist es der «Bären» Speicherschwendi, der per Ende Jahr schliesst. Das Appenzeller Wirtepaar ist aber längst nicht das Einzige, welches den Hut nimmt. Doch woran liegt das?
38 Jahre lang hat das Ehepaar Zöllig im Gasthaus Bären in Speicherschwendi erfolgreich gewirtet.
© St.Galler Tagblatt, Karin Erni

«Wir hatten wunderschöne Jahre hier und für unsere Kinder bedeutet der Bären Heimat», so Bettina Zöllig, Wirtin des «Bären», gegenüber dem St.Galler Tagblatt. Weil diese aber kein Interesse hatten, den Betrieb zu übernehmen, verlassen Bettina und Peter Zöllig nach 38 Jahren das bekannte Gasthaus in Speicherschwendi per Ende 2022 und setzen sich zur Ruhe.

Corona-Nachwehen nur Teil der Eklärung

Die Geschichte des Ehepaars ist symptomatisch für die momentane Situation in der Ostschweizer Gastronomie. Seit der Corona-Pandemie scheint der Wurm drin zu sein. Die Situation einfach auf die Effekte der Pandemie abzuwälzen, wäre für Irene Baumann, Vizepräsidentin der Gastro St.Gallen, aber zu einfach.

Sie erklärt gegenüber FM1Today: «Ich glaube, dass es aufgrund der Corona-Pandemie nur wenige direkte Restaurantschliessungen gab. Jetzt müssen aber die ersten Corona-Kredite zurückbezahlt werden, obwohl es nach der Wiedereröffnung vielerorts nicht wie gewünscht angelaufen ist. Ich kann mir vorstellen, dass viele Wirte denken, es wird keinesfalls einfacher in naher Zukunft, sondern dass nur noch grössere Probleme auf sie zukommen werden.»

Interesse am Job besteht 

Ein zu grosses finanzielles Risiko also, welches man nicht freiwillig auf sich nimmt. Offenbar schreckt der Full-Time-Job Jugendliche aber nicht davon ab, auch in der heutigen Zeit noch ein Restaurant betreiben zu wollen. Baumann: «Wir haben einen riesigen Zulauf. Viele junge Menschen wollen das Wirtepatent machen.» Gleichzeitig meint Baumann aber auch: «Ich frage mich nur, wie lange das noch so ist.»

Es kommt noch schlimmer

Denn für Irene Baumann, die selbst das Restaurant «Rössli» in Flawil betreibt, ist der momentane Trend erst der Anfang des Beizensterbens. Die Energiekrise macht auch vor der Gastronomie keinen Halt: «Da kommt etwas auf uns zu. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie wir die zusätzlichen Kosten stemmen sollen.»

Ganze 25'000 Franken Mehrkosten werden auf die Wirtin zukommen. Das bereite ihr schlaflose Nächte: «Vielleicht sage ich in fünf Jahren, das die Corona-Pandemie für uns gar nicht so schlimm war. Damals wurde uns wenigstens geholfen.» Deshalb ist für Baumann klar: «Es werden noch viel mehr Schliessungen dazukommen.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 14. September 2022 05:59
aktualisiert: 14. September 2022 05:59
Anzeige