Rheintal

Naturschützer fordern Umdenken: «Wir hinken hinterher»

Stefanie Rohner, 16. Oktober 2020, 13:12 Uhr
Die Rheintaler Gemeinden entwerfen derzeit ergänzend zum Planungs- und Baugesetz des Kantons St.Gallen lokale Entwicklungskonzepte und Baureglemente. Lokale Naturschutzorganisationen sehen das als Chance, den Natur- und Umweltschutz zu fördern.

«Jetzt haben wir die Chance, in der Neugestaltung des Baureglements vieles besser zu machen. Die Bauerei darf nicht mehr auf Kosten der Natur gehen», sagt Tobias Schmidheini vom Verein Balger Natur.

Unter seiner Leitung haben sich lokale Naturschutzorganisationen und Privatpersonen von Thal bis Rüthi zusammengetan, um sich für Anliegen rund um die Natur einzusetzen.

«Umgebungsgestaltung muss angepasst werden»

Die Naturschützer haben den Rheintaler Gemeinden ein Dossier zukommen lassen, in dem sie beschreiben, was im Baureglement verankert werden sollte: Heisse Kiesdächer, sterile Steingärten, Kunstrasen, Neophyten (nicht einheimische, invasive Pflanzen) und mehr sollen nicht mehr erlaubt sein.

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Quelle: FM1Today

Patrick Reck kennt sich mit einheimischen Pflanzen gut aus und versucht seinen Kunden der Naturgärtnerei von Neophyten und Steingärten abzuraten. «Viele wollen zum Glück wieder weg von sterilen Gärten», so Reck.

Für Jürg Sonderegger gibt es einige Herausforderungen: der Klimawandel, damit einhergehend Temperatur- und Wetterextreme. Auch die Biodiversität muss gefördert werden. «Das rasante Artensterben zeigt, dass Handeln nötig ist», sagt Sonderegger.

«Einige der Baureglemente sind sehr alt»

Es geht den Naturschützern nicht darum, Versäumnisse von Gemeinden anzukreiden. «Die Baureglemente sind sehr alt. Früher wurden ökologische Aspekte zu wenig beachtet», sagt Schmidheini.

Die Gemeinden seien einigen Forderungen gegenüber offen. So auch der Gemeinderat Rüthi. Dieser unterstützt die Anliegen im Grundsatz. «Es ist wichtig, Sachen zur Förderung des Klimas, des Umweltschutzes und der Biodiversität für die Zukunft festzulegen», sagt Monika Eggenberger, Gemeindepräsidentin von Rüthi gegenüber FM1Today.

«Den Klimawandel kann man nicht wegdiskutieren»

Eggenberger sagt, da man in der Ortsplanung noch nicht so weit sei, könne noch nicht gesagt werden, in welcher Schärfe die Forderungen umgesetzt werden könnten.

Tobias Schmidheini (l.), Jürg Sonderegger (r.) und Patrick Reck haben lange über ihre Forderungen diskutiert

© FM1Today/Stefanie Rohner

Sie glaubt, dass die Leute offen für Änderungen sind. «Den Klimawandel kann man nicht wegdiskutieren, auch auf dem Land nicht. Ich unterstütze die Forderungen», sagt Eggenberger.

Eine Frage, die sich stellt: Würden Baueingaben komplizierter werden? «Das haben wir lange diskutiert, sind aber überzeugt, dass es geht. Es braucht allerdings Experten, welche die Baueingaben prüfen, damit die Gemeinden das stemmen können», sagt Schmidheini.

«Wir hinken hinterher»

Alle müssten an einem Strick ziehen: Private, Gärtner, Dachdecker, Bauherren und Gemeinden, sagt Schmidheini. Die Vereinigung der Naturschützer wird nun weiter mit den Gemeinden das Gespräch suchen und darauf pochen, ein Mitspracherecht zu haben.

«Wir erfinden das Rad ja nicht neu, eigentlich hinken wir im Vergleich zu Städten hinterher. Ausserdem geht es darum, für die nächste Generation etwas zu tun», sagt Reck.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 19. Oktober 2020 05:55
aktualisiert: 16. Oktober 2020 13:12