Neffen in Notlage missbraucht - Freiheitsstrafe

Laurien Gschwend, 12. Mai 2017, 21:28 Uhr
Ein 51-Jähriger hat seinen Neffen sexuell missbraucht. (Symbolbild)
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Das Kreisgericht St.Gallen hat am Freitag einen 51-jährigen Mann zu einer bedingten Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt, nachdem er seinen Neffen in einer Notlage sexuell missbraucht hat.

Der Iraker hatte dem damals 17-Jährigen vor acht Jahren die Flucht in die Schweiz ermöglicht und ihn bei sich aufgenommen. Der Neffe, der zu der Zeit kein Deutsch konnte und die Schweizer Kultur nicht kannte, war völlig von seinem Onkel abhängig. Diese Notlage nutzte der Beschuldigte aus, indem er ihn zu sexuellen Handlungen zwang.

Der Beschuldigte wurde der mehrfachen Ausnutzung der Notlage schuldig gesprochen. Auf den 51-Jährigen kommt eine bedingte Freiheitsstrafe von zwei Jahren mit einer Probezeit von zwei Jahren zu. Das Opfer erhält eine Genugtuung von 18'000 Franken. Die Verfahrenskosten betragen 9245 Franken, wovon der Beschuldigte vier Fünftel bezahlen muss. Für den Rest kommt der Staat auf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

«Onkel war wie ein Vater»

Der Beschuldigte ist ein gebürtiger Iraker mit persischen Wurzeln, der 1993 als anerkannter Flüchtling in die Schweiz kam. Er hat selbst Kinder, für die er nach der Scheidung im Jahr 2005 das Sorgerecht erhielt. Der Ex-Taxifahrer holte zuerst seinen Bruder aus dem Iran in die Schweiz, danach finanzierte er auch noch die Flucht für dessen drei Söhne. Der Beschuldigte nahm die Kinder in seiner St.Galler Wohnung auf, weil deren Vater von Sozialhilfe lebte und kein gutes Verhältnis zu seinen Söhnen pflegte. «Mein Onkel war für uns wie ein Vater», sagte sein früheres Missbrauchsopfer vor Gericht.

Zweieinhalb Jahre missbraucht

Nach wenigen Monaten in der Schweiz begann der Onkel, seinen damals 17-jährigen Neffen sexuell zu belästigen. Aus Angst, wieder in den Iran zurückgeschickt zu werden, liess das Opfer den Missbrauch über sich ergehen. Die Übergriffe dauerten laut der Anklage zweieinhalb Jahre an. Vor einem Jahr hatte der heute 25-Jährige den Mut, seinen Peiniger anzuzeigen.

«Hatten eine Liebesbeziehung»

Der Beschuldigte stritt die sexuelle Beziehung zu seinem Neffen vor Gericht nicht ab, pochte aber auf ein Einvernehmen: «Es war gegenseitig. Wir hatten eine Liebesbeziehung. Ich habe meinen Neffen zu nichts gezwungen.» Sein Neffe habe sich mit den Anschuldigungen nur rächen wollen - nach einem Streit um eine gemeinsame Pizzeria. «In der vorliegenden Situation steht Aussage gegen Aussage», sagte sein Strafverteidiger Federico Pedrazzini zu TVO.

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Laurien Gschwend
Quelle: SDA/TVO/red.
veröffentlicht: 12. Mai 2017 21:05
aktualisiert: 12. Mai 2017 21:28