Neue HSG-Studenten: «Grün und familiär»

Fabienne Engbers, 11. September 2017, 17:10 Uhr
Seit Montag gilt es für die Erstsemester-Studenten an der HSG ernst. Ganz brav haben sie die Uni und ihren neuen Wohnort erkundet. Rektor Thomas Bieger sprach derweilen an einer Medienkonferenz über die grössten Baustellen der Uni.

Über 1600 neue Studierende pilgern dieser Tage von der Stadt in Richtung Rotmonten. Nächsten Montag startet der Unialltag für alle Studierenden wieder, diese Woche gibt es ein Sonderprogramm für die Erstsemestrigen. Nebst einer Fallstudie geht es für die Neuankömmlinge in der so genannten «Startwoche» vor allem darum, die Uni, die Stadt und das Nachtleben kennenzulernen.

«Viel grün und Bäume»

Den neuen Studierenden gefällt es in St.Gallen. «Bis jetzt finde ich es toll. Es ist eine schöne Stadt, wir haben eine schöne Wohnung und die Uni gefällt mir auch», sagt der 24-jährige Thomas aus Einsiedeln. Er beginnt dieses Semester mit seinem Master.

Thomas (r.) und seine drei Mitbewohner geniessen die ersten Tage in St.Gallen (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

«Es ist wirklich schön, von hier oben hat man eine tolle Aussicht und die Landschaft gefällt mir gut. Ausserdem finde ich es gut, dass es nicht allzu gross ist, so bleibt alles überschaubar», sagt der 30-jährige Erhat aus Zürich. Er ist einer der älteren, die starten.

Erhat aus Zürich findet St.Gallen schön, gerade, weil es nicht allzu gross ist. (Bild:FM1Today/Fabienne Engbers)

Leticia aus Frankreich gefällt vor allem das viele grün auf dem Campus. «Es hat viele Bäume. Ausserdem gibt es Wald in der Nähe, das mag ich», sagt die 19-Jährige. Auch ihrer gleichaltrigen neuen Freundin Céci aus Berlin gefällt es. «Es ist ganz klein und familiär.»

Leticia aus Frankreich hat schon beim Mittagessen neue Freunde gefunden. (Bild: FM1Today/ Fabienne Engbers

«Ein bisschen zu ruhig»

Nicht alle mögen es, dass St.Gallen so klein ist. Luca aus Genf hätte gerne etwas mehr Ramba-Zamba. «Eigentlich gefällt mir St.Gallen ganz gut, allerdings ist es ein bisschen ruhig», sagt der 19-Jährige.

Für Luca aus Genf ist St.Gallen fast ein bisschen zu ruhig. (Bild: FM1Today/Fabienne Engbers)

Momentan sind erst die Erstsemestrigen an der Uni, nächste Woche werden die höheren Semester dazukommen. Dieses Semester werden rund 8600 junge Männer und Frauen an der HSG studieren.

Drei grosse Bauprojekte

Um Platz für die steigenden Schülerzahlen bieten zu können, muss die Universität St.Gallen Platz schaffen. Dafür werden in den kommenden Jahren drei grössere Bauprojekte realisiert. Zum einen wird das Bibliotheksgebäude, das 1989 gebaut wurde, zum ersten Mal umfassend saniert. Die Kapazität bleibt gleich, 16 Millionen Franken soll der Umbau kosten, der in den nächsten Jahren stattfindet.

Weiter soll in den nächsten Jahren ein «Learning Center» für 40 bis 50 Millionen Franken gebaut werden, das durch Schenkungen finanziert wird. Im «Learning Center» geht es um das individuelle, unbetreute Lernen. Dafür sollen Räume zur Verfügung gestellt werden. «Der Raum soll möglichst vielfältig nutzbar sein, damit die Studierenden kreativ an Projekten oder Gruppenarbeiten werkeln können», sagt Rektor Thomas Bieger.

Campus für 3000 Studis

Das grösste Bauprojekt der HSG ist das Areal Platztor beim unteren Graben. 3000 Studierende sollen im Neubau Platz finden. Das Bauprojekt kostet insgesamt 205 Millionen Franken, der Kanton soll mit rund 160 Millionen Franken den grössten Anteil daran beisteuern. Eine Volksabstimmung über das Projekt ist für 2019 vorgesehen. «Zurzeit hat die Universität St.Gallen eine ungenügende Infrastruktur, für rund 3000 Studierende hat es keinen Platz», sagt Stefan Kölliker, Präsident des Universitätsrates und Bildungsvorsteher des Kantons St.Gallen.

Mit dem Neubau am Platztor wird somit nur der heutige Platzbedarf gedeckt, Reserve gibt es keine. «Wir rechnen mit stagnierenden Studierendenzahlen in der Zukunft, daher sollte der Platz bis auf Weiteres ausreichen», sagt Kölliker. «Ich glaube, es ist wichtig, dass man nicht auf Reserve baut», sagt Bieger. Würde man zu gross bauen, müsste der Steuerzahler dies finanzieren. «Ausserdem würde die Qualität der Universität leiden», so Bieger.

«Mit den besten mithalten»

Die Universität St.Gallen ist eine der besten Wirtschaftsfakultäten der Welt, laut dem Financial Times Ranking ist sie gar die beste öffentliche Uni in diesem Bereich. Rektor Thomas Bieger möchte diesen hohen Standard halten. «Wir wollen weiterhin in der höchsten Liga spielen.» Dafür werden in den nächsten Jahren mehrere neue Lehrstühle aufgebaut.

Medizin und Informatik kommen dazu

Nebst dem medizinischen Lehrstuhl, der einen Masterstudiengang in Medizin in der Ostschweiz ab 2020 ermöglichen soll, wird vor allem in den IT-Bereich investiert. Vier neue Lehrstühle sollen im digitalen Bereich entstehen. «Dabei wird der Fokus nicht auf Hardware gelegt. Vielmehr geht es ums Programmieren und um Fähigkeiten, die uns in der Forschung in den Wirtschaftswissenschaften weiterbringen», sagt Thomas Bieger.

Dass man bei einer solchen Verbreiterung des Studienangebotes den Fokus auf sein Kerngebiet verliert, bezweifelt er. «Die Digitalisierung fordert neue Kompetenzen der Studierenden. Ein Marketing-Abgänger muss beispielsweise Datenbanken lesen und auswerten können. Um die Studierenden optimal auf ihr Berufsleben vorzubereiten, müssen wir ihnen in der heutigen Zeit auch Informatik-Wissen mitgeben.»

Behavioral Lab für Experimente

Ausserdem sollen die Doktoranden, die an der HSG promovieren, auch in St.Gallen bleiben. Dazu will die Universität den Stadort St.Gallen weiter fördern. Unter anderem wurde in den letzten Jahren das «Behavioral Lab» an der HSG aufgebaut. Dort können Studierende Untersuchungen durchführen und Erhebungen machen. Diese werden sie später in Journals, Büchern oder Fachartikeln veröffentlichen oder Auftraggebern wie aktuell Audi oder den St.Galler Stadtwerken zur Verfügung stellen.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 11. September 2017 17:01
aktualisiert: 11. September 2017 17:10