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«Nez Rouge wird teilweise ausgenutzt»

Linda Aeschlimann, 6. Januar 2019, 12:49 Uhr
Nez Rouge verbucht über die Festtage einen Rekord. Doch im Aargau übt der Freiwilligen-Fahrdienst Kritik am Partyvolk. In der Ostschweiz nimmt man die Fahrten mit den Feierlustigen gelassener. Im schlimmsten Fall werden diese stehengelassen.
Nez Rouge fährt während der Weihnachtszeit Gäste und deren Auto nach Hause.
© KEYSTONE/Ti-Press/Gabriele Putzu

Wir erinnern uns kurz zurück – an Weihnachten und Silvester. Da war doch was? Genau, viel Essen und vielleicht ein Glas Wein zu viel. Jedenfalls um das Auto nach Hause zu bringen. Ausser ihr wart eine von gut 35'000 Personen, die den Freiwilligen-Fahrdienst Nez Rouge gerufen habt.

Rekordsaison

Nez Rouge verbuchte in diesem Jahr Rekordzahlen. Noch nie haben so viele Leute das Angebot genutzt. Trotzdem herrscht im Kanton Aargau Katerstimmung. Gegenüber dem Regionaljournal SRF sagt der Präsident des Vereins Netz Rouge Aargau, dass das Angebot nicht mehr im Notfall gerufen werde, sondern junge Leute bewusst zur Party fahren und sich danach von den Freiwilligen nachhause chauffieren liessen.

Mehr Partys – mehr Gäste

In der Ostschweiz sieht man die Situation nicht so eng. «Es gibt im Dezember immer mehr Veranstaltungen und dementsprechenden mehr Gäste», sagt Gallus Hengartner, Präsident von Nez Rouge Schweiz und Ostschweiz. Er ist sich jedoch bewusst, dass einige Leute den Dienst ausnützen würden. Findet das aber wenig dramatisch: «Das gibt es auch bei jeder anderen Sache. Und diese Leute, die uns ausnutzen, sind definitiv in der Minderheit.»

Gallus Hengartner, Präsident Nez Rouge Schweiz und Ostschweiz. Bild: zVg
© zVg

Dazu kommt, dass in der «Rush Hour» die Leute plötzlich den Fahrdienst wieder absagen. «In einer Silvesternacht arrangieren sich die Leute plötzlich anders, wenn sie längere Wartezeiten in Kauf nehmen müssen», sagt Hengartner.

Keine Beförderungspflicht

Ein Vorteil von Nez Rouge ist, gemäss dem Präsidenten, dass die freiwilligen Fahrer nicht alle Personen nach Hause fahren müssen. Einerseits wenn das Fahrzeug nicht fahrtüchtig ist: «Die Fahrt wird zum Beispiel abgewiesen, wenn das Auto keine Winterpneu montiert hat.» Oder auch wenn Leute, meist mit deutlich zu viel Alkohol im Blut, ausfällig werden. «Da kann unser Team die Fahrt noch vor Ort abweisen.»

Lieber sicher nach Hause

Höchste Priorität hat laut Hengartner sowieso, dass die Sache den Sinn und Zweck erfüllen muss. Es gehe zentral darum, dass die Kunden sicher nach Hausen kommen würden, und auch wichtig: «Wir schützen die anderen Verkehrsteilnehmer.» Dazu möchte Hengartner, dass die Kunden glücklich und zufrieden sind. Deshalb ist für den Präsidenten klar: «Nez Rouge bietet das Angebot auch in der nächsten Weihnachtszeit an.»

Linda Aeschlimann
Quelle: lae
veröffentlicht: 6. Januar 2019 12:48
aktualisiert: 6. Januar 2019 12:49