«Nicole hat die beste Ausstrahlung»

Vanessa Kobelt, 25. September 2018, 12:28 Uhr
Wer ist die Schönste von allen? Diese Frage stellt sich heute Montag eine Jury in Schwellbrunn. Ein Besuch bei der grössten Gemeindeviehschau des Kantons Appenzell Ausserrhoden.

Im sonst so ruhigen Dorf Schwellbrunn ist der Geräuschpegel am Montag hoch. Aus Lautsprecher ertönt Musik, an Ständen werden Marroni angepriesen und einige Leute unterhalten sich lachend. Übertönt wird alles vom Muhen der rund 600 Kühe, die auf einer grossen Wiese stehen. Traditionell am letzten Montag des Septembers findet auf dem Aussichtspunkt Geren in Schwellbrunn die grösste Viehschau des Kantons Appenzell Ausserrhoden statt.

Vom Knochenbau zum Euter

Auf der Wiese steht auch die Kuh «Nicole», die von ihrem Besitzer Urs Jäger gerade am Kopf gekrault wird. «Meine Nicole wurde schon mal Miss Schwellbrunn», sagt der Ausserrhoder Landwirt stolz und zündet eine Krumme an. «Vom Knochenbau bis hin zum Euter: Bei Nicole hat alles gepasst.» Auch heute ist sie seine grosse Hoffnung. «Nicole hat einfach die beste Ausstrahlung». Insgesamt tritt Urs Jäger heute mit 31 Kühen an. Der Konkurrenzkampf mit den anderen Bauern lässt ihn dabei kalt. «Wir haben einen ganz friedlichen Wettstreit. Gewinnt ein anderer, freut man sich mit ihm».

«Appenzeller Tradition geniessen»

Dass es an der Viehschau in Schwellbrunn friedlich zu und hergeht, merkt man an der ausgelassenen Stimmung im Dorf. Trotz des kalten Septembertages haben sich viele Leute versammelt. Die Frauen tragen zur Appenzeller Tracht eine dickere Strumpfhose als sonst und die Männer haben ein Unterlibli an. «Man muss sich eben warm anziehen, dann geht es», sagt eine ältere Dame, die extra aus dem Bernbiet angereist ist. «Ich bin in Schwellbrunn aufgewachsen und ich komme jedes Jahr hierher, man trifft immer so viele bekannte Gesichter». Ihr Mann beisst gerade in eine Bratwurst und findet: «Für mich ist es ebenfalls ein Highlight. Man kann so richtig die Appenzeller Tradition geniessen».

Ruhiger Umgang mit «Nicole»

Auch Landwirt Urs Jäger geniesst die Viehschau jedes Jahr aufs Neue, schon seit seiner Kindheit ist er mit dabei. «Es ist ein wunderschöner Tag für mich, die Kinder und das ganze Dorf. Wir geben uns alle Mühe, dass wir gemeinsam eine schöne Schau erleben.» Doch nicht nur untereinander, auch auf den Umgang mit den Kühen wird geachtet. Besonders seine Lieblingskuh «Nicole» habe ein zartes Gemüt. «Nicole hat einen ruhigen Charakter, man muss deshalb auch ruhig mit ihr umgehen. Bestimmt wird sie die Schau gut meistern.»

Kribbeln im Bauch

So langsam muss sich Urs Jäger auch bereitmachen. Er ruft dazu seinen Sohn zu Hilfe, der die Kühe in traditioneller Appenzeller Tracht präsentieren wird. Die Rangverkündigung findet am Abend statt, dann wird sich zeigen, ob «Nicole» auch dieses Jahr das Rennen macht. Ein wenig nervös wird Urs Jäger zum Schluss doch noch. «Es kribbelt im Bauch, aber ich denke, das gehört dazu», sagt er. Er zieht nochmals an der Krummen und tätschelt «Nicole» am Kopf.

Vanessa Kobelt
Quelle: kov
veröffentlicht: 24. September 2018 16:55
aktualisiert: 25. September 2018 12:28