Badeunfälle

Notfall in Gewässern: So kannst du helfen

22. Juli 2020, 13:27 Uhr
Vorsicht beim Schwimmen in Flüssen und Seen. (Symbolbild)
© Severin Bigler
Viele verbringen ihre Ferien im Corona-Sommer in der Schweiz, es wird mir einer Zunahme der Badeunfälle gerechnet. Was du im Notfall tun kannst und wie du dich vor einem solchen Unfall schützt, liest du hier.

Wer beim Wandern eine Abkühlung braucht und in einen Bergsee hüpft oder während des «Böötle» kurz ins kühle Nass springen will, muss wissen – unbeaufsichtigte Gewässer können gefährlich sein. Seeretter rechnen mit einem einsatzreichen Sommer.

Beobachtest du einen Menschen in Not, kannst du dich an folgende Tipps von Joël Rodi, Präsident der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Mittelrheintal, halten:

Wie reagiere ich richtig, wenn jemand im Gewässer in Not gerät?

Am wichtigsten ist es, dass du einen Notruf tätigst, um so die Alarmierungskette so schnell wie möglich in Bewegung zu setzen. So geht keine wertvolle Zeit verloren.

Was muss ich beachten, wenn jemand in einem Fluss in Not gerät?

Du darfst dich nicht selbst in Gefahr bringen. Als erstes solltest du den Notruf absetzen, damit die Rettungskräfte so schnell wie möglich vor Ort sind. Wichtig ist, dass du den Rettungskräften die Position des Patienten so genau wie möglich mitteilst und vielleicht sogar am Ufer mitläufst, so kennen sie den Standort und können schneller eingreifen. Wenn Rettungsmittel vorhanden sind, kannst du sie der Person zuwerfen, sodass sie sich daran halten kann. In Fliessgewässern empfiehlt es sich nicht, selber in den Fluss zu gehen und die Person zu retten.

Joël Rodi ist Präsident der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) Mittelrheintal.

© zVg

Wie reagiere ich, wenn jemand in einem See in Not gerät?

An den Seen gibt es meist Rettungsmittel in der Nähe. Wenn du jemanden siehst, der in Not ist, solltest du diese zum Einsatz bringen: Den Rettungsring oder -Ball zuwerfen, zur Not hilft zum Beispiel auch eine Luftmatratze. Ins Wasser solltest du erst in letzter Instanz gehen. Du kannst versuchen, der Person ein Auftriebsmittel zu geben, solltest aber nicht direkt auf sie zuschwimmen. Wenn sie in Panik ist, kann sie dich erfassen und dann kommst du als Retter selber in Not.

Worin besteht die Gefahr, wenn ich selber ins Wasser gehe, um jemanden zu retten?

Es ist nicht einfach, zuzusehen, wie jemand in Not gerät und du dabei «nur» vom Ufer aus tätig bist und so Hilfe leistest. Doch es kommt immer wieder zu Folgeunfällen, bei denen die Helfenden selber in Not geraten. Dann ertrinken oder verletzen sich beide.

Worauf muss ich achten, wenn ich in einem unbeaufsichtigten See schwimmen gehe?

Ein unbeaufsichtigter Badesee hat meist keine Infrastruktur, dass heisst, es fehlen Bademeister und Erste-Hilfe-Material. Auch die Wassertiefe ist nicht geprüft. Wenn du zum Beispiel reinspringen willst, musst du selber schauen, dass du nicht eine untiefe Stelle erwischst und dich so verletzt. Kurz gesagt: Du musst für deine eigene Sicherheit sorgen.

Wie sieht es bei Flüssen aus?

Im Vergleich zu Flüssen sind Seen viel sicherer. Denn die Flussströmung sorgt für eine zusätzliche Gefahr. Nur gut überblickbare Stellen in stehenden Gewässern eignen sich, um zu baden.

Wieso kann der Temperaturunterschied von Wasser und Luft gefährlich werden?

Dein Körper heizt sich beim «Sünnelen» auf, sodass deine Haut gut 40 Grad warm wird. Wenn du dann ins 25 Grad warme Wasser springst, ist das ein grosser Temperaturunterschied, der deinen Körper überlasten kann. So kann es zu Bewusstlosigkeit kommen.

Wie wirke ich dem entgegen?

Annetzen und langsam ins Wasser gehen.

Gibt es eine Personengruppe, die stark gefährdet ist?

Es hängt vor allem mit dem Gesundheitszustand der Person zusammen. Die Frage ist, wie gut man den Temperaturunterschied verkraftet oder ob man sich daran gewöhnt ist. Jemand, der das ganze Jahr baden geht, verträgt Temperaturunterschiede eher.

(sk)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 26. Juli 2020 08:14
aktualisiert: 22. Juli 2020 13:27