Öffentliche Hand zahlt für Pizolbahnen

Vanessa Kobelt, 2. November 2017, 17:36 Uhr
Die Bergbahnen im Pizol sollen in den nächsten sechs Jahren über vier Millionen Franken erhalten.
Die Bergbahnen im Pizol sollen in den nächsten sechs Jahren über vier Millionen Franken erhalten.
© Keystone/Arno Balzarini
Endlich gute Neuigkeiten für das Skigebiet Pizol. Um das strukturelle Defizit auszugleichen, greift ihm die öffentliche Hand mit mehr als vier Millionen Franken unter die Arme. Die Pizolbahnen können aber noch nicht aufatmen.

Finanziell gesehen, weht den Pizolbahnen schon länger eine kalte Bise entgegen. Wegen schlechtem Wetter und verzögerten Kreditauszahlungen brachte die letzte Saison einen herben Verlust ein. Auch ein Gutachten von zwei unabhängigen Experten zeigte: Mit den Pizolbahnen geht es nicht so schnell bergauf, ihnen fehlen rund 850 000 Franken.  Bekommen sie keine zusätzlichen finanziellen Mittel von Gemeinden, Darlehensverzichte oder ein neues Aktienkapital, können sich die Bahnen nicht auf Vordermann bringen und sind über kurz oder lang zahlungsunfähig.

Unterstützung vom Kanton

Nun wurden die Hilferufe der Bahnen von Kanton und Gemeinden erhört. Die St.Galler Regierung unterstützt die Rekonstruierungs-Massnahmen der Pizolbahnen während den nächsten drei Jahren mit insgesamt maximal 900'000 Franken. «Würden die Pizolbahnen Konkurs gehen, wäre das für den Tourismus und das Sarganserland fatal», sagt Bruno Damann, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements. Aus diesem Grund hätte man sich entschlossen den Pizolbahnen auf die Beine zu helfen. Gleichzeitig teilt die Regierung mit, in Zukunft keine weiteren Zahlungen zu tätigen. Geld gibt es auch vorerst nur dann, wenn die Pizolbahnen eine «nachhaltigere und risikoärmere Geschäftsstrategie» erarbeiten. «Der Verwaltungsrat hat uns versprochen, dass er uns über seine Strategien informiert», sagt Bruno Damann. «Allzu sehr wollen wir den Pizolbahnen da aber nicht reinreden».

Die Regierung hat auch entschieden, sich nur zu beteiligen, wenn auch die Gemeinden einen Beitrag leisten.

Unterstützung von Gemeinden

Dazu haben sich diese bereit erklärt. Die Gemeinden Bad Ragaz, Vilters-Wang, Pfäfers, Mels, Sargans und Wartau unterstützen die Pizolbahnen AG finanziell. Es bestehe ein öffentliches Interesse an einem Fortbestand der Pizolbahnen. «Wir leisten einen Beitrag an die Lebensqualität der Einheimischen und Gästen, sowie an sportliche Aktivitäten im Sommer und Winter», sagt Daniel Bühler, Gemeindepräsident von Bad Ragaz. Für die Gemeinden sei es aber nie eine Option, dem privatwirtschaftlich organisierten Bahnunternehmen dauerhafte Defizitgarantien zu gewährleisten. «Wir übernehmen nicht das wirtschaftliche Risiko der Pizolbahnen», sagt Daniel Bühler.

Zubringergemeinden bezahlen am meisten

Die nächsten sechs Jahre leisten die Gemeinden jährlich einen Gesamtbetrag von 540'000 Franken. Die Zubringergemeinden Bad Ragaz und Vilters-Wangs übernehmen rund Zweidrittel der Kosten, die anderen Gemeinden rund einen Drittel. «Die Geldbeiträge wurden anhand verschiedener Kriterien verteilt, wie Wohnbevölkerung, Steuerkraft oder Anzahl Mitarbeitende der Bergbahn pro Gemeinde» sagt Daniel Bühler. Insgesamt erhalten die Pizolbahnen damit über vier Millionen Franken von der öffentlichen Hand.

 

pro Jahr in CHF Total in 6 Jahre in CHF
Bad Ragaz 189'455.00 1'136'730.00
Vilters-Wangs 157'545.00 945'270.00
Mels 93'400.00 560'400.00
Sargans 52'400.00 314'400.00
Wartau 28'100.00 168'600.00
Pfäfers 19'100.00 114'600.00

Stimmbürger haben das letzte Wort

Als nächster Schritt wird ein Gutachten ausgearbeitet, dann ist die Bevölkerung am Zug. Nächsten Frühling muss die Bürgerschaft der Gemeinden darüber entscheiden, ob der Kredit gewährleistet wird oder nicht. Gerettet sind die Pizolbahnen so oder so noch nicht. «Es ist weiterhin die Aufgabe des Verwaltungsrates, mit neuen Strategien die Finanzierung langfristig sicherzustellen», sagt Daniel Bühler. Und: Lehnen die Gemeinden eine Beteiligung ab, gibt es auch kein Geld vom Kanton.

(kov)


Vanessa Kobelt
veröffentlicht: 2. November 2017 14:59
aktualisiert: 2. November 2017 17:36