«Ohne diese Halle stünden wir im Trockenen»

Laurien Gschwend, 14. Dezember 2016, 10:52 Uhr
Wenn die Temperaturen sinken, denkt kaum einer noch ans Schwimmen, es sei denn, es handelt sich um ein Hallenbad. In Romanshorn gibt es ein solches zwar nicht, aber seit diesem Samstag kann im Strandbad auch im Winter geschwommen werden.

Dank einer Traglufthalle der Genossenschaft «Winterwasser Oberthurgau» über dem 25-Meter langen Schwimmbecken des Strandbads ist es genug warm, selbst, wenn draussen Schnee liegen sollte. «Wir sind unglaublich erleichtert, dass wir das Projekt nun endlich umsetzen konnten und alles geklappt hat. Wir haben einiges an Luft gebraucht – einen langen Atem und ein gutes, solides Konzept, aber das hat sich ausbezahlt», sagt Hanspeter Gross, Präsident der Genossenschaft Winterwasser.

Lange Anfahrtswege sind Geschichte

Da er selbst früher im Schwimmclub Romanshorn war, kennt er die Bedürfnisse der Schwimmer, wenn es um ein erfolgreiches Training geht. «Vereine und Schulen hatten jeweils einen weiten Weg zum nächsten Hallenbad. Dies hat nun ein Ende», freut sich Gross.

Die Begeisterung ist spürbar am Eröffnungstag. Das Gesamtfazit der Besucher ist ein positives. Brigitte Betschart, ein dreifaches Mami aus Romanshorn, freut sich über das neue Angebot. «Es ist toll, nun auch im Winter schwimmen gehen zu  können. Gerade, wenn die Kinder das Schwimmen erlernen, ist es schade, wenn sie im Winter mit dem Üben pausieren müssen. Ich werde sicherlich des Öfteren herkommen – mit den Kindern oder auch mal alleine», so Betschart.

«Ein Pionier- und Leuchtturmprojekt»

Die Idee wurde vor zwei Jahren erstmals aufgegriffen und mit viel Engagement aller Beteiligten angegangen. Nachhaltigkeit und eine gute Finanzierbarkeit waren dabei unabdingbare Faktoren. «So etwas gab es bislang nicht. Wir haben hier keine Dampfkochtopf-Mentalität, da die Halle über zwei grosse Panoramafenster verfügt. Das Ganze ist ein Pionier- und Leuchtturmprojekt für die gesamte Region», betont Hanspeter Gross.

Für die Traglufthalle wurde Dämmmaterial verwendet, welches ursprünglich in der Raumfahrt eingesetzt wurde. «Die Halle umgibt eine Schicht, eine Thermohülle. Damit ist der Energieverlust gering und das Ganze ökologisch, innovativ und nachhaltig», sagt Manuela Bracale der Firma Texlon. Von dieser stammt die Thermohülle.

Bis alles in trockenen Tüchern war, galt es auch, einige Hürden zu nehmen: Finanzierung, den Energieverlust so gering wie möglich zu halten und die Kosten für die Bewirtschaftung auf ein Minimum zu setzen. «Dank moderner Technik reicht eine Person aus, die Halle instand zu halten», so Gross.

Gute Wettkampfvorbereitung dank Traglufthalle

Die ersten Schwimmerinnen und Schwimmer durften am Samstag das Becken und somit die Halle in Beschlag nehmen und testen. Die 25-Meter-Bahn ermöglicht es den Schwimmern, sich gut auf  Wettkämpfe vorzubereiten. Lorenz Brühlman, der seit zehn Jahren beim Schwimmclub Romanshorn ist, zeigt sich erleichtert: «Es bedeutet uns viel, künftig hier trainieren zu können. Die Anfahrtswege ins Hallenbad Münsterlingen waren zeitraubend und das Becken war nur 20 Meter lang. Ohne diese Halle stünden wir im Trockenen», so Brühlmann.

Fundament für Hallenbad im Oberthurgau?

Der Stadtpräsident von Romanshorn, David H. Bon, zeigt sich stolz, dass die Traglufthalle in Romanshorn umgesetzt werden konnte. «Es freut mich, dass die Umsetzung geklappt hat. Ohne die Unterstützung anderer Gemeinden wäre es aber nicht denkbar gewesen, dies auf die Beine zu stellen. Die Hauptsache ist, dass eine Lösung für alle gefunden werden konnte. Damit wurde wahrscheinlich sogar das Fundament für ein mögliches Hallenbad im Oberthurgau gelegt», so Bon. Der Arboner Stadtrat Peter Grubser fügt an: «Für eine Stadt allein wäre das Projekt zu gross gewesen. Der Oberthurgau sollte immer an einem Strang ziehen, ansonsten würden wir solche Projekte selbst verhindern.»

Die Badesaison startet in Kürze – ab dem 11. Dezember kann nach Lust und Laune geschwommen werden. Während einer Woche ist dies sogar für alle kostenlos. Die Öffnungszeiten sind hier zu finden.

(Stefanie Rohner)

Laurien Gschwend
veröffentlicht: 10. Dezember 2016 16:59
aktualisiert: 14. Dezember 2016 10:52