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Coronavirus

Ostschweizer Schaustellern droht der Untergang

9. Januar 2021, 20:07 Uhr
Seit gut zehn Monaten warten Schausteller und Marktfahrer wegen der Corona-Pandemie auf Unterstützung des Bundes. In einem Brief an den Bundesrat fordern sie Geld – sofort.
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Quelle: tvo

Fabian Harder ist verzweifelt. Seit fast einem Jahr macht der Schausteller praktisch keinen Umsatz mehr.

Geld vom Bund oder vom Kanton hat er noch nie bekommen. Die Unsicherheit macht dem 34-Jährigen zu schaffen: «Jetzt ist Januar. Wir wissen nicht mehr, wie es weitergeht und wann wir wieder weitermachen können. Wir wissen nichts und müssen trotzdem immer die Rechnungen bezahlen.»

Verband ist mehr als besorgt

Die Rechnung ist denkbar einfach. Hat man kein Einkommen mehr und muss ständig Rechnungen bezahlen, wird das Geld auf dem Konto immer weniger. Bis es schliesslich weg ist. Harder ist verschuldet, wie andere Marktfahrer auch. Die Branche ist am Anschlag.

Aus diesem Grund fordert der Schweizerische Marktverband vom Bund sofortige Unterstützung. «Wir alle haben wirklich kein Geld mehr», sagt Hiltrud Frei, Präsidentin des SMV Sektion Ostschweiz. 

«Branche geht zugrunde»

Auch der St.Galler Peter Hutter, der an verschiedenen Märkten in der Schweiz Magenbrot verkauft, ist am Limit. Lediglich acht Prozent seines normalen Umsatzes konnte er erwirtschaften. Weil ihm fast 100 Prozent der Einnahmen fehlen, hofft er auf die kantonalen Härtefallgelder.

Der Kanton schlägt in diesen Fällen vor, zehn Prozent des normalen Umsatzes als À-fonds-perdu-Beiträge auszubezahlen. «Die Fixkosten bei einem Markthandelsbetrieb sind aber im Normalfall bei mindestens 30 Prozent. Bekommen wir kein Geld in dieser Grössenordnung, geht eine ganze Branche zugrunde.»

Marktfahrer sehen keine Zukunft mehr

Ab nächster Woche können nur Betriebe mit mindestens 100 Stellenprozenten beim Kanton einen Antrag stellen. Das Problem dabei: Niemand weiss, wann das Geld dann auch fliesst. Die Schausteller und Marktfahrer sitzen derweil bald auf dem finanziell Trockenen.

«Andere Branchen haben geklagt und durften nach zwei Tagen wieder öffnen», sagt Fabian Harder, der schon seit elf Jahren als Schausteller arbeitet. «Bei uns geht es fast zehn Monate. Da sieht man keine Zukunft mehr.»

(saz)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Januar 2021 19:40
aktualisiert: 9. Januar 2021 20:07