Einkaufstourismus nimmt ab

Ostschweizerinnen und Ostschweizer kaufen vermehrt regional ein

22. November 2022, 07:36 Uhr
Seit der Coronapandemie kaufen Ostschweizerinnen und Ostschweizer vermehrt regional statt kostengünstig im Nachbarland ein. In Österreich beispielsweise vermisst das Gewerbe die Schweizer Kundschaft – ganz zur Freude von Rheintaler Unternehmen.

Quelle: TVO

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Schweizer, Schweizer und nochmals Schweizer. Auf dem Parkplatz des grössten Einkaufszentrums im Vorarlberg, dem Messepark, wimmelt es nur so von Kundschaft aus dem Nachbarland. Sie alle sagen das Gleiche: Sie seien eigentlich gegen den Einkaufstourismus. Vor die Kamera wagen sich aber nur zwei Leute.

«Ich bin kein steter Einkaufs-Grenzgänger»

Gaby Patzold, die in Heerbrugg wohnt, ist eine davon. Sie sagt gegenüber TVO: «Manche Produkte sind in der Schweiz nicht erhältlich. Dann versuche ich sie dort zu erhalten, wo es möglich ist.» Klaus Henney aus Staad meint im gleichen Atemzug: «Ich bin kein steter Einkaufs-Grenzgänger. Das heute ist eher zufällig zu Stande gekommen. Ich musste noch etwas Erledigen und habe die Gelegenheit, hier meinen Einkauf zu machen, genutzt.»

Coronapandemie als Auslöser

Auch wenn es anders scheint, der Einkaufstourismus von Herr und Frau Ostschweizer hat gesamthaft abgenommen. Je nach Region zwischen 10 und 30 Prozent. Leute, die nun auf der Schweizer Seite des Rheins einkaufen, sorgen stattdessen – mitunter seit der Coronapandemie – für einen Boom von regionalen Einkäufen.

Roland Züger betreibt ein Optikgeschäft im Rheintal und ist Präsident der Interessengemeinschaft «Einkaufen in Altstätten». Er erklärt die momentane Situation folgendermassen: «Während der Pandemie konnte man nicht über die Grenze. Der eine oder andere wurde so gezwungen, regional einzukaufen. Wir haben diese Gäste natürlich mit offenen Armen empfangen. Wie nachhaltig dieser Effekt ist, wird sich zeigen.»

Österreich will Einkaufstouristen zurück

Genau diese Nachhaltigkeit ist aber in Gefahr. Auf der anderen Seite des Rheins, im Vorarlberg, möchte man die Schweizerinnen und Schweizer wieder in den eigenen Geschäften haben.

Beispielsweise startet der Messepark in Dornbirn eine Inserate-Kampagne in der Schweiz, um möglichst viele Leute zum Shoppen über die Grenzen zu locken. Der Verlust von rund 20 Prozent der Kundinnen und Kunden aus der Schweiz sei einschneidend, meint etwa ein Verantwortlicher des Messeparks gegenüber TVO. 

Bereits ohne Werbekampagne sei ein Aufwärtstrend zu beobachten, heisst es von der Messepark-Leitung weiter. Das bestätigen auch die Konjunktur-Beobachter der Wirtschaftskammer Vorarlberg. Denn: Die Kunden aus der Schweiz seien je nach Lage essenziell. Der Kampf um die Kundschaft ist also lanciert.

(red.)

Quelle: TVO
veröffentlicht: 22. November 2022 07:33
aktualisiert: 22. November 2022 07:36