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Pikes sind wütend auf Regierungsrätin

Angela Mueller, 4. September 2018, 19:10 Uhr
Vier jugendliche Hockey-Nachwuchstalente sind im März vom Thurgauer Migrationsamt ausgewiesen worden. Für den Eishockeyclub Pikes Oberthurgau ist dies ein Affront – mit einem offenen Brief schiesst der Club gegen Regierungsrätin Cornelia Komposch.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Seit 16 Jahren gibt es beim Oberthurgauer Eishockeyclub Pikes ein Austauschprogramm für junge Eishockey-Spieler aus dem Ausland. Die Minderjährigen trainieren für eine bestimmte Zeit beim EHC, wohnen jeweils bei Pflegeeltern in der Region und besuchen die Volksschule in Romanshorn.

Dieses Nachwuchsförderungs-Programm hatte bis anhin problemlos funktioniert, doch seit letztem März ist alles anders: Das Migrationsamt Thurgau liess vier ausländische Spieler zwischen 13 und 15 Jahren wegen fehlender Aufenthaltsbewilligung ausweisen.

«Für uns kam dieser Entscheid absolut überraschend», sagte Gregor Müller, Präsident des Eishockeyclubs, Ende August in einem TVO-Bericht. «Zumal wir über all die Jahre nie Probleme mit den Aufenthaltsbewilligungen für unsere Spieler hatten», sagte Müller. Nun hat sich der Club in einem öffentlichen Brief an Regierungsrätin Cornelia Komposch gewendet.

TVO-Bericht vom 25. August:

Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Keine Bewilligung wegen fehlender Unterlagen

Diese hatte im gleichen TVO-Bericht auf die Frage, weshalb die vier Schüler ausgewiesen worden seien, gesagt: «Gemäss dem Migrationsamt haben wesentliche Unterlagen kinderschutzrechtlicher Art gefehlt und sie wurden auch nicht nachgereicht.»

Diese Aussagen haben den Eishockeyclub verärgert. In einem offenen Brief wendet sich die Führung des Clubs an die Thurgauer Regierungsrätin. Unter anderem heisst es: «die Stellungsnahme in TVO grenzt an Verleumdung und entspricht nicht im entferntesten der Realität.»

Nachwuchsspieler in Privatschule

Der Club habe die fehlenden Unterlagen nachgereicht und mit dem Amt für Pflegekinder und Heimaufsicht eine Regelung getroffen, sodass die Unterbringung in Gastfamilien weiterhin möglich gewesen wäre. Tatsächlich sei das Unterfangen an einer überraschenden und neuen Forderung des Migrationsamtes gescheitert: Die Nachwuchsspieler hätten eine Privatschule besuchen müssen. Gemäss EHC hätte die Aufenthaltsbewilligung nur erfolgen können, wenn die Schüler dieser Forderung nachgekommen wären. Doch eine Privatschule liege nicht in den finanziellen Möglichkeiten der Eltern. Für den Club sei diese Forderung des Migrationsamtes in «keiner Art und Weise legitim» gewesen.

Runder Tisch soll Klarheit bringen

Auf Anfrage teilt Komposch mit, sie habe den offenen Brief des Vereins zur Kenntnis genommen. «Es geht weder dem Regierungsrat noch mir darum, Pikes zu ‹desavouiren›». Sie verweist auf die Beantwortung einer einfachen Anfrage von Kantonsrat Andrea Vonlanthen durch den Regierungsrat, in der die Ausgangslage abschliessend aufgezeigt werde.

«Dennoch scheint es erhebliche Differenzen bezüglich des Verfahrens zu geben, weshalb ich ein klärendes Gespräch zwischen dem Migrationsamt und Pikes vorschlage», sagt Komposch und verspricht, die Verantwortlichen des Hockeyclubs demnächst zu einem «Runden Tisch» einzuladen.

Angela Mueller
veröffentlicht: 4. September 2018 14:58
aktualisiert: 4. September 2018 19:10