Trockenheit

Praktisch ohne Wasser: Der Sämtisersee ist verschwindend klein

Sven Lenzi, 12. August 2022, 05:52 Uhr
Die Trockenheit in der Schweiz macht auch vor dem Alpstein keinen Halt. Momentan muss das Wasser im Sämtisersee fast schon gesucht werden – für den Wirt des Plattenbödeli kommt diese Entwicklung nicht überraschend.

Die Fläche des Sämtisersees gleicht momentan eher einem abgenutzten Fussballplatz als der eines alpinen Sees. In den letzten Wochen hat der Wasserbestand so stark abgenommen, dass nicht mehr viel vom eigentlichen Inhalt übrig bleibt. Der Rückgang des Wassers hat sich aber schon vorher abgezeichnet.

Austrocknung war absehbar

Denn wenn der Frühling schon eher trocken ausfällt, kann sich der See über die heissen und trockenen Sommermonate wie dem Juli oder August nicht mehr erholen. Alois Inauen, Gastgeber des Berggasthauses Plattenbödeli, meint dazu: «Mich erstaunt das aktuelle Bild nicht. Wenn der See im Frühling schon verhältnismässig wenig Wasser hat, ist die Austrocknung im Sommer absehbar.» Das Plattenbödeli liegt unmittelbar am Sämtisersee, der Wirt kennt sich deshalb bestens mit dem Gewässer aus. Er erinnert sich daran, wie er vor etwa vier Jahren durch den ausgetrockneten See gelaufen ist, nun sei der Wasserstand etwa wie damals.

Weil sich der Sämtisersee durch grosse Pegelunterschiede im Verlaufe des Jahres auszeichnet, ist das Phänomen nicht neu. Alois Inauen weiss darüber hinaus: «Der See hat einen grossen Wasseraustausch, dazu kommt, dass er relativ flach ist. Durch viele Gewitter oder Landverschiebungen könnte sich das Seeufer auflösen.» Und Inauen prognostiziert schliesslich: «Der Sämtisersee wird irgendwann verlanden. Ob das in fünf oder 100 Jahren geschehen wird, weiss wohl niemand so genau.» 

Auch auf Instagram scheint der ausgetrocknete Sämtisersee die Blicke der Wanderer auf sich zu ziehen.

Bergseen werden sich erholen

Anders als Alois Inauen beurteilt Massimiliano Zappa, Gruppenleiter Gebirgshydrologie der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), die Situation am Sämtisersee. Er weist die Austrocknung des Sees vor allem dem speziellen Jahr zu: «Die Hitzewellen und das allgemeine Niederschlagsdefizit setzen den alpinen Seen dieses Jahr zu», so Zappa. Er erklärt dabei vereinfacht: «So wie die Regenpfützen im Mittelland innerhalb eines halben Tages verdunsten, so verdunstet auch das Wasser in den Bergseen. Wenn mehr Wasser verdunstet als dass hinzukommt, ist die Bilanz negativ und der Seebestand geht zurück.» Für Zappa aber noch kein Grund, den Teufel an die Wand zu malen: «Sobald kräftige Gewitter wieder zunehmend vorkommen, wird sich das Wasser in den Bergseen auch wieder vermehrt sammeln.»

Bleibt also zu hoffen, dass der Sämtisersee Wanderinnen und Wanderer mit seiner malerischen Gestalt eher 100 statt fünf Jahre zu entzücken vermag.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. August 2022 05:52
aktualisiert: 12. August 2022 05:52
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