«Provisorien brauchen keine Abstimmung»

Fabienne Engbers, 28. August 2017, 12:22 Uhr
Fahrende haben in St.Gallen zurzeit keine Durchgangsplätze. (Archiv)
© sgt/Ralph Ribi
Der Kanton St.Gallen macht Druck in Sachen Plätze für Fahrende: Bereits nächstes Jahr sollen drei zur Verfügung stehen. Weil diese provisorisch sein werden, kann der Kanton eine Abstimmung umgehen und die Bevölkerung bekommt Zeit, Vorurteile abzubauen.

Drei provisorische Durchgangsplätze für Fahrende: Damit erfüllt der Kanton St.Gallen zumindest die Hälfte der sechs Plätze, die er auf Geheiss des Bundesrates zur Verfügung stellen will. Die Plätze werden provisorisch aufgestellt, dadurch kann der Kanton einer Volksabstimmung entgehen. In den vergangenen Jahren sind solche Plätze genau daran gescheitert.

Orte werden noch nicht verraten

«Drei Plätze werden zur Verfügung gestellt, und zwar im Sarganserland, im Rheintal und im Fürstenland», sagt Ueli Strauss, Raumplaner des Kantons St.Gallen, gegenüber dem Regionaljournal. In welchen Gemeinden die Plätze geplant sind, bleibt geheim. «Wir müssen uns zuerst einig werden. Sonst geht es in den betreffenden Gemeinden gleich weider los.»

Ueli Strauss ist der Leiter des Amt für Raumentwicklung und Geoinformation des Kanton St.Gallen. (Bild: Tagblatt/Ralph Ribi)

Allerdings werden die Plätze keine definitiven Durchgangsplätze sein, sondern lediglich Provisorien. «Diese könnten wir jederzeit wieder abbrechen», so Strauss gegenüber FM1Today. Bereits im Frühjahr 2018 könnten die Plätze in Betrieb genommen werden.

«Vielleicht merkt man, dass es gar nicht schlimm ist»

Der Kanton St.Gallen umgeht mit den Provisorien eine Volksabstimmung - zumindest fürs Erste. «Wir haben gemerkt, dass die Opposition der Bevölkerung gegen fixe Plätze extrem gross ist», sagt der Raumplaner.

Die Provisorien sollen die Gemüter beruhigen. «Es ist ein neuer Anlauf, um bei der Bevölkerung Vorurteile abzubauen», sagt Strauss. «Die Skepsis ist überall gross. Mit den Provisorien können die Fahrenden zeigen, dass es funktioniert.» Strauss hofft, dass die Provisorien nach ein paar Jahren in fixe Plätz umgewandelt werden können. Wäre die Bevölkerung allerdings dagegen, könnte das Referendum ergriffen werden.

Die Provisorien werden für zwei bis vier Jahre aufgestellt, danach können sie wieder abgebaut werden oder in fixe Durchgangsplätze umgebaut werden.

Fabienne Engbers
Quelle: enf
veröffentlicht: 28. August 2017 12:22
aktualisiert: 28. August 2017 12:22