Rasende Polizisten freigesprochen

Laurien Gschwend, 1. März 2017, 09:55 Uhr
Im September 2015 haben zwei Polizisten einen rasenden Motorradfahrer verfolgt. (Symbolbild)
Im September 2015 haben zwei Polizisten einen rasenden Motorradfahrer verfolgt. (Symbolbild)
© FM1Today/Raphael Rohner
Das Kreisgericht Wil hat gestern Dienstag zwei Beamte der Kantonspolizei St.Gallen freigesprochen, die während einer Verfolgungsjagd auf 226 Stundenkilometer beschleunigt haben. Die Geschwindigkeit sei als verhältnismässig zu beurteilen.

Der Erste Staatsanwalt Thomas Hansjakob, welcher die Anklage vertrat, war gemäss dem «St.Galler Tagblatt» der Meinung, die hohe Geschwindigkeit der beiden Kantonspolizisten sei übertrieben gewesen. Schliesslich habe sich der Motorradfahrer, welchen die beiden Beamten im September 2015 mit Blaulicht und Horn verfolgten, hauptsächlich selbst gefährdet. Dieser beschleunigte sein Fahrzeug auf der Strecke zwischen St.Gallen und Oberbüren auf bis zu 240 Stundenkilometer, nachdem er das Polizeifahrzeug erblickt hatte. Er überholte andere Verkehrsteilnehmer von rechts und ging einen der Polizisten bei der Verfolgungsjagd tätlich an.

Polizei brachte Verkehrsteilnehmer in Gefahr

Das Ganze wurde von der Polizei mitgefilmt. Auch diese verletzte während der Verfolgungsjagd die Verkehrsregeln grob, wie es in der Anklage heisst. Andere Verkehrsteilnehmer seien in ernste Gefahr gebracht worden. Der Streifenwagen sei in Spitzenzeiten auf bis zu 226 Stundenkilometer beschleunigt worden. Auch die Polizei habe mehrfach von rechts überholt und mit der hohen Geschwindigkeit Pannenstreifen und Sperrflächen befahren. Ein Reisebus sei mit 203 Stundenkilometern überholt worden. Die rasante Fahrt endete für alle Beteiligten auf einer Wiese bei der Ausfahrt Oberbüren.

Verfolgungsjagd erfolgte verhältnismässig

Wie das «St.Galler Tagblatt» weiter schreibt, gab Hansjakob während der Verhandlung vom Dienstag zu, man habe als Polizist jeweils wenig Zeit, lange zu «fackeln». Er bat das Gericht, nicht zu lange hin- und her zu erwägen. «Wenn Sie für Ihren Entscheid mehr als zwei Minuten brauchen, müssen Sie die Beschuldigten freisprechen. Die Polizisten haben auch nicht länger Zeit», wird er von der Zeitung zitiert. Das Kreisgericht Wil sprach die beiden Polizisten schliesslich frei. Die Verfolgungsjagd sei verhältnismässig erfolgt.

Der Freispruch der Polizisten bedeutet nun, dass die Videoaufnahmen als Beweis gelten. Diese dürften nicht unwesentlich sein, wenn sich der Motorradfahrer vor Gericht verantworten muss. Auf ihn könnten drei Jahre Gefängnis zukommen.

Was denkt ihr: Dürfen Polizisten bei Nachfahrten grob die Verkehrsregeln verletzen? 

Laurien Gschwend
Quelle: red.
veröffentlicht: 1. März 2017 09:55
aktualisiert: 1. März 2017 09:55