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«Rezession nicht auszuschliessen»

David Scarano, 29. September 2015, 17:03 Uhr
Ausserrhoden, St.Gallen und Thurgau haben die Budgets für 2016 präsentiert. Die Finanzlage bleibt angespannt. Noch drohen aber keine Steuererhöhungen und weitere Sparpakete. Dies könnte sich rasch ändern, wenn es zu einem Konjunktur-Rückschlag komme, sagt Ökonom Peter Eisenhut.
Theo Heimann/dapd

Der Volkswirtschaftler rechnet derzeit zwar mit einem leichten Wirtschaftswachstum. Weltweit kühlt die Konjunktur jedoch ab. China hat Probleme, Schwellenländern sind unter Druck und die Rohstoffpreise am Boden. "Ein Rückfall in die Rezession ist nicht auszuschliessen“, sagt der Ausserrhoder Ökonom. Dies würde die Schweiz und damit auch die Ostschweiz mit sich reissen. Der Schweizer Franken könnte stärker werden, die Sozialausgaben zunehmen und die Steuern retour gehen. «Bei diesem Szenario steigen die Steuern», sagt Eisenhut.

Flüchtlinge nicht nur eine Belastung

Eisenhut spricht auch von weltweiten politischen Problemen, die der Wirtschaft zusetzen. Die Flüchtlingskrise wirke sich indes noch wenig auf die Kantonsfinanzen aus. Anders würde es bei einem grösseren Zustrom aussehen. Das würde die Budgets der Gemeinden und Kantone strapazieren.

Eisenhut weist darauf hin, dass Flüchtlinge auch einen positiven wirtschaftlichen Einfluss haben können. Sie könnten zu mehr Einnahmen führen, da unter anderem Häuser und Unterkünfte gebaut werden müssten.

Auf Asien setzen ist richtig

Die Wirtschaft leidet vor allem unter der Frankenstärke. Für den Ökonomen ist die Eurokrise noch nicht ausgestanden. Sie würde erst in ein oder zwei Jahren in den Kantonskassen sichtbar sein. Dass sich Ostschweizer Unternehmen wegen der Eurokrise vermehrt auf Asien konzentrieren, hält er trotz China-Abschwung für sinnvoll. Asien weise weiter ein jährliches Wirtschaftswachstum von fünf bis sechs Prozent auf. «Langfristig wird diese Strategie von Erfolg gekrönt sein», ist Eisenhut überzeugt.

Krankenkassenprämien steigen weiter

Als grösste Herausforderung für die Kantone sieht Eisenhut aber nicht die Frankenstärke. Er nennt die demographische Entwicklung, welche die Gesundheitskosten weiter in die Höhe treibe.  «Wenn wir das System nicht ändern, steigen die Krankenkassenprämien jedes Jahr um fünf bis sechs Prozent», sagt der Ausserrhoder.

Die zweite«grosse Baustelle» ist für ihn die Unternehmenssteuerreform III. Diese treffe die Kantone stark. Der nationale Finanzausgleich müsse neu geregelt werden.  

Jetzt ein Haus kaufen

Gespannt blickt nicht nur Peter Eisenhut in die USA. Die dortige Notenbank FED dürfte den Leitzins Ende Jahr erhöhen – so die Erwartung vieler Experten. Eisenhut rechnet erst 2016 mit diesem Schritt. Er würde ihn aber so oder so begrüssen. Der Schweizer Franken würde gegenüber dem Dollar schwächer werden. Das wäre gut für die hiesige Wirtschaft.  Zudem könnten die Zinsen mit Verzögerung in der Schweiz steigen. «Das fände ich positiv. Negativzinsen sind längerfristig nicht tragbar», sagt Eisenhut. Weniger Freude dürften Hausbesitzer und Bauherren haben. Die Hypothekarzinse könnten längerfristig steigen. «Aufgrund der Zinsen ist es nicht schlecht, jetzt ein Haus zu kaufen», sagt der Ökonom.

David Scarano
Quelle: dsc
veröffentlicht: 29. September 2015 17:00
aktualisiert: 29. September 2015 17:03