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Kommentar

Richtet Haltestellen für Elterntaxis ein!

Angela Mueller, 17. November 2020, 07:54 Uhr
Der Ärger über Elterntaxis ist erstaunlich gross. Diverse Schulbehörden versuchen Eltern dazu zu bringen, ihre Kinder nicht mit dem Auto zur Schule zu transportieren. Warum das nichts bringt, ist einfach erklärt.
Elterntaxis sind verpönt, aber nicht unverständlich.
© Keystone Symbolbild

Diverse Gemeinden sagen Elterntaxis den Kampf an. Mit Kampagnen oder Aufklärungsarbeit wollen die Behörden und Verbände gegen die Autokorsos vor den Primarschule vorgehen. Verständlich, der zusätzliche Autoverkehr trägt nicht zur Sicherheit jener Kinder bei, die zu Fuss oder mit dem Velo zur Schule kommen.

Unverständlich sind allerdings die Argumente, die die Schulbehörden, Lehrerschaft und zum Teil völlig Unbeteiligte vorbringen: Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, seien alle überfürsorglich. Dies schade den Kindern. Doch wer sonst ausser den Eltern kann entscheiden, wie viel Betreuung und Fürsorge jedes individuelle Kind tatsächlich braucht? Kinder haben unterschiedliche Bedürfnisse. Dass man auf diese besser eingeht, um sie zu stärken und zu selbstbewussten Menschen heranwachsen zu lassen, beschrieb Kinderpsychologe Remo H. Largo in seinen Büchern ausführlich.

Dann gibt es noch die Haltung, die nicht zuletzt auch von Kinderpsychologen und Pädagogen vertreten wird, Eltern müssten ihre Kinder gewissen Risiken aussetzen, damit diese selbständig würden. Das stimmt ganz gewiss und ist zugegebenermassen schwierig. Doch es liegt in der Verantwortung der Eltern, einzuschätzen, wann sie diese Risiken eingehen können. Jedes Kind reagiert anders und Schulwege können, je nach Länge und Verkehr, kleinere oder grössere Herausforderungen sein.

Ja und dann kommt jenes Argument, das auch noch Gang und Gäbe ist: Kinder würden auf dem Schulweg wertvolle Erfahrungen sammeln. Doch diese Erfahrungen sind von unterschiedlicher Natur und Qualität: Die herzige Weinbergschnecke auf dem Schulweg ist wohl eher ein romantisiertes Bild und dürfte gerade in der Stadt wenig mit der Realität zu tun haben. Dass zum Teil die Kleinen sich nach einem anstrengenden Schulmorgen oder -nachmittag gegen Gehässigkeiten und Übergriffe anderer Kinder wehren müssen, wird kaum erwähnt.

Letztlich wissen die Schulbehörden, dass es die Eltern sind, die die Verantwortung für ihren Nachwuchs auf dem Schulweg tragen. Diese Verantwortung muss man ihnen auch zugestehen. Die Eltern sind es auch, die sich zusammentun und (oftmals vergeblich) versuchen, Tempo 30 auf Quartierstrassen durchzusetzen. Gegen den Willen des Gewerbes, dem der Umsatz wichtiger ist als die Sicherheit der Schüler auf der Strasse. Bis sich dann jeweils die Strassensituation tatsächlich ändert, könnten die Kinder gleich mehrmals die Primarschule durchlaufen haben.

Da nützen logischerweise auch gut gemeinte Informationsabende und -kampagnen der Schulbehörden nichts.

Bleibt das letzte, einzig gewichtige Argument gegen Elterntaxis: Die Sicherheit der Schulwege, die durch Elterntaxis zusätzlich gefährdet wird. Hier geht Rorschacherberg den wohl einzig sinnvollen und gangbaren Weg: Hier wird eine Haltestelle für Elterntaxis eingerichtet.

Hier der TVO-Bericht zu den Elterntaxis in Wil vom 4. September 2018:

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Angela Mueller
Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 6. September 2018 06:05
aktualisiert: 17. November 2020 07:54